Vier Dividendenaktien im Vergleich: 6,2% bis 7,6% Dividendenrendite und bis zu 36% Kurspotenzial

In einer Zeit, in der der Zinsmarkt zwar noch attraktiv ist, aber die Zinswende in Europa bereits vollzogen und in den USA absehbar erscheint, rückt eine alte Frage wieder in den Vordergrund: Welche Aktien zahlen zuverlässig, wachsen dabei noch ein bisschen – und halten auch dann stand, wenn die Märkte unruhig werden?

Vier Dividendenaktien aus ganz unterschiedlichen Sektoren und Regionen verdienen derzeit besondere Aufmerksamkeit: die deutsche freenet AG, der US-amerikanische Pipeline-Betreiber MPLX LP, der Konsumkreditgeber OneMain Holdings und der Tabakkonzern Altria Group.

Allen gemein ist eine Dividendenrendite deutlich oberhalb des Marktdurchschnitts.

Was sie voneinander unterscheidet – und was Anleger wissen sollten – zeigt die folgende Analyse.

 

4 Dividendenperlen: OneMain, Freenet, MPLX und Altria Group

 

freenet AG: Das Asset-Light-Modell mit 7,5% Rendite

Die freenet AG ist in Deutschland eine Art stiller Performer: kein Netzbetreiber, der Milliarden in Glasfaser oder 5G-Masten investieren muss, sondern ein Service-Provider, der die Infrastruktur der Telekommunikationskonzerne – Deutsche Telekom, Vodafone, Telefónica – nutzt und darüber eigene Mobilfunk-, Internet- und TV-Produkte vermarktet. Das sogenannte Asset-Light-Modell erlaubt eine Flexibilität, die klassischen Netzbetreibern strukturell fehlt.

Der Aktienkurs liegt aktuell bei 27,34 Euro. Für das Geschäftsjahr 2025 schlägt das Management eine Dividende von 2,07 Euro je Aktie vor – das wäre die fünfte Erhöhung in Folge und entspricht einer Dividendenrendite von rund 7,6%. Das ist kein Ausrutscher, sondern Kalkül: freenet hat das Ausschüttungsmodell zur Kernstrategie erhoben.

Besonders spannend ist das Wachstumssegment rund um waipu.tv, das IPTV-Angebot des Unternehmens. Die Plattform gewinnt kontinuierlich Abonnenten – in einem Markt, in dem klassische Kabelanbieter strukturell unter Druck geraten. Wer als Anleger also einen stabilen Cashflow-Lieferanten mit einem echten Wachstumshebel im Portfolio haben möchte, findet hier einen interessanten Baustein.

Die Abhängigkeit von den Konditionen der Netzbetreiber bleibt das strukturelle Risiko. Wenn die großen Drei die Preise erhöhen oder die Zusammenarbeit erschweren, gerät freenets Marge unter Druck. Intensiver Wettbewerb durch Discounter – vor allem im Mobilfunksegment – ist dabei ein ständiger Begleiter.

freenet Aktie Chart

 

MPLX LP: Pipeline-Infrastruktur mit knapp 7% Ausschüttung

MPLX LP ist, was viele Anleger suchen, aber selten finden: ein Unternehmen mit einem geschäftsmodellseitig gesicherten Cashflow, einer langen Ausschüttungshistorie und niedrigem Kursbeta. Der Midstream-Energiekonzern betreibt ein weitverzweigtes Netz aus Pipelines, Terminals und Lagerstätten vor allem in den relevanten US-amerikanischen Förderregionen – darunter das Permian Basin.

Bei einem aktuellen Kurs von 58,65 Dollar und einer jährlichen Ausschüttung von 4,07 Dollar je Anteilsschein liegt die Rendite bei 6,9%. Der Kurs befindet sich nahe dem 52-Wochen-Hoch von 59,84 Dollar – und interessanterweise leicht oberhalb des durchschnittlichen Analystenpreisziels von 57,85 Dollar. Das bedeutet nicht, dass die Aktie überbewertet ist; es bedeutet aber, dass Kursfantasie kurzfristig begrenzt erscheint. Der Anlagefall für MPLX ist ohnehin ein anderer: Es geht um die laufende Ausschüttung, nicht um Kursgewinne.

Die MLP-Struktur ist dabei sowohl Stärke als auch Herausforderung. Einerseits verpflichtet sie rechtlich zur Ausschüttung eines Großteils der Cashflows, andererseits bringt sie steuerliche Besonderheiten mit sich, die deutsche Anleger kennen sollten. Langfristige, gebührenbasierte Verträge schützen MPLX weitgehend vor kurzfristigen Rohstoffpreisschwankungen – der Umsatz hängt mehr am Volumen als am Ölpreis.

Das Kreditrisiko durch steigende Zinsen – MPLX ist kapitalintensiv und regelmäßig am Fremdkapitalmarkt aktiv – sowie potenzielle regulatorische Verschärfungen im US-Pipelinebau bleiben die wesentlichen Risikofaktoren. Quartalsweise Gewinnwachstum von zuletzt 9,1% und Umsatzwachstum von 7,1% signalisieren aber ein solides operatives Momentum.

MPLX Aktie Chart

 

OneMain Holdings: 7,6% Rendite – und 36% Kurspotenzial laut Analysten

OneMain Holdings ist die ungewöhnlichste Aktie in diesem Quartett – und möglicherweise die interessanteste. Das Unternehmen vergibt Konsumentenkredite im sogenannten Non-Prime-Segment, also an Kunden, denen der klassische Bankensektor oft die Tür weist. Das klingt nach höherem Risiko, ist es auch – aber es ist eben auch ein Geschäft mit deutlich höheren Margen.

Der Kurs steht aktuell bei 53,41 Dollar. Das ist bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass die Aktie im vergangenen Jahr noch bei 70,60 Dollar notierte. Der Rücksetzer um rund 24% hat die Bewertung auf ein historisch günstiges Niveau gedrückt: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt bei 8,38, das Forward-KGV bei nur 7,62. Dabei hat OneMain im letzten Quartal den Gewinn um 63,7% im Jahresvergleich gesteigert.

Die Dividendenrendite liegt bei 7,6% – auf Basis einer Ausschüttung von 4,17 Dollar je Aktie. Aber was die Aktie besonders interessant macht: Das durchschnittliche Analystenpreisziel liegt bei 72,71 Dollar, was einem Kurspotenzial von rund 36% entspricht. Zehn von sechzehn analysierten Instituten empfehlen einen Kauf. Wenn also der Kursrücksetzer fundamental nicht gerechtfertigt war, steckt in OneMain sowohl eine attraktive Dividende als auch ein erhebliches Kurspotenzial.

Das zentrale Risiko ist das Kreditrisiko: In einer Rezession steigen Ausfallraten im Non-Prime-Segment erfahrungsgemäß stärker als im Gesamtmarkt. Das zyklische Geschäftsmodell und regulatorische Eingriffe in die Konsumkreditvergabe bleiben permanente Begleiter. Das hohe Beta von 1,29 signalisiert: Wer OneMain kauft, kauft Volatilität.

OneMain Holdings Aktie Chart

 

Altria Group: Der Dividendenaristokrat mit struktureller Bremse

Altria ist das, was Finanzökonomen gerne als „melting ice cube” bezeichnen – ein Geschäft, das strukturell schrumpft, aber dabei so viel Cashflow generiert, dass es seinen Aktionären noch auf Jahre hinaus üppige Dividenden zahlen kann. Der weltgrößte Zigarettenkonzern – zu seinem Portfolio zählt die Marke Marlboro – hat die Ausschüttung über Jahrzehnte erhöht und ist damit ein klassischer Dividendenaristokrat.

Bei einem Kurs von 66,51 Dollar und einer Ausschüttung von 4,16 Dollar je Aktie liegt die Rendite bei 6,2%. Das ist die niedrigste in diesem Vergleich, aber immer noch weit über dem Marktdurchschnitt. Das Forward-KGV von 12,17 signalisiert eine faire Bewertung – der Kurs liegt allerdings leicht oberhalb des durchschnittlichen Analystenpreisziels von 64,92 Dollar. Die Community ist gespalten: sieben Analysten votieren auf „Halten”, fünf auf „Kaufen”, je einer auf „Verkaufen” und „Stark verkaufen”.

Die Transformation in Richtung rauchfreier Produkte ist real, aber langsam. Mit der E-Zigarettenmarke NJOY und dem Oral-Nikotin-Produkt on! baut Altria ein Portfolio auf, das den strukturellen Rückgang im Zigarettengeschäft abfedern soll. Die hohe Preissetzungsmacht im Kerngeschäft gibt dafür Zeit. Aber eben nur Zeit – nicht Ewigkeit.

Wer Altria kauft, kauft im Grunde eine hochverzinste Anleihe mit Dividendenwachstum, eingepreisten Regulierungsrisiken und einer Transformationswette. Für einkommensorientierte Anleger mit Geduld und Risikobewusstsein kann das eine vernünftige Beimischung sein.

Wachstums- oder ESG-orientierte Portfolios werden sich nicht damit anfreunden.

Altria Group Aktie Chart

 

Die Kennzahlen im Vergleich

Aktie Kurs Div.-Rendite KGV Analystenpreis 52-W-Tief/Hoch
freenet AG (FNTN) 27,34 € 7,6% 14 33,5 Euro 26,00 € / 37,56 €
MPLX LP (MPLX) 58,65 $ 6,9% 12,17 57,9 USD 41,22 $ / 59,84 $
OneMain Holdings (OMF) 53,41 $ 7,6% 8,38 72,7 USD 35,23 $ / 70,60 $
Altria Group (MO) 66,51 $ 6,2% 16,26 64,9 USD 50,18 $ / 70,51 $

 

Fazit: Für wen eignet sich welche Dividendenaktie?

Dividendenaktien sind nicht gleich Dividendenaktien – das zeigt dieser Vergleich vielleicht am deutlichsten. Die vier hier analysierten Titel haben zwar die hohe Ausschüttungsrendite gemein, unterscheiden sich aber erheblich in Risikoprofil, Geschäftsmodell und Eignung für verschiedene Anlegertypen.

freenet AG: eignet sich vor allem für einkommensorientierte Anleger mit mittel- bis langfristigem Anlagehorizont, die einen stabilen, planbaren Dividendenstrom suchen und dabei keine großen Kurssprünge erwarten. Das Asset-Light-Modell macht die Aktie auch für defensiv ausgerichtete Portfolios interessant. Wer hingegen auf Wachstum setzt oder Abhängigkeiten von wenigen Schlüsselpartnern scheut, wird hier wenig Freude haben.

MPLX LP: ist ein klassisches Einkommensinvestment für Anleger, die Wert auf Ausschüttungsstabilität und niedrige Schwankungsbreite legen. Die Aktie passt gut als Beimischung in ein diversifiziertes Portfolio – besonders für jene, die eine Absicherung gegen Zinsrückgänge suchen. Steuerlich sollten sich deutsche Anleger vorab mit der MLP-Struktur vertraut machen. Für kurzfristig denkende oder wachstumsorientierte Investoren ist MPLX nichts.

OneMain Holdings: ist die chancenreichste – und risikoreichste – Aktie in diesem Quartett. Das Zusammenspiel aus hoher Dividendenrendite, günstiger Bewertung und erheblichem Kurspotenzial macht sie für erfahrene, risikobereitere Anleger interessant, die einen mittelfristigen Horizont mitbringen. Wer konjunkturelle Turbulenzen im Portfolio nicht verträgt oder auf Kapitalerhalt angewiesen ist, sollte einen großen Bogen machen.

Altria Group: ist eine Aktie für Anleger, die ganz bewusst Dividende über Wachstum stellen – und die bereit sind, das strukturelle Schrumpfen eines Kerngeschäfts als Teil des Deals zu akzeptieren. Als defensiver Cashflow-Lieferant in einem breit diversifizierten Portfolio hat sie durchaus ihre Berechtigung. Für ESG-sensible Portfolios, wachstumsorientierte Strategien oder Anleger mit niedrigem Risikopuls scheidet sie aus.

Dividendenaktien sind kein Allheilmittel – aber für einkommensorientierte Anleger mit Blick auf den langfristigen Vermögensaufbau bleiben sie eine der bewährtesten Strategien überhaupt.

Die vier hier analysierten Titel zeigen, wie unterschiedlich die Risiko-Rendite-Profile selbst innerhalb dieser Gruppe sein können.

Wer die Chancen kennt und die Risiken versteht, kann daraus ein solides Portfolio-Fundament bauen.

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