USA 2026: baut Donald Trump das neue us-amerikanische Wirtschaftsimperium?

Die Vereinigten Staaten von Amerika stehen möglicherweise an der Schwelle zu einer grundlegenden wirtschaftlichen Neuausrichtung.

Zumindest wenn man sich die aktuellen Entwicklungen anschaut – von der Handelsbilanz über Energiedeals bis hin zu Währungsdiskussionen – dann ergibt sich ein ziemlich optimistisches Bild.

Die USA sind dabei, ihre Wirtschaftsmacht auf eine völlig neue Basis zu stellen.

 

 

Goldman Sachs prognostiziert 2,6% US-Wachstum – deutlich über Konsens

Die führenden Wall Street-Analysten zeigen sich bemerkenswert optimistisch für die US-Wirtschaft 2026. Goldman Sachs Research rechnet mit einem BIP-Wachstum von 2,6% für die USA – das liegt spürbar über der Konsensschätzung von nur 2,0%. Jan Hatzius, Chef-Ökonom bei Goldman Sachs, formuliert es so:

“As has typically been the case since the pandemic, we are most optimistic (relative to consensus) in the US.”

 

Die Gründe für diesen Optimismus sind konkret:

Steuersenkungen, verbesserte Finanzbedingungen und eine nachlassende Belastung durch Zölle.

Allein durch Steuersenkungen erhalten US-Konsumenten im ersten Halbjahr 2026 etwa 100 Milliarden Dollar zusätzlich zurück – das entspricht rund 0,4% des verfügbaren Jahreseinkommens.

 

Institution BIP-Prognose 2026 Zentrale Treiber
Goldman Sachs 2,6% Steuersenkungen, reduzierte Zoll-Belastung, leichtere Finanzbedingungen
Bank of America Über Konsens Optimismus zu US-Wirtschaft und KI-Investitionen
Morgan Stanley 1,8% (2026), 2,0% (2027) Konsumausgaben, leichtere Geld- und Fiskalpolitik, KI-getriebene Produktivität
Konsens 1,9% – 2,0%

 

Auch die Bank of America zeigt sich bullish. Candace Browning, Head of Bank of America Global Research, erklärt:

“Despite these lingering concerns, our team remains bullish on the economy and AI. We are optimistic on the two most influential economies, expecting above-consensus GDP growth for the U.S. and China.”

 

Handelsbilanz schrumpft um 39%: Niedrigstes Defizit seit Juni 2009

Die Zahlen zur Handelsbilanz sind tatsächlich beeindruckend – und das ist vermutlich eine der wichtigsten Entwicklungen, die man sich anschauen sollte. Im Oktober 2025 fiel das US-Handelsdefizit auf nur noch 29,4 Milliarden Dollar. Das ist der niedrigste Wert seit der Finanzkrise, genauer gesagt seit Juni 2009.

Im Vergleich zum September bedeutet das einen Rückgang um satte 39%.

Was dahintersteckt:

Die Exporte stiegen um 2,6% auf ein Rekordniveau von 302 Milliarden Dollar, während die Importe gleichzeitig um 3,2% auf 331,4 Milliarden Dollar sanken.

Die Zollpolitik zeigt also Wirkung, zumindest was die reinen Zahlen angeht.

 

Kennzahl Oktober 2025 Veränderung vs. Sept. Historischer Vergleich
Handelsdefizit $29,4 Mrd. -39% Niedrigster Wert seit Juni 2009
Exporte $302,0 Mrd. +2,6% Rekordniveau
Importe $331,4 Mrd. -3,2% 21-Monats-Tief
Arbeitsproduktivität Q3 +4,9%

 

Wobei man fairerweise sagen muss: Die Oktober-Zahlen sind teilweise durch massive Gold-Exporte verzerrt. Nonmonetary Gold stieg allein um 6,8 Milliarden Dollar. Die tatsächliche Verbesserung der “normalen” Handelsbilanz liegt eher bei etwa 12% statt der ausgewiesenen 39%.

Aber selbst das ist eine deutliche Entwicklung!

Interessant sind auch die bilateralen Verschiebungen.

Das Defizit mit China fiel auf 13,7 Milliarden Dollar, während es mit Mexiko bei 17,9 Milliarden liegt. Taiwan (15,7 Milliarden) und Vietnam (15,0 Milliarden) folgen dahinter. Die größten Überschüsse erzielt die USA mit der Schweiz (7,3 Milliarden) und dem Vereinigten Königreich (6,8 Milliarden).

Venezuela-Öl: 303 Milliarden Barrel für US-Energiesouveränität

Wenn man über die strategische Neupositionierung der USA spricht, dann kommt man an Venezuela nicht vorbei. Am 3. Januar 2026 wurde Nicolás Maduro von US-Streitkräften festgenommen. Drei Tage später kündigte Präsident Trump ein Energieabkommen an, das ziemlich weitreichend ist.

Denn: Venezuela sitzt auf geschätzten 303 Milliarden Barrel Ölreserven – das sind etwa 17% der weltweiten Gesamtreserven.

Zum Vergleich: Saudi-Arabien hat rund 267 Milliarden Barrel. Die USA übernehmen nun die Kontrolle über den Verkauf venezolanischen Öls.

Zunächst geht es nur um 30 bis 50 Millionen Barrel aus Lagerbeständen, was bei aktuellen Preisen immerhin über 2 Milliarden Dollar entspricht.

 

Parameter Wert Einordnung
Venezolanische Ölreserven 303 Mrd. Barrel 17% der weltweiten Reserven
Aktuelle Produktion ~800.000 bpd Historisches Tief (Peak 2000: 3,2 Mio. bpd)
Erste Öllieferung 30-50 Mio. Barrel Wert: >$2 Mrd.
Produktionspotenzial +mehrere 100.000 bpd Laut Energy Secretary Chris Wright

 

Energy Secretary Chris Wright formuliert die Strategie klar:

“We’re going to market the crude coming out of Venezuela — first this backed up stored oil and then indefinitely, going forward, we will sell the production that comes out of Venezuela into the marketplace.”

Die Einnahmen fließen zunächst auf US-kontrollierte Konten.

Das Problem ist allerdings die Infrastruktur.

Die venezolanische Ölindustrie liegt nach jahrzehntelanger sozialistischer Misswirtschaft am Boden.

Die Elektrizitätsproduktion ist um über 30% eingebrochen, Raffinerien sind veraltet, Pipelines marode. Eine schnelle Produktionssteigerung ist unrealistisch.

Wright spricht von “several hundred thousand barrels per day” als mittelfristigem Ziel – aber ohne massive Investitionen wird das schwierig.

 

Gold-Neubewertung: Von $42 auf $4.000 pro Unze?

Hier wird es spekulativ, aber die Diskussion um die Bewertung der Goldreserven ist real und sie findet auf höchster politischer Ebene statt. Im Rahmen des Bitcoin Act liegt eine Regelung vor, die in Section 9 explizit vorsieht, dass das US-Finanzministerium die Gold-Reserven der Federal Reserve neu bewertet – und zwar von aktuell buchhalterisch $42,22 pro Unze auf Marktpreise von rund $4.000 pro Unze.

Die Fed hält etwa 8.133 Tonnen Gold. Bei aktuellen Preisen entspricht das einem Wert von über 1,3 Billionen Dollar – buchhalterisch stehen aber nur etwa 11 Milliarden Dollar in den Büchern.

Eine Neubewertung würde die US-Bilanz schlagartig um über eine Billion Dollar stärken.

 

Kennzahl Aktueller Wert Nach Neubewertung
Fed Gold-Reserven 8.133 Tonnen Unverändert
Buchhalterischer Wert pro Unze $42,22 ~$4.000
Gesamtwert der Reserven ~$11 Mrd. ~$1,3 Billionen
Bilanzverstärkung +$1,29 Billionen

 

Gold Chart

 

Treasury Secretary Scott Bessent hat öffentlich von “monetizing the asset side of the balance sheet” gesprochen – also davon, die Vermögensseite der Bilanz zu monetarisieren. Das passt haargenau ins Bild.

Würde die USA tatsächlich zu einer Form der Golddeckung zurückkehren, wäre das die erste derartige Konstruktion seit Nixons Abkehr von Bretton Woods im Jahr 1971.

Die Auswirkungen wären mehr als enorm: Der Dollar würde an reale Werte gebunden, die Geldpolitik verlöre an Flexibilität, aber gleichzeitig würde Vertrauen in die Währung zurückkehren.

Allerdings – und das muss man klar sagen – es gibt bisher keine offizielle Ankündigung einer Rückkehr zum Goldstandard.

Die Diskussionen existieren, die gesetzliche Grundlage für eine Neubewertung wird geschaffen, aber ob daraus tatsächlich eine goldgestützte Währung wird, steht noch nicht fest.

 

Was spricht dagegen? Risiken und kritische Stimmen

Bei aller Euphorie sollte man die Gegenargumente nicht ignorieren.

Die handelspolitischen Erfolge könnten sich als kurzfristig erweisen, wenn Handelspartner mit Gegenmaßnahmen reagieren. China, die EU und andere große Volkswirtschaften werden nicht tatenlos zusehen, wie ihre Exporte in die USA einbrechen.

Handelskrieg-Eskalation: Vergeltungszölle könnten US-Exporte treffen und die positive Entwicklung zunichtemachen
Inflation durch Zölle: Goldman Sachs schätzt, dass Zölle etwa 0,6 Prozentpunkte zum BIP-Wachstum gekostet haben – bei weiter steigenden Zöllen könnte das Problem zunehmen
Venezuela-Unsicherheit: Die politische Lage bleibt fragil, Produktionssteigerungen brauchen Jahre und Milliarden-Investitionen
Goldstandard-Risiken: Deflationsgefahr, Verlust geldpolitischer Flexibilität, keine Möglichkeit für antizyklische Konjunkturpolitik

 

Fazit: Trendwende oder Strohfeuer?

Wenn man sich die drei Entwicklungen anschaut – Handelsbilanz (Zölle), Venezuela-Öl, potenzielle Währungsreform – dann lässt sich schon ein ziemlich überzeugendes Narrativ konstruieren. Die USA könnten tatsächlich dabei sein, ihre wirtschaftliche Vormachtstellung neu zu definieren.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache:

  • Niedrigstes Handelsdefizit seit 2009
  • Zugang zu den größten Ölreserven der westlichen Hemisphäre
  • Potenzielle Stärkung der Dollarbilanz durch Gold-Neubewertung

 

Und dazu kommt die Einschätzung führender Investmentbanken, dass die USA 2026 deutlich stärker wachsen werden als der Konsens erwartet.

Aber – und das ist wichtig – es handelt sich hier um ein sehr optimistisches Szenario, das davon ausgeht, dass alle diese Entwicklungen tatsächlich wie geplant umgesetzt werden und keine größeren Störungen auftreten. Die wirtschaftspolitische Realität ist komplexer, die Risiken sind real, und ob sich dieses Narrativ durchsetzt, wird sich erst in den kommenden Monaten zeigen. Aber daß die USA unter Trump gewillt sind, diesen Weg zu gehen, zeigt sich fast jeden Tag – derzeit vor allem beim Grönland-Konflikt zwischen den USA und Europa.

Die USA spielen 2026 offensiv, sie setzen auf nationale Stärke statt auf multilaterale Kompromisse, und sie versuchen, die Spielregeln der globalen Wirtschaft zu ihren Gunsten neu zu schreiben.

Ob das funktioniert?

Die nächsten zwölf Monate werden es zeigen.

Nur eines ist sicher – 2026 wird wirtschaftspolitisch ein spannendes Jahr!

Weitere News von Kapitalanlagen-Test