Wochenbericht: DAX unter Druck – Autozölle, Iran-Krieg und der UniCredit-Commerzbank-Showdown bestimmen die Börse
Es war eigentlich kein schlechter April für den DAX. Der Index hat sich von den März-Tiefs bemerkenswert erholt und schloss den Monat bei 24.292 Punkten – ein Plus von 7,59% im Monatsvergleich. Wer allerdings glaubt, dass damit der Weg nach oben wieder frei ist, täuscht sich wohl!
Die neue Woche bringt gleich vier potenzielle Kursbeweger auf einmal – und nicht alle davon sind freundlich gestimmt.
Iran-Krieg und Straße von Hormus: Die Ruhe vor dem nächsten Sturm?
Anfang April hatten Iran und die USA sich auf eine zweiwöchige Waffenruhe geeinigt – kurz vor Ablauf des Trump-Ultimatums. Der Ölpreis brach daraufhin dramatisch ein: Brent fiel innerhalb eines Tages um mehr als dreizehn Prozent auf unter 95 Dollar, nachdem er zuvor auf rund 120 Dollar geklettert war. Zum Vergleich: Vor Kriegsbeginn lagen die Erwartungen bei deutlich unter 60 Dollar pro Barrel.
Stand heute liegt Brent wieder bei rund 109 Dollar. Die Waffenruhe läuft ab, und Diplomatie und Eskalation wechseln sich in schneller Taktung ab. Für den DAX ist das eben auch keine abstrakte Geopolitik, sondern harte Mathematik.
Hohe Energiepreise belasten die Konjunktur, treiben die Inflation – die zuletzt bereits auf 2,7% gestiegen ist – und zwingen die EZB in eine schwierige Zwickmühle.
Zudem leidet die Chemiebranche besonders stark, die auf günstiges Erdgas und Rohöl angewiesen ist.
Solange die Meerenge von Hormus als mögliches Pfand im Nahost-Konflikt bleibt, dürfte der Ölpreis kein ruhiges Pflaster werden.
Die Faustregel für Anleger: jede Entspannungsmeldung aus Teheran oder Washington kann den Markt kurzfristig treiben – und jede Eskalation ihn ebenso schnell wieder abwürgen.
Brent Öl Chart
25% Zölle auf EU-Autos: Trump dreht an der Schraube
Als ob das nicht reichte, lieferte US-Präsident Donald Trump am 1. Mai den nächsten Schock: Über seine Plattform Truth Social kündigte er an, die Zölle auf Pkw und Lkw aus der EU von bisher 15% auf 25% zu erhöhen – ab kommender Woche. Begründung: Die EU halte das Handelsabkommen vom August 2025 nicht ein.
Damals, im Turnberry-Abkommen, hatte EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen neben enormen US-Energieeinkäufen und Investitionszusagen auch eine einheitliche Zollobergrenze von 15% für EU-Exporte vereinbart. Trump sieht diese Vereinbarung als gebrochen – konkrete Verstöße nannte Washington zunächst nur vage: Handelshemmnisse im Automobilbereich, digitale Dienste, CO2-Abgaben. Autoexporte bleiben nur dann verschont, wenn die Fahrzeuge tatsächlich in den USA produziert werden.
Für die ohnehin gebeutelte deutsche Autoindustrie trifft das zur Unzeit. VDA-Präsidentin Hildegard Müller sprach von einer „schwerwiegenden Belastung der transatlantischen Beziehungen“ und forderte rasche Gespräche. Der europäische Branchenindex der Automobilhersteller und Zulieferer liegt seit Jahresbeginn bereits mehr als 13% im Minus. Volkswagen, BMW und Mercedes-Benz dürften zum Wochenstart unter Druck geraten – zumal ADRs dieser Unternehmen im US-Handel bereits nachgaben.
Autoexperte Stefan Bratzel bringt die strukturelle Konsequenz auf den Punkt: Trump verstärke mit seinen Zöllen den ohnehin laufenden Trend, dass Autos zunehmend dort gebaut werden, wo sie verkauft werden. Für die deutschen Standorte und die Beschäftigung sei das „natürlich Gift“. Für Anleger heißt das: Hersteller mit starken US-Produktionsstätten stehen deutlich robuster da als reine Exporteure.
BMW Aktie Chart
UniCredit gegen Commerzbank: Diese Woche entscheidet sich viel
Die wohl spannendste Unternehmensgeschichte im deutschen Finanzsektor erreicht diese Woche einen Wendepunkt. UniCredit-Chef Andrea Orcel hat angekündigt, das offizielle Übernahmeangebot für die Commerzbank am 5. Mai zu veröffentlichen – einen Tag nach der außerordentlichen Hauptversammlung der Italiener, auf der die Aktionäre am 4. Mai der nötigen Kapitalerhöhung zustimmen sollen. „Der Prozess ist nicht mehr aufzuhalten“, sagte Orcel gegenüber der FAZ.
UniCredit hält inzwischen 29,99% der Commerzbank-Anteile – haarscharf unter der Schwelle, die ein Pflichtangebot für alle übrigen Aktionäre ausgelöst hätte.
Das Tauschangebot sieht 0,485 neue UniCredit-Aktien pro Commerzbank-Aktie vor, was zum Zeitpunkt der Ankündigung einem Wert von rund 30,80 Euro entsprach – ein Aufschlag von nur rund 4%.
Die Commerzbank hat das Angebot klar zurückgewiesen:
„Was UniCredit bislang präsentiert hat, ist kein wertschaffender Unternehmenszusammenschluss.“
Auch der Bund, der rund 12% hält, lehnt die Pläne der Italiener ab.
Das Ergebnis des Angebots – mit vierwöchiger Annahmefrist, möglicherweise verlängerbar – wird erst Ende Juni oder im Juli 2026 feststehen. Für den Ausgang entscheidend sind die rund 37% der institutionellen Investoren, die zwischen beiden Lagern noch nicht klar positioniert sind.
UniCredit plant im Übernahmefall den Abbau von bis zu 7.000 Vollzeitstellen – Orcel selbst sagt, das Ziel sei „nicht Zerstörung“, aber „Anpassungen und Überschneidungen“ werde es geben.
Die EZB-Bankenaufsichtschefin Claudia Buch hingegen begrüßt grenzüberschreitende Bankenfusionen grundsätzlich – das regulatorische Umfeld spricht damit eher für die Italiener.
UniCredit Aktie Chart
Quartalszahlen nächste Woche: Commerzbank im Fokus
Abseits des Übernahmedramas steht die Berichtssaison noch nicht still. Im DAX stehen nächste Woche vor allem die Commerzbank-Quartalszahlen am 8. Mai im Blickpunkt – dort treffen Zahlen, Strategie und Übernahmedrama auf einmal aufeinander. Die Bank hatte bereits im Februar in Aussicht gestellt, die Finanzziele anzuheben; nun soll es konkret werden.
Ein starkes Q1 wäre das stärkste Argument gegen das UniCredit-Angebot.
Die Deutsche Telekom folgt eine Woche später am 13. Mai.
Für Anleger lohnt bei allen Berichten der Blick auf die Ausblicke: In einem Umfeld aus hohen Energiepreisen, Zollrisiken und eingetrübter Konjunktur dürfte es weniger auf die Rückblickzahlen ankommen als auf das, was die Vorstände über die zweite Jahreshälfte sagen.
Commerzbank Aktie Chart
DAX technisch zwischen Stabilisierung und neuem Gegenwind
Der DAX hat die 24.000-Punkte-Marke nach dem EZB-Entscheid von Ende April zumindest ins Wochenende gerettet und notiert aktuell bei 24.292 Punkten. Technisch gilt der 200-Tage-Durchschnitt bei rund 24.100 Punkten als entscheidende Haltelinie. Analysten sehen kurz- bis mittelfristig ein Kursziel von 25.500 Punkten als realistisch, sofern der Aufwärtstrend intakt bleibt.
Die neue Belastung durch die Autozölle kommt allerdings zu einem Zeitpunkt, da der Markt sowieso nervös ist – und könnte genau die Gewinnmitnahmen auslösen, die Marktstrategen seit Wochen für wahrscheinlich halten.
Für die kommende Woche gilt damit: viel Lärm, viel Bewegung, und eine Marktlage, in der Nachrichten-Reaktionen schneller passieren als fundamentale Einschätzungen.
Die 23.500-Punkte-Marke ist die erste relevante Unterstützungszone, falls der neue Zollhammer die Stimmung dreht.
Mittelfristig bleibt der übergeordnete Trend konstruktiv – aber wohl kaum geräuschlos.