Swiss Life, Swiss Re und Roche: Drei Schweizer Dividendenaktien im Vergleich

Schweizer Blue Chips wie Swiss Life, Swiss Re & Roche gelten als verlässlich, aber solide und langweilig. Doch die letzten fünf Jahre haben gezeigt, dass auch klassische Schweizer Dividendenaktien richtige Kursraketen sein können:

Swiss Life hat ihren Kurs fast verdoppelt.

Swiss Re hat anständig zugelegt – und kämpft aktuell mit echtem Gegenwind.

Und Roche, lange der ungeliebte Pharmakonzern, erlebt gerade ein Comeback, das viele nicht mehr erwartet hatten.

Drei  Schweizer Unternehmen mit ganz eigener Aktienstory – auch was die 5-Jahres-Performance angeht!

 

Swiss Re, Swiss Life und Roche im Vergleich

 

Swiss Life: Musterschüler mit vollem Bewertungspreis

Fast verdoppelt in fünf Jahren – Swiss Life ist für viele Anleger schlicht die stille Überfliegerin des SMI. Der Lebensversicherer hat in dieser Zeit geliefert, was er verspricht: steigende Prämieneinnahmen, wachsende Erträge aus dem Asset Management, eine zuverlässig steigende Dividende.

Aktuell rentiert die Aktie mit 4,08% – für einen defensiven Schweizer Wert mehr als ordentlich.

Und trotzdem ist das Analystenurteil derzeit ziemlich klar. Von 18 bewertenden Analysten empfehlen gerade einmal zwei den Kauf, zehn raten zum Halten – und sechs, darunter vier mit Strong Sell, sehen die Aktie negativ. Das durchschnittliche Kursziel von 834 CHF liegt sogar leicht unterhalb des aktuellen Kursniveaus von 856,80 CHF.

Die Botschaft dahinter ist keine Kritik am Unternehmen. Es ist eine Bewertungsaussage: Nach einem Plus von über 90% in fünf Jahren ist vieles eingepreist. Das KGV von 20,67 ist für einen Versicherer nicht mehr günstig.

Wer Swiss Life bereits im Depot hat, kann sich zumindest über die Dividende freuen.

Wer neu einsteigen will, braucht entweder Geduld für eine Korrektur – oder die Überzeugung, dass der Wachstumskurs noch weiter trägt.

Chancen & Risiken

✅ Starkes Asset-Management-Geschäft mit stabilen Gebühreneinnahmen
✅ Verlässliche Dividende mit langjähriger Wachstumshistorie
✅ Profiteur eines anhaltend hohen Zinsniveaus

⚠️ Bewertung nach starkem Lauf ambitioniert – wenig Puffer für Enttäuschungen
⚠️ Mehrheit der Analysten rät zu Halten oder Verkaufen
⚠️ Ø-Kursziel der Analysten unter aktuellem Kurs

 

Swiss Life Aktie Chart

 

 

Swiss Re: Turnaround-Story mit offenem Ausgang

Swiss Re hat in fünf Jahren rund 55% zugelegt – respektabel, aber deutlich weniger als der kleine Bruder aus der Lebensversicherung. Und wer den Chart der letzten zwölf Monate betrachtet, sieht eine Geschichte, die noch nicht zu Ende erzählt ist: Vom 52-Wochen-Hoch bei 156,80 CHF ist die Aktie auf aktuell 128 CHF zurückgefallen. Das sind fast 18% Korrektur.

Was steckt dahinter? Preisdruck bei den Vertragserneuerungsrunden der Rückversicherer, Großschadensereignisse, und zuletzt auch Abstufungen von Häusern wie Goldman Sachs und UBS.

Das Bild der Analysten ist entsprechend gespalten: Auf der einen Seite stehen zwei Strong-Buy-Empfehlungen, auf der anderen sieben Strong-Sell-Voten. Dazwischen liegen elf Analysten, die zum Halten raten. Das durchschnittliche Kursziel von 130,15 CHF liegt nur knapp über dem aktuellen Kurs – das ist kein starkes Aufwärtssignal.

Auf der anderen Seite steht die Substanz.

Swiss Re hat für 2026 ein Nettogewinnziel von 4,5 Milliarden US-Dollar ausgerufen, ein Aktienrückkaufprogramm von 500 Millionen US-Dollar angekündigt, und das KGV von 13,27 ist für einen globalen Rückversicherer moderat.

Die Dividendenrendite von 4,69% schützt zumindest den Einkommensinvestor.

Wer auf eine Stabilisierung des Rückversicherungszyklus setzt, findet hier vielleicht eine faire Bewertung – aber eben auch echte Unsicherheit.

Chancen & Risiken

✅ Günstige Bewertung mit KGV 13,27 und Dividendenrendite von 4,69%
✅ Aktienrückkaufprogramm 500 Mio. USD ab 2026 als Kurstreiber
✅ Ehrgeiziges Gewinnziel 4,5 Mrd. USD für 2026

⚠️ Deutlich unter 52-Wochen-Hoch – Momentum fehlt
⚠️ Gespaltenste Analystenmeinung der drei Titel
⚠️ Preisdruck im globalen Rückversicherungsmarkt hält an

 

Swiss Re Aktie Chart

 

Roche: Das Comeback eines Pharmariesen – und die interessanteste Geschichte

Das ist vielleicht die überraschendste Entwicklung im Trio. Roche war lange der ungeliebte Gigant – zwischen 2021 und Ende 2024 verlor der Genussschein rund 40% seines Wertes. Blockbuster-Medikamente liefen aus, die Pipeline wirkte dünn, und der Markt bestrafte die Aktie entsprechend.

Dann die Wende: 2025 legte der Kurs rund 20% zu, und aktuell notiert die Aktie bei 369,30 CHF – auf oder nahe ihrem 52-Wochen-Hoch.

Was hat sich verändert? Der Konzern meldete für 2025 einen stark gestiegenen Nettogewinn. Die Pipeline hat sich verdichtet: Acht Wirkstoffe befinden sich in der späten Entwicklungsphase, darunter Fenebrutinib gegen Multiple Sklerose und Giredestrant gegen Brustkrebs. Und die Analysten sehen das auch so – mit 22 Bewertern ist das Roche-Bild das konstruktivste der drei: sieben Strong-Buy-Empfehlungen, drei Buy, neun Hold. Nur drei Analysten sehen die Aktie negativ.

Die Gesamttendenz lautet „Buy”.

Das Ø-Kursziel von 356,20 CHF liegt zwar unter dem aktuellen Kurs von 369,30 CHF – auch hier ist das Comeback also bereits eingepreist. Aber das höchste Kursziel von 428 CHF zeigt, dass manche Analysten noch erhebliches Potenzial sehen, sollte die Pipeline liefern. Roche ist eben auch keine Aktie für schnelle Gewinne – sondern für Anleger, die an die Kraft eines diversifizierten Pharmariesen mit 28 Jahren ununterbrochener Dividendenerhöhung glauben. Derzeit liegt die Dividende bei rund 2,6%.

Chancen & Risiken

✅ Stärkstes Analysten-Sentiment der drei Titel: Gesamttendenz „Buy”
✅ Breite Pharma-Pipeline mit mehreren potenziellen Blockbustern
✅ 28 Jahre ununterbrochene Dividendenerhöhung
✅ Stärkste Marktkapitalisierung (329 Mrd. CHF) – höchste Stabilität

⚠️ Comeback bereits eingepreist – Ø-Kursziel knapp unter aktuellem Kurs
⚠️ Pipeline-Risiko: Rückschläge in Phase III können den Kurs stark belasten
⚠️ KGV von 23 setzt kontinuierliche Gewinnsteigerung voraus

 

Roche Holding Aktie Chart

 

 

Fazit: Drei Qualitätstitel – drei sehr unterschiedliche Ausgangssituationen

 

Swiss Re, Swiss Life und Roche - Analystenstimmen

 

Swiss Life und Swiss Re haben in den vergangenen fünf Jahren bewiesen, was in ihnen steckt – und der Markt hat das zur Kenntnis genommen. Beide Aktien notieren auf oder nahe ihren Hochs, das Aufwärtspotenzial laut Analysten ist begrenzt.

Das macht sie nicht schlecht, aber es macht den Einstieg heute schwieriger als noch vor drei Jahren.

Roche ist die überraschende Geschichte: nach Jahren der Enttäuschung ein echter Turnaround, getragen von einer verbesserten Pipeline und starken Zahlen – und dem konstruktivsten Analysten-Bild der Gruppe. Auch hier ist vieles schon eingepreist.

Aber wer einen langen Atem mitbringt und an die Stärke der Pharmapipeline glaubt, findet hier zumindest eine interessantere Ausgangslage als bei den beiden Versicherern.

Geduld, Bewertungsdisziplin und ein klares Bild der eigenen Erwartungen – das sind letztlich die wichtigsten Werkzeuge, wenn man an drei solide Schweizer Qualitätstitel herangeht!

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