5 Dividendenaktien ohne Quellensteuer – aber mit 5% bis 6,8% Dividendenrendite!
Wer als deutscher Anleger regelmäßig Dividenden kassiert, kennt das Thema Quellensteuer – und oft auch den Ärger damit. In vielen beliebten Dividendenländern behält der ausländische Fiskus einen Teil der Ausschüttung direkt an der Quelle ein, bevor die deutsche Abgeltungssteuer überhaupt greift. Je nach Land und Doppelbesteuerungsabkommen ist dieser Abzug zwar ganz oder teilweise anrechenbar – aber eben nicht immer vollständig, und fast nie ohne bürokratischen Aufwand.
Singapur und Hongkong funktionieren anders. Beide Finanzplätze erheben keine Quellensteuer auf Dividenden. Was die dortige Gesellschaft ausschüttet, landet vollständig beim Anleger – in Deutschland dann belastet allein durch die pauschale Abgeltungssteuer von 25% plus Solidaritätszuschlag. Kein Antragsverfahren, keine ausländischen Finanzbehörden, kein teilweiser Verlust durch nicht erstattete Steuerbeträge.
Warum das für deutsche Anleger so relevant ist
Das klingt zunächst nach einem technischen Detail, hat aber spürbare Auswirkungen auf die reale Rendite. Zahlt etwa ein Schweizer Unternehmen eine Dividende von 100 Euro, behält die Schweiz zunächst 35% Quellensteuer ein – nur 15 Prozentpunkte davon sind im Rahmen des Doppelbesteuerungsabkommens anrechenbar. Der Rest ist im Regelfall verloren, sofern man nicht aktiv einen Rückerstattungsantrag bei der Eidgenössischen Steuerverwaltung stellt. Bei Singapur-Aktien entfällt dieser gesamte Mechanismus.
Die 100 Euro kommen vollständig an, und der deutsche Fiskus nimmt seinen pauschalen Anteil – fertig.
Praktisch bedeutet das: Auf dieselbe nominale Dividendenrendite bleibt nach Steuern mehr übrig als bei vergleichbaren Titeln aus quellensteuerstarken Ländern. Für einkommensorientierte Anleger, die auf regelmäßige Ausschüttungen angewiesen sind, ist das ein echter, messbarer Vorteil.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine steuerliche Beratung dar. Die individuelle steuerliche Behandlung von Kapitalerträgen aus dem Ausland hängt von den persönlichen Verhältnissen ab und kann im Einzelfall von der hier dargestellten Allgemeinsituation abweichen. Wer eine steueroptimierte Anlagestrategie verfolgen möchte, sollte sich dazu mit einem Steuerberater abstimmen.
Fünf Aktien mit attraktiven Dividendenrenditen – und null Quellensteuer
Die folgende Auswahl konzentriert sich auf etablierte, liquide Unternehmen, die eine nachgewiesene Dividendenhistorie aufweisen. Die Dividendenrenditen beziehen sich auf aktuelle Kursniveaus und die jeweils zuletzt veröffentlichten Jahreszahlungen.
DBS Group Holdings: 5,9% Dividendenrendite
Die DBS Group ist die größte Bank Singapurs und nach Marktkapitalisierung inzwischen auch die größte Aktiengesellschaft an der dortigen Börse überhaupt. Ihre Stärken liegen in der digitalen Transformation des Bankgeschäfts, einem wachsenden Vermögensverwaltungsbereich und einer stabilen Expansion in Südostasien. Für das Geschäftsjahr 2025 zahlte DBS eine Gesamtdividende von 3,06 SGD je Aktie – inklusive eines Capital Return Dividend-Programms, mit dem das Management regelmäßig überschüssiges Kapital an Aktionäre zurückgibt.
Das entspricht bei aktuellem Kursniveau einer Rendite von rund 5,9%.
Bemerkenswert: DBS zahlt seit einigen Jahren quartalsweise aus, was den Kapitalfluss für Anleger gleichmäßiger gestaltet als die übliche halbjährliche Ausschüttung.
DBS Group Holdings Chart
OCBC Bank: 5,4% Dividendenrendite
Die Oversea-Chinese Banking Corporation, bekannt als OCBC, ist Singapurs älteste Lokalbank und hat sich zu einem der diversifiziertesten Finanzkonzerne Asiens entwickelt. Neben dem klassischen Bankgeschäft umfasst das Geschäftsmodell eine eigene Versicherungsgruppe (Great Eastern) sowie die Bank of Singapore als Privatbanksparte. Für FY2025 schüttete OCBC insgesamt 0,99 SGD je Aktie aus. Mit einer CET1-Quote von 17,6% verfügt die Bank über einen der dicksten Kapitalpuffer unter den drei Singapur-Großbanken – ein Signal, das die Dividendenkontinuität langfristig absichert. Die Rendite liegt aktuell bei etwa 5,4%.
OCBC Bank Chart
UOB: 5% Dividendenrendite
Die United Overseas Bank ist die dritte der Singapurer Großbanken – konservativer im Profil als DBS, mit einem klaren regionalen Fokus auf Südostasien. UOB hat in den vergangenen Jahren durch die Übernahme des Citibank-Privatkundengeschäfts in mehreren ASEAN-Märkten seine Reichweite erheblich ausgebaut. Das Geschäftsjahr 2025 war für UOB herausfordernder: Die ordentliche Dividende fiel mit 1,56 SGD je Aktie unter dem Vorjahreswert. Hinzu kommen 0,50 SGD Sonderdividende aus einem Kapitalrückgabeprogramm anlässlich des 90-jährigen Firmenjubiläums. Die aktuelle Dividendenrendite liegt bei rund 5,0%. UOB gilt als der defensivste der drei Singapur-Banken – ein durchaus relevanter Aspekt für sicherheitsorientierte Anleger.
UOB Chart
Sun Hung Kai & Co.: 6,8% Dividendenrendite
Ein Hinweis vorab, der in der Praxis häufig zu Verwechslungen führt: Dieses Unternehmen ist nicht identisch mit Sun Hung Kai Properties (Ticker: 0016.HK), dem bekannten Hongkonger Immobilienentwickler. Sun Hung Kai & Co. (Ticker: 0086.HK) ist ein deutlich kleineres Finanzdienstleistungsunternehmen, das im Bereich Vermögensverwaltung, Konsumentenkredite und Brokerage tätig ist. Die Marktkapitalisierung liegt bei rund 7,5 Milliarden HKD – überschaubar im Vergleich zu den Singapur-Banken. Was auffällt: Die Dividendenrendite ist mit rund 6,8% die höchste in dieser Übersicht. Das hohe Niveau reflektiert eben auch die geringere Liquidität und den kleineren Börsenwert. Anleger sollten die eingeschränktere Handelbarkeit und die höhere Volatilität dieses Titels ausdrücklich einkalkulieren.
Hinweis: Sun Hung Kai & Co. (0086.HK) ist mit einer Marktkapitalisierung von rund 7,5 Milliarden HKD ein vergleichsweise kleines Unternehmen, das ausschließlich an der Hongkonger Börse gelistet ist. Ein eingebetteter Chart können wir Ihnen daher hier nicht anbieten – je nach Broker kann die Aktie aber direkt über die HKEX gehandelt werden.
Bank of China (Hong Kong) – Dividendenrendite von 5,5%
Die BOC Hong Kong ist die Retail-Banking-Tochter der chinesischen Staatsbank in Hongkong und zählt zu den bedeutendsten Geschäftsbanken der Region. Das Geschäftsmodell ist breit aufgestellt: klassisches Einlagen- und Kreditgeschäft, Handelsfinanzierung sowie Treasury-Aktivitäten. Die Dividendenrendite liegt bei rund 5,5%, die Ausschüttungsquote bei gut 52% – ein moderater Wert, der Spielraum für weitere Erhöhungen lässt. Über die vergangenen fünf Jahre ist die Dividende im Schnitt um fast 7% jährlich gewachsen. Zu beachten ist die strukturelle Abhängigkeit vom wirtschaftlichen Umfeld Hongkongs und der Volksrepublik China.
Bank of China (Hong Kong) Chart
Vergleich auf einen Blick
| Unternehmen | Ticker | Börse | Dividendenrendite | Ausschüttung | Quellensteuer (DE) |
|---|---|---|---|---|---|
| Sun Hung Kai + Co. | 0086.HK | HKEX | ~6,8% | halbjährlich | 0% |
| DBS Group Holdings | D05.SI | SGX | ~5,9% | quartalsweise | 0% |
| Bank of China (HK) | 2388.HK | HKEX | ~5,5% | halbjährlich | 0% |
| OCBC Bank | O39.SI | SGX | ~5,4% | halbjährlich | 0% |
| UOB | U11.SI | SGX | ~5,0% | halbjährlich | 0% |
Quelle: Kapitalanlagen-Test.de | Stand: 26. März 2026 | Dividendenrenditen auf Basis aktueller Kursniveaus und zuletzt veröffentlichter Jahresdividenden. Keine Anlageempfehlung.
Welche Broker ermöglichen den Handel?
Leider bietet (noch) nicht jeder deutsche Broker direkten Zugang zur Singapore Exchange (SGX) oder zur Hongkong Stock Exchange (HKEX) – die meisten Neobroker und viele klassische Direktbanken beschränken sich auf europäische und US-amerikanische Märkte. Was im Normalfall für die meisten Trader ja auch ausreichend ist!
Der Handel an den beiden oben genannten Börsenplätzen ist unter anderem möglich bei CapTrader, AGORA direct, Freedom24, S Broker, maxblue sowie 1822direkt.:Reine CFD-Broker scheiden für diese Strategie grundsätzlich aus – dort handelt es sich nicht um physischen Aktienbesitz, und die steuerlichen Vorteile greifen entsprechend nicht.
Für welche Anleger ist diese Strategie geeignet?
Dividendeninvestoren mit Steuerblick sind die naheliegendste Zielgruppe. Wer sein Portfolio konsequent auf laufende Erträge nach Steuern optimiert, findet hier eine Qualitätsadresse: keine Quellensteuer, vergleichsweise hohe Renditen, stabile Ausschütter mit langer Dividendenhistorie. Der Effekt auf die reale Nettorendite ist spürbar – gerade im Vergleich zu europäischen oder amerikanischen Dividendentiteln, wo jedes Jahr ein Teil der Ausschüttung in bürokratischen Rückerstattungsverfahren versinkt oder schlicht verloren geht.
Langfristige Buy-and-Hold-Anleger profitieren davon, dass DBS, OCBC und UOB zu den kapitalstärksten und stabilsten Finanzinstituten Asiens zählen. Die drei Singapur-Banken haben ihre Dividenden über viele Jahre beharrlich erhöht, verfügen über solide Eigenkapitalquoten weit oberhalb regulatorischer Anforderungen und partizipieren strukturell am Wachstum Südostasiens. Wer fünf bis zehn Jahre Anlagehorizont mitbringt, findet hier Substanz statt kurzfristiger Renditeoptik.
Erfahrene Portfoliodiversifizierer, die ihre Klumpenrisiken in Europa und den USA bewusst reduzieren wollen, erzielen mit diesen Titeln echte geographische Streuung – in Währungen (SGD, HKD), die historisch stabil sind, und in Märkten, die vom US-Dollar-Zinszyklus zumindest teilweise unabhängig agieren.
Weniger geeignet ist dieser Ansatz für kurzfristig orientierte Trader und Daytrader. Die Stärke dieser Titel liegt nicht in ihrer Kursdynamik, sondern in ihrer Ausschüttungsstabilität – das macht sie zu einem langfristigen Portfoliobaustein, nicht zu einem Handelsinstrument. Auch für Anleger, die bewusst einen einfachen Neobroker ohne Auslandshandel nutzen, bleibt die Alternative eines Asia-Pazifik-Dividenden-ETFs: indirekter Zugang, ohne den Quellensteuer-Vorteil, aber mit deutlich weniger Aufwand.
Geduld, strategisches Vorgehen und die über die Zeit wachsenden Zinseszinseffekte sind die besten Freunde eines erfolgreichen Dividendeninvestors – und Singapur wie Hongkong liefern dafür eine stabile Bühne.