Interview mit Prof. Dr. Max Otte über sein aktuelles Buch „Rettet unser Bargeld – Der finale Angriff“
David Ernsting, Herausgeber von Kapitalanlagen-Test.de, im Interview mit Max Otte, Investor und Bestsellerautor von „Rettet unser Bargeld“, über den finalen Angriff auf das Bargeld, den digitalen Euro als Überwachungsinstrument, das EU-Vermögensregister, die neue Anti-Geldwäschebehörde AMLA – und darüber, was Anleger jetzt konkret tun sollten. Pünktlich zur erweiterten Neuauflage seines Klassikers am 27. Mai.

Prof. Dr. Max Otte – Ökonom, Autor & Fondsmanager
Herr Otte, in Kürze erscheint die erweiterte Neuausgabe Ihres Klassikers „Rettet unser Bargeld“. 2016 war Ihr Buch eine Warnung – heute sprechen Sie vom „finalen Angriff“. Was hat sich in diesen knapp zehn Jahren so dramatisch verschärft, dass Sie heute härter formulieren als damals?
Der Angriff auf das Bargeld startete 2014 mit einer massiven Propagandakampagne. Der US-Ökonom Ken Rogoff zeigte in einem Vortrag vor dem Münchner ifo Institut Bündel mit Geldscheinen, Kokainpäckchen und Maschinenpistolen, um zu suggerieren, dass Bargeld Terrorismus und Kriminalität finanziert.
Man hat versucht nachzuweisen, dass Bargeld viele Krankheitserreger beherbergt. Das stimmt nicht – auf Karten sind mehr Erreger. Aber mit dieser Angstpropaganda, und zum Teil auch mit direkten Maßnahmen gegen Bargeld, arbeitete man.
Vier Interessengruppen wollen das Bargeld verdrängen: erstens natürlich die Staaten, die überschuldet sind und es in einer bargeldlosen Welt viel leichter hätten, sich umzuschulden oder sich zu entschulden. Außerdem werden natürlich in einer bargeldlosen Welt die Bürger gläsern und können leichter überwacht und sanktioniert werden.
Zweitens wollen die E-Pay-Anbieter natürlich das Bargeld soweit wie möglich verdrängen. Drittens profitieren die E-Commerce-Unternehmen und großen Big-Tech-Konzerne massiv von der Bargeld-Verdrängung. Wir haben das auch während Corona gesehen.
Viertens wäre eine bargeldlose Welt auch für die Banken ein Traum, denn dann bräuchten sie sich nur noch untereinander gegenseitig zu überweisen.
Als ich 2016 warnte, wurde dieser Angriff gerade massiv vorgetragen. Dennoch hielt sich in Deutschland, den USA und einigen anderen Ländern Bargeld hartnäckig. Damals war eine Kartenzahlung noch umständlicher als eine Bargeldzahlung. Heute sind mit mobilen Bezahlsystemen wie Apple Pay und hohen Freigrenzen bis 50 € die Käufe des täglichen Bedarfs mobil oft leichter und schneller als mit Bargeld.
Insbesondere während Covid hatten wir einen massiven Rückgang der Bargeldnutzung, befördert durch Angstpropaganda. Seitdem ist die Nutzung von Bargeld von über 70% der Transaktionen des täglichen Bedarfs im Einzelhandel auf unter 50% gesunken – das ist mehr als ein Drittel.
Wenn das so weitergeht, hat Bargeld bald nur noch eine Randfunktion.
Digitaler Euro – Überwachungsinstrument statt Währung?
Sie nennen den digitalen Euro ein „Überwachungsinstrument, keine Währung“. Worin liegt der qualitative Unterschied zwischen einer Kartenzahlung heute und einem digitalen Euro morgen?
Grundsätzlich sind wir auch dann überwachbar, wenn wir Kartenzahlungen machen oder E-Pay-Zahlungen oder in E-Commerce-Systeme eingebunden werden.
Beim digitalen Euro hätten die Staaten sehr schnell Zugriff auf unsere Daten. Damit würde eine neue Qualität der Kontrolle ermöglicht werden.
Neben dem digitalen Euro sprechen Sie in Ihrem neuen Buch auch über das EU-Vermögensregister, das Vermögen ab 200.000 Euro zentral erfassen soll. Warum ist gerade die Kombination aus beiden für Sie das eigentliche Risiko für den Bürger?
Neben dem digitalen Euro und dem Vermögensregister gibt es noch eine dritte Säule des Überwachungsstaates: die AMLA (Anti Money Laundering Authority, also die Anti-Geldwäschebehörde), die derzeit in Frankfurt entsteht. Die AMLA koordiniert die Überwachungsmaßnahmen.
Das Vermögensregister würde unsere Vermögen erfassen – wir hätten nicht nur eine lückenlose Erfassung unserer Einkommen (was die Finanzämter ja schon mehr oder weniger machen), sondern müssten auch im Prinzip unsere Bilanzen vorlegen. Wir wären wirklich gläsern.
Deswegen hoffe ich, dass das Vermögensregister nicht kommt. Erste Machbarkeitsstudien sind aber in Auftrag gegeben.
Bargeldobergrenze ab 2027
Ab 2027 gilt EU-weit eine Bargeldobergrenze von 10.000 Euro. Manche sagen: das betrifft im Alltag fast niemanden. Warum ist diese Grenze für Sie ein entscheidender Hebel?
Die Bargeld-Obergrenze von 10.000 € ist ja nur eine EU-weite Obergrenze. Die einzelnen Länder sind ermächtigt, geringere Obergrenzen festzulegen. In Italien gelten zum Beispiel 6.000 €.
Was zunächst einmal harmlos daherkommt, hat dennoch weitreichende Konsequenzen: Wir können praktisch keine wirtschaftlich signifikanten Transaktionen mehr bar durchführen, seien es Kunstwerke, Edelmetalle oder Immobilien.
Bei Immobilien gilt ja schon seit einigen Jahren, dass die Transaktionen in Deutschland nur bargeldlos erfolgen dürfen.
Der Notfallplan – Vier Säulen der finanziellen Resilienz
Ihr Buch verspricht einen „Notfallplan“. Welche konkreten Schritte sollten Anleger mit einem kleinen bis mittleren sechsstelligen Vermögen jetzt umsetzen – und worauf sollten diese im Moment besonders achten?
Im Buch spreche ich über vier Arten der Resilienz – physische Resilienz, also Katastrophenvorsorge, finanzielle Resilienz, soziale Resilienz und emotionale und spirituelle Resilienz. Die finanzielle Resilienz ist also nur ein Teil der Vorbereitungen und Maßnahmen gegen den digitalen Totalitarismus. „Normalen“ Anlegern, die zu etwas Vermögen gekommen sind, rate ich zunächst einmal, sich mit jedem dieser vier Punkte eingehend zu beschäftigen, für sich selber eine Strategie und ein Vorgehen festzulegen, dies umzusetzen und sich ansonsten auch am Leben zu erfreuen. Vorsorge ist nicht alles.
Und in Bezug auf die finanzielle Resilienz ist Bargeld nicht alles.
In der Schweiz wurden zum Beispiel vor einigen Jahren alle Banknoten umgetauscht. Sie durften im Einzelhandel und Handel nicht mehr verwendet werden, konnten aber weiter bei der Nationalbank umgetauscht werden.
Wer es sich leisten kann, sollte bis zu drei Monatsbedarfe Bargeld zu Hause oder in einem sicheren Versteck halten.
Gold und Edelmetalle sind eine weitere Versicherung gegen Krisen und Katastrophen.
Sie sind aber nicht mehr billig.
Gold Chart
Mit größeren Vermögensanteilen würde ich dort nicht mehr auf Kursanstiege spekulieren und vielleicht fünf oder zehn Prozent des Gesamtvermögens so anlegen. Ein Bankkonto im nicht-EU-Ausland ist sehr ratsam.
Vermögensaufbau kann nur mit renditebringenden Sachwerten erfolgen – und das sind vor allem Aktien, ETFs und Immobilien.
Hier gilt: Sachwerte brauchen Sachverstand. Ich habe hierzu ja auch ein Buch (Endlich mit Aktien Geld verdienen) geschrieben.
Krypto als Alternative?
Neben den klassischen Aktien und ETFs, die heute bei den meisten Anlegern im Fokus stehen, gibt es ja auch Alternativen – zum Beispiel Kryptowährungen. Was muss man bei diesen Anlageklassen jeweils beachten, und für welchen Anlegertyp eignet sich welche Assetklasse?
Zunächst einmal möchte ich einen Begriff korrigieren: Kryptowährungen sind keine Währungen, sondern Waren. Sie sind im Wert höchst instabil und können eine Ergänzung im Vermögensmix sein. Ich persönlich würde hier keinen großen Teil meines Vermögens investieren, obwohl natürlich in den letzten Jahren mit Bitcoin und Co. sehr starke Kursgewinne möglich waren.
Wenn ich eine gewisse Grundskepsis habe, werde ich von Bitcoin-Jüngern – so möchte ich das fast nennen – regelmäßig hart angegangen. Das zeigt, dass das Thema auch eine gewisse Emotionalität hat, und Emotionen sind bei der Geldanlage nie gut.
Ich möchte niemandem seine Bitcoin ausreden, aber ich sehe es eben auch nicht als Allheilmittel an.
Die Augen geöffnet hat mir das Buch des Bitcoin-Pioniers Roger Ver mit dem Titel Hijacking Bitcoin, also auf Deutsch Die Kaperung von Bitcoin.
Bitcoin Chart
Ende der Brandmauer?
2026 stehen in Ostdeutschland wichtige Landtagswahlen an. Wie ist Ihre Prognose – und was könnte ein politisches Beben dort mittelfristig für die politische Ordnung der Bundesrepublik bedeuten? Kommt das Ende der Brandmauer schneller, als viele denken?
Die Brandmauer ist leider für die Kartellparteien überlebenswichtig. Auch wenn die Regierung Merz scheitern sollte, wird Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wahrscheinlich den Bundestag nicht auflösen und eine Minderheitsregierung wird im Amt bleiben. Sollte die AfD zum Beispiel in Sachsen-Anhalt die absolute Mehrheit erlangen, sehe ich sie trotzdem noch nicht unbedingt in Regierungsverantwortung.
Der Weg zum wirklichen politischen Wandel ist lang, komplex und mühselig.
Selbst bei einer massiven Veränderung an der Wahlurne kann es damit noch länger dauern.
„Rettet unser Bargeld“ – Wo Sie die Neuauflage vorbestellen können
Wie eingangs erwähnt erscheint am 27. Mai die Neuauflage von „Rettet unser Bargeld“. Wo kann man das Buch jetzt schon vorbestellen?
Überall im Buchhandel. Nachdem der Econ Verlag und danach auch der FBV mich aufgrund meiner politischen Meinung aussortiert haben, habe ich mit dem Deutschen Wirtschaftsbuch Verlag einen hervorragenden Partner gefunden. Außerdem können Sie sich auf unserer Website www.rettet-unser-bargeld.de informieren.
Herr Otte, vielen Dank für das interessante Interview!
Hinweis für unsere Leser:
