Argentinien: Hochriskante Wette mit bis zu 176% Potenzial – Milei treibt Reformen erfolgreich voran!

Man muss ehrlich sein: Argentinien hat in den vergangenen Jahrzehnten so ziemlich alles falsch gemacht, was ein Land wirtschaftspolitisch falsch machen kann. Mehrfache Staatspleiten, Inflationsraten jenseits der 200%, ein dysfunktionaler Devisenmarkt. Und doch richten sich die Blicke internationaler Anleger gerade wieder auf Buenos Aires – zumindest jene Anleger, die bereit sind, ein erhebliches Risiko einzugehen.

Der Auslöser ist bekannt: Seit dem Amtsantritt von Präsident Javier Milei hat das Land eine wirtschaftspolitische Schocktherapie durchlaufen, die in ihrer Konsequenz kaum Parallelen hat. Und die ersten Ergebnisse sind – überraschend – bemerkenswert.

 

Morgan Stanley sieht bis zu 176% Aufwärtspotenzial

Die Investmentbank Morgan Stanley skizziert in ihrer aktuellen Lateinamerika-Analyse ein sogenanntes „LatAm Spring“-Szenario, in dem argentinische Aktien bis 2030 ein Aufwärtspotenzial von bis zu 176% aufweisen könnten. Für die gesamte LatAm-Region erwartet Morgan Stanley in diesem Szenario ein Plus von rund 90%.

Die Bank begründet ihren Optimismus mit einem „Trifecta“ – drei zusammenwirkenden Faktoren: erstens eine geopolitische Neuausrichtung globaler Lieferketten zugunsten ressourcenreicher, politisch verlässlicher Länder. Zweitens die globale Zinswende, die Infrastruktur- und Investitionsprojekte wieder finanzierbar macht. Und drittens, eben auch, der politische Wandel in Argentinien selbst.

Ob dieses Szenario eintritt, ist eine andere Frage. Aber es erklärt, warum institutionelle Investoren das Land nicht mehr einfach ignorieren können.

 

Was Milei tatsächlich erreicht hat

Erstmals seit über einem Jahrzehnt weist Argentinien einen primären Haushaltsüberschuss aus. Das ist keine Kleinigkeit – das ist eine strukturelle Kehrtwende. Die monatliche Inflationsrate ist von über 20% auf rund 2% gesunken; für 2026 wird eine Jahresrate von etwa 20% erwartet, verglichen mit über 200% noch vor nicht allzu langer Zeit.

Das Länderrisiko, gemessen am EMBI-Spread, ist stark zurückgegangen. Als die Spreads im Januar 2026 die Marke von 500 Basispunkten unterschritten, sendete das ein klares Signal: Eine Rückkehr an die internationalen Kapitalmärkte rückt in den Bereich des Möglichen. Flankiert wird dies durch ein 48-monatiges Extended Fund Facility-Abkommen des IWF über 20 Mrd. USD, das die Reformagenda absichern soll.

Und politisch hat sich etwas Entscheidendes verändert: Bei den Zwischenwahlen im Oktober 2025 gewann Milei überraschend deutlich – trotz vorheriger Turbulenzen an den Finanzmärkten. Er verfügt nun über eine parlamentarische Mehrheit, die ihm Reformen ermöglicht, die vorher schlicht nicht durchsetzbar waren. Eine Arbeitsmarktreform wurde bereits auf den Weg gebracht, ein Handelsabkommen mit den USA abgeschlossen.

Prof. Philipp Bagus, Volkswirtschaftsprofessor an der Universität Rey Juan Carlos in Madrid und Autor des Buchs „Die Ära Milei“, bringt es in einer aktuellen Argentinien-Analyse in Interview mit der Kapitalanlagen-Test.de Redaktion auf den Punkt: „Der Staat ist das Problem, nicht die Lösung.“ Für Bagus zeige der klare Wahlsieg Mileis, dass die Argentinier hinter dem Reformkurs stehen – und den Peronismus hinter sich lassen wollen.

Das ist die gute Nachricht.

Die schlechte: Das alles kann auch wieder zusammenbrechen.

Argentinier wissen das aus Erfahrung – und internationale Anleger sollten es ebenfalls wissen.

 

Der ARGT: Das liquideste Vehikel für diese Wette

Wer in argentinische Aktien investieren möchte, kommt am Global X MSCI Argentina ETF (ARGT) kaum vorbei. Mit einem Nettovermögen von rund 796 Mio. USD (Stand: 13. März 2026) und einer Gesamtkostenquote von 0,59% ist er das größte und liquideste Instrument seiner Art. Der aktuelle Kurs liegt bei 85,51 USD.

 

ARGT Chart

Der ETF bildet den MSCI All Argentina 25/50 Index ab und hält 26 Positionen. Die Konzentration auf die größten Namen ist dabei erheblich – allein MercadoLibre macht gut 20% des Portfolios aus, der Ölkonzern YPF rund 8,5%, gefolgt von Vista Energy (6,4%) und dem Finanzinstitut Grupo Financiero Galicia (6,3%).

 

Unternehmen Sektor Gewichtung
MercadoLibre Nicht-Basiskonsumgüter 20,6%
YPF Energie 8,5%
Vista Energy Energie 6,4%
Grupo Financiero Galicia Finanzen 6,3%
Pampa Energía Versorger 4,8%
Transportadora de Gas del Sur Versorger 4,6%
Banco Macro Finanzen 4,0%
Central Puerto Versorger 3,8%

 

Die historische Performance des ARGT war entsprechend volatil – aber durchaus beeindruckend. Über drei Jahre erzielte der ETF laut Global X eine annualisierte Rendite von 40,86%, über fünf Jahre immerhin 26,62%. Das spiegelt die Kursexplosion wider, die mit der Antizipation politischer Veränderungen einherging. Ob sich das wiederholt, ist naturgemäß ungewiss.

 

Die Risiken – und die sind nicht klein

Man sollte sich hier nichts vormachen. Argentinien ist und bleibt eines der riskantesten Investmentziele weltweit.

Das Umsetzungsrisiko ist vielleicht das gravierendste: Die Reformen sind schmerzhaft, sie treffen die Bevölkerung hart. Soziale Unruhen sind keine theoretische Möglichkeit. Und Milei ist weder unbesiegbar noch ewig im Amt. Ein politischer Rückschlag könnte das gesamte Reform-Narrativ innerhalb kurzer Zeit zunichtemachen.

Dazu kommt das strukturelle Währungsrisiko. Der Argentinische Peso bleibt anfällig für ungeordnete Abwertungen, die die Bilanzen der Unternehmen belasten und die Inflation zurückbringen könnten. Und als bedeutender Rohstoffexporteur hängt das Land stark an globalen Agrarrohstoff- und Energiepreisen – externe Schocks treffen Buenos Aires schneller und härter als die meisten anderen Volkswirtschaften.

Die Schuldenlast bleibt ebenfalls ein Thema.

Ein erneuter Zahlungsausfall – Argentiniens neunter in der Geschichte – wäre zwar nicht das Ende der Welt, aber es wäre… eben typisch Argentinien.

 

Für wen eignet sich dieses Investment?

Für konservative Anleger lautet die Antwort klar: nicht geeignet. Die Volatilität, das politische Risiko, die strukturellen Schwächen – all das ist mit einem sicherheitsorientierten Anlagehorizont nicht vereinbar.

Für wachstumsorientierte Anleger mit langem Horizont und echter Risikotoleranz kann eine kleine, spekulative Beimischung in der Größenordnung von 1 bis 3% des Portfolios jedoch Sinn ergeben. Das asymmetrische Chance-Risiko-Verhältnis – begrenzter Verlust bei einem Misserfolg der Reformen, potentiell mehrfacher Ertrag bei Erfolg – ist eben auch der Hauptanziehungspunkt für institutionelle Investoren, die aktuell auf das Land schauen.

Für dezidiert spekulative Anleger, die auf makroökonomische Sondersituationen setzen, ist Argentinien unter den aktuellen Bedingungen wohl eine der interessantesten – wenn auch riskantesten – Opportunitäten am globalen Aktienmarkt.

Die Weichen für eine wirtschaftliche Normalisierung sind gestellt. Aber der Weg ist noch lang, die Hindernisse sind real, und Argentiniens Geschichte mahnt zur Vorsicht. Wer einsteigt, sollte das mit offenen Augen tun – und mit dem Bewusstsein, dass auch das Schlimmste nicht ausgeschlossen ist.

 

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