Straße von Hormus: Intercontinental Exchange – die Aktie, die in jedem Szenario gewinnt

Es gibt nicht viele Unternehmen, bei denen man sich ernsthaft fragt: Was müsste eigentlich passieren, damit das hier schiefgeht? Bei der Intercontinental Exchange – kurz ICE – ist diese Frage erstaunlich schwer zu beantworten. Die Muttergesellschaft der New York Stock Exchange ist längst weit mehr als ein Börsenbetreiber.

Sie ist ein Infrastrukturkonzern, der an nahezu jeder bedeutenden Kapitalmarktbewegung verdient – egal, in welche Richtung sie geht.

Das Geschäftsjahr 2025 war das 20. Rekordjahr in Folge. Der Nettoumsatz stieg um 7% auf 9,9 Milliarden US-Dollar, der bereinigte Gewinn je Aktie um 14% auf 6,95 US-Dollar.

Zahlen, die für sich sprechen.

Und dann kam der März 2026.

 

Ein Rekord, der alles übertrumpft

Wer verstehen will, was ICE wirklich kann, sollte sich den März 2026 genauer ansehen. In einem einzigen Monat verarbeitete ICE 428,9 Millionen gehandelte Kontrakte – der höchste monatliche Volumenwert in der Unternehmensgeschichte.

Das durchschnittliche Tagesvolumen sprang um 88% gegenüber dem Vorjahr.

Die Energie-Futures explodierten: Das Öl-Volumen stieg um 85%, das Brent-Volumen um 122%. Bei den Zins-Futures waren es sogar 140% Plus.

 

 

Was steckt dahinter?

Die Antwort ist gleichzeitig einfach und aufschlussreich: Unsicherheit.

Die geopolitischen Spannungen rund um den Iran und die Straße von Hormus, hartnäckige Inflation in den USA, ein Fed, das zwischen den Stühlen sitzt – all das treibt Produzenten, Fonds und Banken in die Absicherung.

Und die Absicherung läuft über ICE.

 

 

Straße von Hormuz: Warum ICE immer gewinnt

Es gibt im Grunde zwei realistische Makro-Szenarien für die Straße von Hormuz für die nächsten zwölf bis achtzehn Monate – und beide spielen der ICE in die Karten.

 

Szenario 1: Die Krise bleibt.

Bleibt die geopolitische Lage angespannt, bleibt die Energie-Volatilität hoch. Der Absicherungsbedarf steigt weiter. Das Transaktionsgeschäft von ICE druckt Gebühren. Wie im März 2026.

 

Strait of Hormuz

Wie geht es weiter mit der wichtigen „Strait of Hormuz“?

 

Szenario 2: Die Krise löst sich auf.

Beruhigt sich der Nahe Osten, sinken die Energiepreise. Der Inflationsdruck lässt nach. Die Fed hat Spielraum für Zinssenkungen. Was dann passiert, ist ebenso interessant: Ein Richtungswechsel der US-Geldpolitik löst massive Umschichtungen in Zinsportfolios aus – wieder über ICE-Produkte.

Und er würde eine Refinanzierungswelle am US-Immobilienmarkt auslösen, von der ein weiteres Standbein des Unternehmens profitieren würde: die Hypothekentechnologie.

ICE hat durch die Akquisitionen von Ellie Mae und Black Knight eine monopolartige Stellung in der Digitalisierung des US-Hypothekenmarkts aufgebaut.

Bereits im vierten Quartal 2025 meldete das Segment mit 532 Millionen US-Dollar das stärkste Quartal seit 2022 – und das noch ohne echten Zinssenkungszyklus.

Es gibt kaum ein Makro-Szenario, in dem ICE strukturell verliert… das ist die eigentliche Stärke dieser Aktie.

 

Das Fundament: 55% wiederkehrende Umsätze

Was die These noch tragfähiger macht, ist die Beschaffenheit der Einnahmen. Etwa 55% des Gesamtumsatzes stammen aus Abonnements – Daten, Technologie, Lizenzen. Diese Erträge fließen unabhängig davon, ob die Märkte gerade sehr volatil oder sehr ruhig sind.

Sie stabilisieren das Unternehmen in Phasen niedriger Marktaktivität und ermöglichen planbare Investitionen.

Dieses Modell unterscheidet ICE fundamental von einem reinen Börsenbetreiber. Es ist eher mit einem Bloomberg oder einem S&P Global zu vergleichen als mit einer klassischen Handelsbörse – kombiniert mit dem transaktionsgetriebenen Hebel eines Derivate-Marktplatzes.

 

Bewertungsvergleich: Günstig für das, was geboten wird

Umso auffälliger ist, dass ICE im direkten Vergleich mit dem schärfsten Wettbewerber günstiger bewertet wird.

Kennzahl Intercontinental Exchange (ICE) CME Group (CME)
Forward KGV ~23x ~25x
Wiederkehrende Umsätze ~55% Deutlich geringer
Geschäftsmodell Börse + Daten + Hypotheken Fokus auf Derivate

 

Trotz breiterer Diversifizierung und stabilerer Einnahmebasis handelt ICE mit einem Abschlag zur CME Group.

Analysten erkennen das zunehmend: UBS hat die EPS-Schätzung für das erste Quartal 2026 auf 2,26 US-Dollar angehoben – gegenüber einem Wall-Street-Konsens von 2,00 US-Dollar.

Sollte ICE am 30. April 2026 tatsächlich mit rund 13% über den Erwartungen liegen, dürfte das für Bewegung in der Aktie sorgen.

 

ICE Chart

 

Die Risiken – und warum man sie kennen sollte

Es wäre unvollständig, die Risiken nicht zu benennen. Die Black-Knight-Akquisition hat ihren Preis: Die Gesamtverschuldung lag Ende 2025 bei 19,6 Milliarden US-Dollar. Die Leverage-Ratio konnte auf 3,0x gesenkt werden, aber in einem hartnäckig hohen Zinsumfeld bleibt das eine spürbare Last auf den Margen.

Dazu kommt die Frage der Normalisierung. Der März 2026 war außergewöhnlich – krisengetrieben und wohl nicht dauerhaft auf diesem Niveau reproduzierbar. Eine schnelle diplomatische Lösung im Nahen Osten würde das Energie-Volumen auf eine niedrigere Basislinie zurückführen.

Und sollte die Inflation wirklich hartnäckig bleiben, würde auch die erwartete Erholung im Hypothekensegment länger auf sich warten lassen als erhofft.

Diese Risiken sind real.

Aber sie erfordern das gleichzeitige Eintreten ungünstiger Faktoren über mehrere Geschäftsbereiche hinweg – genau die Konstellation, gegen die ICEs Diversifizierung gebaut wurde.

 

Fazit: Für wen ist diese Aktie?

ICE ist kein Highflyer-Trade. Wer kurzfristige, extreme Volatilität sucht, wird die Aktie selbst zu gemächlich finden – auch wenn das Unternehmen prächtig von fremder Volatilität lebt.

Das ist ein Unterschied, den man verstehen sollte.

Wachstumsorientierte Anleger finden im Hypothekentechnologie-Segment eine strukturelle Wachstumsstory. Die Digitalisierung des US-Immobilienmarkts steht erst am Anfang, und ICE hat die Infrastruktur dafür gebaut. Konservativere Anleger schätzen die hohe Quote wiederkehrender Einnahmen und die monopolartigen Marktpositionen.

Die Dividendenrendite von etwa 1,37% ist moderat, wird aber durch Aktienrückkäufe von 1,3 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 ergänzt.

Börseninfrastruktur ist vielleicht das langweiligste Geschäft der Welt – bis man versteht, dass jede Marktbewegung, jede Absicherung, jede Refinanzierung über diese Infrastruktur läuft.

ICE hat das System gebaut. Und das System läuft immer!

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