Iran-Krieg bestimmt weiter die Märkte: Dax minus 4,69%, Vonovia stürzt ab, Heidelberg Materials überrascht positiv

Eine Woche zum Vergessen liegt hinter den DAX-Anlegern. Der deutsche Leitindex verlor in den vergangenen fünf Handelstagen –1.100 Punkte bzw. –4,69 % und schloss am Freitagabend bei 22.380 Punkten. Das Wochenhoch lag noch bei rund 23.957 Punkten – der Absturz in der zweiten Wochenhälfte, sichtbar ab dem 19. März, war damit umso heftiger.

Das bestimmende Thema bleibt die Geopolitik: Der Konflikt im Nahen Osten belastet die Märkte weiterhin, die Ölpreise bleiben auf erhöhtem Niveau, und das Zinssenkungsszenario der EZB rückt wieder in weitere Ferne.

Die Straße von Hormus – eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt, durch die täglich rund 20 % der globalen Ölversorgung fließen – ist nach wie vor nicht wirklich frei passierbar.

Solange das so bleibt, wirkt der Konflikt nicht nur auf die Energiemärkte, sondern auch auf globale Lieferketten und die Inflationserwartungen weltweit.

Aber wie (fast) immer gilt:

Auch in einer Abwärtswoche gibt es Gewinner – und die sind diesmal bemerkenswert.

 

DAX-Wochengewinner

Die Gewinner dieser Woche kamen aus ganz unterschiedlichen Richtungen – verbindendes Element ist, dass sie entweder als Übernahmekandidat oder als technischer Rebound von einem übertrieben niedrigen Niveau profitiert haben.

 

Heidelberg Materials: +6,40 % | Kurs: 171,30 Euro

Das ist die Überraschung der Woche. Heidelberg Materials hatte zuletzt massiv gelitten – der Kurs war von knapp 190 Euro auf zeitweise unter 165 Euro gefallen, getrieben von Sorgen um den globalen Bausektor und einem schleppenden europäischen Infrastrukturprogramm. Nun folgte die technische Gegenbewegung: Schnäppchenjäger griffen zu, und der Wert erholte sich um +6,40 % auf 171,30 Euro.

Ist das eine echte Trendwende? Noch nicht. Das fundamentale Umfeld hat sich nicht grundlegend verändert – zyklische Bauwerte stehen weiter unter dem Druck einer schwachen Konjunktur. Aber die Übertreibung auf der Unterseite hat sich zumindest korrigiert. Für Anleger mit längerem Horizont und einem Auge auf europäische Infrastrukturinvestitionen bleibt Heidelberg Materials eben ein interessanter Name.

Heidelberg Materials Aktie Chart

 

Commerzbank: +2,50 % | Kurs: 30,33 Euro

Commerzbank war in dieser turbulenten Woche ein relativer Ruhepol. Die Aktie legte um +2,50 % auf 30,33 Euro zu. Der Rückenwind kommt aus einer bekannten Richtung: Die UniCredit-Übernahmefantasie hält sich hartnäckig – solange der italienische Großaktionär seine Ambitionen nicht offiziell begraben hat, bleibt eine gewisse Prämie im Kurs eingepreist.

Hinzu kommt: In einem Umfeld, das Sicherheit belohnt, sind Bankenwerte mit solider Kapitalausstattung und klarer Dividendenstrategie zunehmend gefragt. Commerzbank hat in den vergangenen Quartalen kontinuierlich an ihrer Bilanzstärke gearbeitet – das wird langsam honoriert, auch wenn das Geschäftsmodell nach wie vor unter Druck steht.

Commerzbank Aktie Chart

 

Deutsche Börse: +0,12 % | Kurs: 243,30 Euro

Der dritte Gewinner der Woche ist eigentlich keiner: Mit gerade einmal +0,12 % schloss die Deutsche Börse die Woche praktisch unverändert ab. In einem Markt, der knapp 5 % eingebrochen ist, ist das freilich eine Art Leistungsausweis für die defensive Qualität des Werts – mehr aber auch nicht.

Deutsche Börse Aktie Chart

 

DAX-Wochenverlierer

Auf der Verliererseite dominierten zinssensitive Werte und Unternehmen mit strukturellen Problemen – eine Kombination, die in Risikowochen besonders hart bestraft wird.

 

Vonovia SE: –10,59 % | Kurs: 21,44 Euro

Das ist der Absturz der Woche. Vonovia verlor in nur fünf Handelstagen mehr als ein Zehntel seines Börsenwerts. Die Gründe liegen auf der Hand: Steigende Inflationsrisiken durch den anhaltenden Ölpreisschock lassen Zinssenkungshoffnungen verblassen – und Vonovia ist als hochverschuldeter Immobilienkonzern der klassische Leidtragende in diesem Umfeld. Bei 21,44 Euro notiert die Aktie auf historisch niedrigem Niveau. Die offene Frage bleibt: Wann kommt die Zinswende tatsächlich – und reicht Vononias Bilanzstärke, um so lange durchzuhalten?

Vonovia Aktie Chart

 

SCOUT24 SE: –9,43 % | Kurs: 64,85 Euro

Scout24 trifft es doppelt: Als führende Plattform für Immobilieninserate hängt das Geschäftsmodell direkt an der Gesundheit des Immobilienmarkts. Weniger Transaktionen, weniger Neueinstellungen – und das Anzeigenvolumen sinkt mit. Die Aktie verlor –9,43 % auf 64,85 Euro und folgte damit dem Abwärtssog des gesamten Immobiliensektors. Ohne klare Signale aus dem Zinsmarkt bleibt hier kaum kurzfristiges Erholungspotenzial.

Scout24 Aktie Chart

 

MTU Aero Engines: –8,12 % | Kurs: 306,50 Euro

MTU bleibt das Sorgenkind. Die Aktie setzt ihren Abwärtstrend fort und verlor diese Woche weitere –8,12 % auf 306,50 Euro. Der ungeklärte Streit mit Airbus über die Lieferung von Getriebefan-Triebwerken schwelt weiter, der Ausblick für das laufende Geschäftsjahr enttäuschte, und geopolitische Spannungen belasten den gesamten Luftfahrtsektor zusätzlich. Die 200-Tage-Linie wurde bereits unterschritten – ein technisches Warnsignal, das institutionelle Investoren nicht ignorieren. Für eine nachhaltige Erholung braucht es klare positive Signale aus dem Triebwerksstreit mit Airbus.

MTU Aero Engines Aktie Chart

 

Ausblick: Die nächste Woche wird zur Bewährungsprobe

Die kommende Woche startet mit einem DAX, der nur knapp über der psychologisch wichtigen 22.000er-Marke notiert.

Der Wochenabschluss bei 22.380 Punkten lässt keinen Zweifel:

Der Markt befindet sich in einem klaren Abwärtstrend, und das 52-Wochen-Hoch von 25.507 Punkten wirkt derzeit wie eine weit entfernte Erinnerung.

 

DAX Chart

 

Im Fokus stehen die ifo-Geschäftsklimazahlen für Deutschland sowie weitere Inflationsdaten aus der Eurozone. Sie werden zeigen, ob die Konjunkturerwartungen trotz Ölpreisschock und Kriegsrisiko stabil bleiben oder weiter einknicken.

Die EZB-Kommunikation in der kommenden Woche dürfte ebenfalls für Bewegung sorgen.

 

Was bedeutet das konkret für Ihr Portfolio?

Bei der aktuellen Volatilität empfiehlt es sich, die eigenen Positionen täglich kurz zu prüfen – nicht um hektisch zu handeln, sondern um frühzeitig reagieren zu können.

Riskante Engagements in zinssensitiven oder konjunkturzyklischen Werten sollten in diesem Umfeld morgens aktiv bewertet werden: Wer das Risiko scheut, fährt derzeit besser damit, solche Positionen zu reduzieren oder ihnen vorübergehend fernzubleiben.

Mindestens genauso wichtig ist der Blick auf das Gesamtportfolio – ist es breit genug aufgestellt, um diese Marktturbulenzen ohne größere Blessuren zu überstehen?

Wer jetzt feststellt, dass einzelne Sektoren zu stark übergewichtet sind, sollte eine Rebalancierung ernsthaft in Betracht ziehen.

 

Portfolio-Strategien im Überblick: Welcher Ansatz passt zu Ihnen?

Die Wahl der richtigen Anlagestrategie gehört zu den wichtigsten Entscheidungen für langfristigen Vermögensaufbau. Während die einen auf maximale Diversifikation setzen, konzentrieren sich andere auf spezifische Faktoren oder bewusst antizyklisches Handeln.

Jeder Ansatz hat seine eigenen Stärken, Schwächen und spezifischen Anforderungen an Risikobereitschaft, Anlagehorizont und Zeiteinsatz.

 

Hier stellen wir 14 Anlagestrategien für jeden Anlegertypen vor!

 

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