Supreme Court kippt Trump-Zölle: Was das Urteil für Märkte und Anleger bedeutet
Es ist eine der weitreichendsten handelspolitischen Entscheidungen seit Jahrzehnten. Der US Supreme Court hat am 20. Februar 2026 geurteilt, dass der International Emergency Economic Powers Act (IEEPA) dem Präsidenten nicht die Befugnis gibt, eigenständig Zölle zu erheben. Das Urteil trifft die Trump-Administration ins Mark – und sendet ein Signal, das weit über Washington hinausgeht.
Betroffen sind die 25%-Zölle auf die meisten kanadischen und mexikanischen Importe, die 10%-Zölle auf chinesische Waren sowie die sogenannten „reziproken” Zölle auf praktisch alle Handelspartner – in einigen Fällen deutlich höher als die Basislinie von 10%. Allesamt gekippt, zumindest vorerst.
Das Verfassungsargument: Kongress schlägt Präsident
Die juristische Begründung des Gerichts ist so schlicht wie wirkungsvoll. Artikel I, Abschnitt 8 der US-Verfassung weist die Zollhoheit eindeutig dem Kongress zu – nicht der Exekutive. Die Richter befanden, dass die Formulierung „regulate importation” im IEEPA zu vage sei, um eine derart fundamentale Machtübertragung an den Präsidenten zu rechtfertigen.
Entscheidend ist dabei die sogenannte „Major Questions Doctrine”: Bei wirtschaftspolitisch so bedeutsamen Weichenstellungen muss der Kongress seine Absicht explizit und unmissverständlich formulieren. Das hat er eben nicht getan.
Und genau das macht das Urteil juristisch wasserdicht – und für die Administration juristisch schwer angreifbar (auch wenn die Trump-Regierung als Antwort auf die Supreme Court Entscheidung nun generell einen Erhöhung der Zölle um 15% angekündigt hat).

Kurze Erleichterung, aber auch neue Unsicherheit
Für die Märkte war das Urteil zunächst einmal eine gute Nachricht. Handelsunsicherheit war in den vergangenen Monaten eine der größten Belastungen für die globale Wirtschaft – für Lieferketten, für Investitionsplanung, für die Inflationsdynamik. All das könnte sich jetzt entspannen, zumindest vorübergehend. Das war die Hoffnung!
Aber „vorübergehend” ist hier das Schlüsselwort. Denn die Trump-Administration hat bereits signalisiert, dass sie den Kongress um neue, explizite Zollermächtigungen bitten wird. Wurden am Freitag noch neue Zölle in Höhe von 10% angekündigt legte Us-Präsident Trump am Samstag noch eine Schippe drauf und erhöhte auf 15%.
Die politische Auseinandersetzung um den Freihandel ist also nicht beendet – sie verlagert sich nur auf ein anderes Terrain.
DAX und europäische Exporteure: Klarer Gewinner
Für deutsche Anleger ist das Urteil wohl die relevanteste handelspolitische Nachricht seit dem Ende des ersten Trump-Handelskonflikts.
Wenn es gut läuft, würden die klassischen deutschen Exportindustrien wie Automobil, Maschinenbau, Chemie mit weniger Zöllen konfrontiert. Unternehmen wie BMW, Volkswagen, Mercedes-Benz, BASF und Siemens hatten die US-Zölle teils über Preiserhöhungen, teils über Margendruck abgefedert. Beides würde so entfallen. Ihre Wettbewerbsposition auf dem US-Markt würde sich schlagartig verbessern.
Sollten die am Samstag von Trump angekündigten 15% aber obendrauf kommen, könnte es sogar noch schlimmer werden für die deutschen DAX-Titel. Momentan ist alles in der Schwebe – Anleger sollten sich vorsichtig verhalten und nächste Woche mit erhöhter Volatilität rechnen.
DAX Chart
US-Indizes: Gemischtes Bild, aber tendenziell positiv
Für die amerikanischen Leitindizes ist die Lage differenzierter. Einzelhändler, Importeure und konsumnahe Unternehmen würden direkt vom günstigeren Warenbezug aus dem Ausland profitieren. Der Druck auf die Verbraucherpreise liesse nach – was der Fed mehr Spielraum gäbe und langfristig positiv für Bewertungen wäre.
Auf der anderen Seite würden US-Produzenten in schutzbedürftigen Sektoren – Stahl, Aluminium, Textil – den Protektionsschirm, den die Zölle ihnen boten, verlieren. Ihre Aktien dürften unter Druck geraten.
Technologieunternehmen sind vom Urteil weitgehend neutral betroffen; ihre Lieferketten waren von den betroffenen Zollregimes weniger direkt berührt.
S&P 500 Chart
Gold und Silber: Safe-Haven-Prämie schmilzt
Gold notiert aktuell bei rund 5.100 US-Dollar pro Feinunze – ein Niveau, das in den vergangenen Monaten eben auch von der geopolitischen Risikoprämie gestützt wurde. Das Urteil reduziert diese Risikoprämie kurzfristig. Wer Gold als Absicherung gegen ein eskalierendes Handelskriegs-Szenario hielt, hat einen kleinen Teil seiner Absicherungslogik verloren.
Mittelfristig bleibt Gold aber gut unterstützt – durch die strukturellen Treiber, die nichts mit Handelspolitik zu tun haben: Staatsverschuldung, Zentralbankpolitik, Nachfrage aus Schwellenländern. Und auch der Iran-Konflikt dürfte den Goldpreis eher weiter nach oben treiben. Der Rücksetzer dürfte also begrenzt sein, oder zumindest kein strukturelles Umkehrsignal darstellen.
Silber – aktuell bei rund 84,6 US-Dollar pro Feinunze – reagiert erfahrungsgemäß ähnlich wie Gold, aber oftmals stärker. Als Industriemetall hat es einen zusätzlichen Treiber: bessere Wirtschaftsaussichten durch freieren Handel bedeuten mehr industrielle Nachfrage. Das könnte den Safe-Haven-Verlust zumindest teilweise kompensieren.
Gold Chart
Schwellenländer und Währungen: Die großen Gewinner
Die wohl größten Profiteure des Urteils sitzen außerhalb der USA. Mexiko, Kanada und China hatten die härteste Zolllast zu tragen – ihre Exportwirtschaften standen teils unter erheblichem Druck. Mit dem Urteil kehrt ein Stück handelspolitische Normalität zurück; ihre Währungen und Aktienmärkte dürften entsprechend positiv reagieren.
Der US-Dollar steht dagegen unter leichtem Abwertungsdruck. Eine weniger protektionistische US-Handelspolitik bedeutet tendenziell weniger strukturelle Dollarstärke. Der Euro notiert aktuell bei 1,1777 US-Dollar – ein Niveau, das bereits die gestiegene Unsicherheit über die US-Handelspolitik der vergangenen Monate widerspiegelt.
EUR/USD Chart
Was kommt als nächstes?
Die eigentlich spannende Frage ist nicht, was heute passiert, sondern was in den kommenden Wochen passiert. Die Trump-Administration hat drei Optionen:
- Sie könnte sich mit dem Urteil abfinden und die Handelspolitik neu justieren. Wohl kaum denkbar.
- Sie könnte den Kongress um neue Ermächtigungen bitten – was politisch aufwendig und keineswegs garantiert ist.
- Oder sie könnte versuchen, über andere rechtliche Hebel ähnliche Zölle wieder einzuführen. Damit hat sie bereits begonnen.
Für Anleger bedeutet das: Die Erleichterung ist theoretisch da, aber die Rechtssicherheit ist noch lange nicht vollständig. Wer jetzt in seiner Anlagestrategie auf eine dauerhafte Normalisierung der US-Handelspolitik wettet, sollte die aktuelle Nachrichtenlage konsequent im Blick behalten. Trump hat schon öfters gezeigt, dass er sich aus fast ausweglosen Situationen befreien kann.
Fazit: Historisches Urteil, aber kein Ende des Handelskonflikts
Das Urteil des Supreme Court ist ein echter Wendepunkt – vielleicht der bedeutendste handelsrechtliche Einschnitt seit der WTO-Gründung in den 1990er-Jahren. Es stärkt die verfassungsrechtliche Gewaltenteilung, gibt den Märkten kurzfristig Auftrieb und beendet für einen kurzen Moment eine Phase extremer handelspolitischer Unsicherheit.
Aber es löst den politischen Konflikt nicht auf.
Es verlagert ihn nur – vom Oval Office in den Kongress.
Wer langfristig positioniert ist, tut gut daran, das im Blick zu behalten.
Denn Handelspolitik war selten so volatil wie in diesen Jahren, und ein einziges Gerichtsurteil macht daraus noch keine stabile neue Welthandelsordnung.