Emerging Markets

Emerging Markets: Wachstumschancen in Schwellenländern nutzen

Emerging Markets, zu Deutsch Schwellenländer, bezeichnen Volkswirtschaften, die sich in einem Übergangsstadium zwischen Entwicklungs- und Industrieland befinden. Länder wie China, Indien, Brasilien, Südafrika oder Polen gehören zu dieser Kategorie. Sie zeichnen sich durch hohes Wirtschaftswachstum, zunehmende Industrialisierung und steigende Integration in den Welthandel aus.

Für Anleger bieten diese Märkte die Möglichkeit, an der dynamischen Entwicklung dieser Regionen zu partizipieren. Das Wachstumstempo übertrifft häufig das etablierter Industrienationen deutlich. Eine junge, wachsende Bevölkerung, steigende Einkommen und nachholende Infrastrukturinvestitionen schaffen attraktive Bedingungen für Unternehmen und damit auch für Investoren.

Gleichzeitig gehen Investments in Schwellenländer mit erhöhten Risiken einher. Politische Instabilität, Währungsschwankungen, schwächere Rechtssysteme und geringere Transparenz erfordern eine sorgfältige Abwägung. Die höheren Renditechancen erkauft man sich mit entsprechend höherer Volatilität.

 

Was charakterisiert Emerging Markets?

Schwellenländer lassen sich anhand mehrerer Merkmale identifizieren, die sie von entwickelten Märkten unterscheiden.

Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf liegt deutlich unter dem der Industrienationen, zeigt jedoch ein überdurchschnittliches Wachstumstempo. Die Wirtschaftsstruktur verschiebt sich zunehmend von der Landwirtschaft hin zu Industrie und Dienstleistungen. Diese Transformation schafft Beschäftigung und hebt das allgemeine Wohlstandsniveau.

Die Kapitalmärkte sind weniger entwickelt als in etablierten Volkswirtschaften. Die Börsen weisen geringere Marktkapitalisierung auf, die Handelsvolumina sind kleiner und die Regulierung oft weniger streng. Dies führt zu höherer Volatilität, bietet aber auch Chancen für aktive Investoren.

Demografisch profitieren viele Schwellenländer von einer jungen Bevölkerung mit wachsender Mittelschicht. Diese treibt den Konsum an und sorgt für einen großen Pool an Arbeitskräften. Urbanisierung und steigende Bildungsniveaus verstärken diesen Effekt.

 

Regionale Unterschiede innerhalb der Emerging Markets

Region Wichtige Märkte Besonderheiten
Asien China, Indien, Südkorea, Taiwan Größte Region, Technologieführerschaft, starkes Wachstum
Lateinamerika Brasilien, Mexiko, Chile Rohstoffreich, politisch volatiler, USA-Nähe
Osteuropa Polen, Tschechien, Ungarn EU-Integration, geografische Nähe zu Westeuropa
Nahost/Afrika Südafrika, Saudi-Arabien, VAE Energie- und Rohstoffexporteure, junge Bevölkerung

 

Jede Region bringt eigene Chancen und Risiken mit sich. Asien dominiert mit seinem Gewicht und seiner technologischen Entwicklung. Lateinamerika ist stark von Rohstoffpreisen abhängig. Osteuropa profitiert von der Nähe zu westeuropäischen Märkten, während Afrika und der Nahe Osten enormes langfristiges Potenzial bei gleichzeitig hohen politischen Risiken aufweisen.

 

Chancen von Emerging-Markets-Investments

Die Investition in Schwellenländer bietet mehrere attraktive Aspekte für ein global ausgerichtetes Portfolio.

Höheres Wachstumspotenzial: Schwellenländer wachsen strukturell schneller als entwickelte Volkswirtschaften. Aufholeffekte, demografische Dividende und Industrialisierung treiben die wirtschaftliche Entwicklung. Unternehmen in diesen Märkten können davon überproportional profitieren.

Demografischer Vorteil: Eine junge, wachsende Bevölkerung sorgt für steigenden Konsum und ein großes Arbeitskräfteangebot. Dies begünstigt langfristiges Wirtschaftswachstum und bietet Unternehmen attraktive Absatzmärkte.

Rohstoffvorkommen: Viele Schwellenländer verfügen über bedeutende Rohstoffreserven. Bei steigenden Rohstoffpreisen profitieren diese Volkswirtschaften besonders. Investments in entsprechende Unternehmen können von diesem Zusammenhang profitieren.

Diversifikation: Schwellenländer korrelieren nicht perfekt mit entwickelten Märkten. Ihre Beimischung kann die Diversifikation eines Portfolios verbessern und das Gesamtrisiko unter bestimmten Bedingungen reduzieren.

Günstigere Bewertungen: Emerging-Markets-Aktien notieren häufig mit niedrigeren Bewertungskennzahlen als vergleichbare Unternehmen in Industrieländern. Dies kann attraktive Einstiegschancen bieten, wenn die Risiken angemessen eingepreist sind.

 

Risiken und Herausforderungen

Die höheren Renditechancen werden durch eine Reihe spezifischer Risiken erkauft, die Anleger nicht unterschätzen sollten.

Politische Instabilität: Viele Schwellenländer weisen weniger stabile politische Systeme auf. Regierungswechsel, Korruption, unvorhersehbare Regulierung oder im Extremfall Enteignungen können Investments massiv beeinträchtigen.

Währungsrisiken: Schwellenländerwährungen schwanken oft stark gegenüber Euro oder Dollar. Abwertungen können Gewinne in Lokalwährung zunichtemachen oder sogar in Verluste verwandeln. Wechselkurseffekte sind bei diesen Investments nicht zu vernachlässigen.

Höhere Volatilität: Emerging Markets reagieren häufig überproportional auf globale Entwicklungen. In Krisenzeiten ziehen internationale Investoren ihr Kapital schnell ab, was zu drastischen Kurseinbrüchen führen kann. Die Schwankungsbreite übertrifft die entwickelter Märkte deutlich.

Geringere Liquidität: Die Handelsvolumina sind kleiner, die Geld-Brief-Spannen oft höher. Bei größeren Positionen kann es schwierig werden, schnell zu kaufen oder zu verkaufen ohne den Markt zu beeinflussen.

Schwächere Corporate Governance: Standards bei Unternehmensführung, Transparenz und Minderheitenschutz liegen häufig unter westlichem Niveau. Das Risiko von Bilanzmanipulationen oder benachteiligenden Entscheidungen zu Lasten von Minderheitsaktionären ist erhöht.

 

Für wen eignen sich Emerging-Markets-Investments?

Schwellenländerinvestments passen nicht zu jedem Anlegerprofil. Die Eignung hängt stark von Risikobereitschaft und Anlagehorizont ab.

Langfristig orientierte Anleger mit Verständnis für erhöhte Schwankungen finden in Emerging Markets einen sinnvollen Portfoliobaustein. Wer einen Zeithorizont von zehn Jahren oder mehr mitbringt, kann temporäre Rückschläge aussitzen und von den strukturellen Wachstumskräften profitieren.

Risikoaffine Investoren, die bewusst höhere Volatilität in Kauf nehmen, um Renditechancen zu nutzen, können einen größeren Anteil in Schwellenländer investieren. Ein durchdachtes Risikomanagement ist dabei allerdings unerlässlich.

Konservative Anleger mit geringer Risikotoleranz sollten Emerging Markets eher zurückhaltend gewichten oder ganz meiden. Die Schwankungen können für diese Zielgruppe psychologisch belastend sein und zu Fehlentscheidungen führen.

Einsteiger können über breit gestreute ETFs den Zugang zu Schwellenländern finden, ohne sich mit der Auswahl einzelner Länder oder Unternehmen befassen zu müssen. Dies reduziert das Einzelrisiko und vereinfacht das Investment erheblich.

 

Investitionsmöglichkeiten in Emerging Markets

Anleger haben verschiedene Wege, um in Schwellenländer zu investieren, jede Variante mit eigenen Eigenschaften.

Emerging-Markets-ETFs bieten die einfachste und kostengünstigste Möglichkeit. Sie investieren breit gestreut über viele Länder und Hunderte oder gar Tausende von Unternehmen. Die Gewichtung erfolgt meist nach Marktkapitalisierung, wobei China und Indien typischerweise hohe Anteile aufweisen.

Länderspezifische ETFs oder Fonds ermöglichen gezielte Investments in einzelne Volkswirtschaften. Dies erlaubt präzisere Positionierung, erhöht aber das Konzentrationsrisiko. Wer von der Entwicklung Indiens überzeugt ist, kann gezielt dort investieren.

Einzelaktien aus Schwellenländern erfordern tiefgreifende Kenntnisse der lokalen Märkte, Regulierung und Unternehmenslandschaft. Für die meisten Privatanleger ist dieser Weg mit unverhältnismäßig hohem Aufwand verbunden.

Aktiv gemanagte Fonds mit Schwellenländerfokus können Mehrwert generieren, wenn die Manager über lokale Expertise verfügen. Die höheren Kosten müssen jedoch durch entsprechende Mehrrendite gerechtfertigt werden, was empirisch nicht immer gelingt.

 

Praktisches Beispiel: Schwellenländer im Portfolio

Ein Anleger mit 50.000 Euro entscheidet sich für eine globale Asset Allocation mit 20% Schwellenländeranteil. Er investiert 10.000 Euro in einen breit diversifizierten Emerging-Markets-ETF.

In den folgenden fünf Jahren entwickeln sich die Märkte unterschiedlich. Der Schwellenländer-ETF schwankt stark und zeigt zwischenzeitlich Verluste von über 30%, erholt sich aber wieder und erzielt nach fünf Jahren eine Gesamtrendite von 45%. Der entwickelte-Märkte-Anteil wächst im gleichen Zeitraum um 35%.

Die Schwellenländer haben trotz höherer Volatilität zur Gesamtrendite beigetragen. Gleichzeitig musste der Anleger in der Lage sein, die Durststrecken emotional zu verkraften. Ohne ausreichend langen Anlagehorizont und Nervenstärke hätte die Strategie scheitern können.

 

Fazit

Emerging Markets bieten langfristig orientierten Anlegern die Chance, an der dynamischen Entwicklung wachstumsstarker Volkswirtschaften zu partizipieren. Die demografischen und strukturellen Voraussetzungen vieler Schwellenländer sind vielversprechend.

Die höheren Risiken durch politische Unsicherheit, Währungsschwankungen und Volatilität erfordern jedoch eine bewusste Entscheidung und angemessene Portfoliogewichtung. Ein Anteil von 10 bis 20% gilt für diversifizierte Portfolios als üblich, kann aber je nach Risikoneigung variieren.

Wer in Schwellenländer investiert, sollte dies mit langem Zeithorizont und der Bereitschaft tun, auch deutliche Rückschläge auszuhalten. Die Umsetzung über kostengünstige, breit gestreute ETFs bietet für die meisten Anleger den praktikabelsten Weg, um von den Wachstumschancen zu profitieren ohne unverhältnismäßige Einzelrisiken einzugehen.