Gold ETFs

Gold ETFs: Edelmetall-Investment über börsengehandelte Produkte

Gold nimmt unter den Anlageklassen eine Sonderstellung ein. Es zahlt keine Dividenden, generiert keine Zinsen und ist produktiv nicht nutzbar – dennoch wird es seit Jahrtausenden als Wertspeicher geschätzt. In modernen Portfolios dient Gold oft als Stabilitätsanker, als Absicherung gegen Inflation oder als Gegengewicht zu Aktien in unsicheren Zeiten. Die Frage ist weniger, ob Gold grundsätzlich ins Portfolio gehört, sondern wie man es sinnvoll und kostengünstig integriert.

Für die meisten Privatanleger sind physische Goldbarren oder Münzen unpraktisch. Lagerung, Versicherung und der Handel verursachen Aufwand und Kosten. Gold-ETFs und ETCs – Exchange Traded Commodities – bieten hier eine Alternative. Sie ermöglichen es, mit wenigen Klicks in Gold zu investieren, ohne sich um die physische Verwahrung kümmern zu müssen.

Gold-ETCs statt Gold-ETFs: Eine rechtliche Besonderheit

Streng genommen gibt es in Europa keine Gold-ETFs im klassischen Sinne, sondern Gold-ETCs. Der Grund liegt in der rechtlichen Definition von ETFs. Diese müssen gemäß der UCITS-Richtlinien diversifiziert sein – ein einzelner Rohstoff erfüllt dieses Kriterium nicht. Daher werden Goldprodukte als Exchange Traded Commodities strukturiert, was eine etwas andere rechtliche Konstruktion darstellt.

Für Anleger macht dieser Unterschied in der Praxis kaum einen Unterschied. Gold-ETCs werden wie ETFs an der Börse gehandelt, haben ähnliche Kostenstrukturen und funktionieren weitgehend identisch. Der Begriff “Gold-ETF” hat sich dennoch umgangssprachlich durchgesetzt, auch wenn er rechtlich nicht ganz korrekt ist. In diesem Artikel verwenden wir beide Begriffe synonym.

Physische Hinterlegung: Der Goldstandard

Die meisten großen Gold-ETCs sind physisch hinterlegt. Das bedeutet, dass tatsächlich Gold in Tresoren verwahrt wird – typischerweise in spezialisierten Hochsicherheitslagern in London, Zürich oder anderen Finanzplätzen. Die Menge des eingelagerten Golds entspricht exakt dem Gegenwert der ausgegebenen ETC-Anteile.

Diese physische Hinterlegung bietet Sicherheit. Im Fall einer Insolvenz des Emittenten bleibt das Gold als Sondervermögen geschützt und steht den Anlegern zu. Auch wenn der ETC-Anbieter ausfällt, hat man theoretisch Anspruch auf das physische Metall – in der Praxis würde das aber über Abwicklungsverfahren und nicht durch direkte Auslieferung erfolgen.

Physisch hinterlegte Gold-ETCs haben typischerweise etwas höhere Kosten als synthetische Varianten, da die Lagerung und Versicherung des Metalls Geld kostet. Die jährlichen Gebühren – die TER – liegen meist zwischen 0,15% und 0,40%. Das ist zwar mehr als bei vielen Aktien-ETFs, aber deutlich günstiger als der Kauf und die Verwahrung von physischem Gold auf eigene Faust.

Synthetische Gold-ETCs: Günstiger, aber mit Kontrahentenrisiko

Die Alternative zur physischen Hinterlegung sind synthetische Gold-ETCs, die über Derivate oder Swap-Geschäfte arbeiten. Sie bilden den Goldpreis nach, ohne dass tatsächlich Metall eingelagert wird. Stattdessen garantiert eine Bank vertraglich, die Wertentwicklung des Goldes zu liefern.

Der Vorteil liegt in etwas niedrigeren Kosten und einer präziseren Nachbildung des Goldpreises. Der Nachteil ist das Kontrahentenrisiko – fällt die Bank aus, mit der das Swap-Geschäft besteht, kann der ETC Verluste erleiden. Dieses Risiko ist zwar regulatorisch begrenzt und durch Sicherheiten abgefedert, aber nicht vollständig eliminiert. Mehr zu dieser Risikokategorie findet sich im Artikel zu ETF Risiken.

Für die meisten Anleger sind physisch hinterlegte Gold-ETCs die bevorzugte Wahl. Die etwas höheren Kosten wiegen das zusätzliche Sicherheitsgefühl in der Regel auf – gerade bei einer Anlage, die ja häufig genau zur Absicherung gegen Systemrisiken genutzt wird.

Die Funktion von Gold im Portfolio

Gold ist keine Rendite-Maschine. Über sehr lange Zeiträume betrachtet liefert es meist nur einen Inflationsausgleich, aber keine reale Wertsteigerung. Warum also überhaupt in Gold investieren? Die Antwort liegt in seinen spezifischen Eigenschaften.

Gold korreliert nur schwach oder gar negativ mit Aktien. Das bedeutet, dass es sich oft anders entwickelt als Aktienmärkte – und gerade in Krisenzeiten, wenn Aktien fallen, steigt Gold häufig oder bleibt zumindest stabil. Diese Eigenschaft macht es zu einem nützlichen Diversifikationsbaustein. Eine kleine Beimischung von 5% bis 10% im Portfolio kann die Gesamtvolatilität senken, ohne die langfristige Rendite nennenswert zu beeinträchtigen.

Auch als Absicherung gegen Inflation wird Gold genutzt, wenngleich dieser Zusammenhang nicht perfekt ist. In Phasen sehr hoher Inflation oder Währungsturbulenzen hat Gold historisch seinen Wert tendenziell besser gehalten als Papierwährungen. In normalen Zeiten hingegen schwankt der Goldpreis erheblich, ohne dass ein klarer Bezug zur Inflationsrate erkennbar wäre.

Wie man Gold sinnvoll in ein Gesamtportfolio integriert und welche Gewichtung angemessen ist, wird im Artikel zu ETF Portfolios vertieft.

Auswahlkriterien für Gold-ETCs

Bei der Auswahl eines Gold-ETCs gelten ähnliche Prinzipien wie bei klassischen ETFs. Die wichtigsten Kriterien sind:

Die Kostenquote – die TER – sollte möglichst niedrig sein. Bei physisch hinterlegten Produkten bewegt sie sich typischerweise zwischen 0,15% und 0,30% jährlich. Deutlich höhere Kosten sind schwer zu rechtfertigen, da alle Produkte letztlich nur den Goldpreis abbilden.

Das Fondsvolumen gibt Aufschluss über die Stabilität des Produkts. Gold-ETCs mit mehreren Hundert Millionen oder gar Milliarden Euro Volumen sind etabliert und liquide. Sehr kleine Produkte bergen das Risiko einer Schließung, was zwar keinen Kapitalverlust bedeutet, aber Umstände verursacht.

Die Replikationsmethode – physisch oder synthetisch – sollte den eigenen Präferenzen entsprechen. Wer Wert auf Sicherheit legt, wählt physisch hinterlegte Produkte. Die genauen Lagerorte und Prüfverfahren sind in den Produktdokumenten beschrieben.

Auch die Handelsliquidität spielt eine Rolle. Gold-ETCs mit engen Spreads – also geringen Differenzen zwischen Kauf- und Verkaufskurs – sparen Transaktionskosten. Bei den großen, etablierten Produkten liegt der Spread meist im Bereich weniger Cent, bei kleineren können es mehrere Prozent sein. Systematische Auswahlkriterien werden im Artikel zur ETF Auswahl ausführlich behandelt.

Steuerliche Behandlung: Keine Teilfreistellung

Ein wichtiger Unterschied zu Aktien-ETFs liegt in der steuerlichen Behandlung. Gold-ETCs profitieren nicht von der Teilfreistellung, die bei Aktien-ETFs einen Teil der Erträge steuerfrei stellt. Gewinne aus Gold-ETCs werden vollständig mit der Abgeltungsteuer von 25% zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer belastet.

Auch die Vorabpauschale, die bei thesaurierenden Aktien-ETFs anfällt, existiert bei Gold-ETCs nicht – schlicht weil Gold keine laufenden Erträge generiert. Besteuert wird nur der tatsächliche Veräußerungsgewinn beim Verkauf. Details zur steuerlichen Behandlung verschiedener ETF-Arten finden sich im Artikel zu ETF & Steuern.

Vor- und Nachteile von Gold-ETCs im Überblick

Vorteile Nachteile
Einfacher Zugang zu Gold ohne physische Lagerung Keine laufenden Erträge (keine Zinsen, keine Dividenden)
Niedrige Kosten im Vergleich zu physischem Gold Schwankende Preise ohne klare Aufwärtstendenz
Hohe Liquidität – jederzeit handelbar während Börsenzeiten Keine Teilfreistellung bei der Besteuerung
Diversifikation – geringe Korrelation mit Aktien Emittentenrisiko bei synthetischen Produkten
Transparenz – direkter Bezug zum Goldpreis Kein physischer Besitz des Metalls
Teilbarkeit – auch kleine Beträge investierbar Laufende Kosten (TER) reduzieren Wert langfristig

Wie viel Gold gehört ins Portfolio?

Es gibt keine feste Regel, wie hoch die Goldquote sein sollte. Viele Finanzberater empfehlen eine Beimischung von 5% bis 10% als Stabilitätsanker. Wer Gold sehr skeptisch gegenübersteht, kann auch komplett darauf verzichten – ein breit diversifiziertes Aktien- und Anleihenportfolio funktioniert auch ohne Edelmetalle.

Höhere Gewichtungen von 15% oder 20% machen nur in speziellen Situationen Sinn – etwa wenn man sehr risikoavers ist oder in besonders unsicheren Zeiten zusätzliche Absicherung sucht. Zu hohe Goldanteile bremsen allerdings die langfristige Rendite, da Gold eben keine Erträge erwirtschaftet.

Auch die Frage, ob man Gold dauerhaft hält oder taktisch einsetzt, hängt von der eigenen Strategie ab. Manche Anleger nutzen Gold als festen Portfoliobaustein und passen ihn beim Rebalancing an. Andere erhöhen die Goldquote in Krisenzeiten und reduzieren sie wieder, wenn sich die Lage beruhigt hat. Letzteres erfordert allerdings ein gewisses Markt-Timing, was nur selten zuverlässig gelingt.

Alternativen: Silber, Platin und andere Edelmetalle

Neben Gold gibt es auch ETCs auf andere Edelmetalle wie Silber, Platin oder Palladium. Diese haben teilweise industrielle Verwendung und zeigen daher ein anderes Verhalten als Gold. Silber etwa ist volatiler und stärker von der Konjunktur abhängig. Für die meisten Anleger bleibt Gold jedoch die bevorzugte Wahl im Edelmetallbereich, da es die stabilsten Eigenschaften als Wertaufbewahrungsmittel aufweist.

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Nach dieser Betrachtung von Gold-ETFs empfehlen sich folgende vertiefende Artikel:

ETF Portfolios – Wie man Gold als Portfoliobaustein sinnvoll gewichtet und mit anderen Anlageklassen kombiniert

ETF Risiken – Risikomanagement und Diversifikationsstrategien für ein ausgewogenes Portfolio