ETF Sparpläne
- ETF Sparpläne: Vermögensaufbau durch regelmäßige Investitionen
- Funktionsweise und praktische Umsetzung
- Der Cost-Average-Effekt: Risikominimierung durch Zeitstreuung
- Flexibilität und Anpassungsmöglichkeiten
- Langfristiger Vermögensaufbau: Die Kraft des Zinseszinses
- Psychologische Vorteile: Automatisierung und Disziplin
- Für wen eignen sich ETF-Sparpläne?
- Kombination mit Einmalanlagen
- Kosten im Blick behalten
- Kontinuität als Erfolgsfaktor
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ETF Sparpläne: Vermögensaufbau durch regelmäßige Investitionen
Der klassische Weg zum Vermögensaufbau führt über kontinuierliche Einzahlungen. Wer nicht über ein größeres Startkapital verfügt oder sein Risiko zeitlich streuen möchte, findet in ETF-Sparplänen ein praktikables Instrument. Das Prinzip ist denkbar einfach: Man investiert in regelmäßigen Abständen – meist monatlich – einen festen Betrag in einen oder mehrere ETFs. Diese Systematik bietet mehrere Vorteile gegenüber Einmalanlagen und macht den Vermögensaufbau auch mit kleineren Beträgen möglich.
Funktionsweise und praktische Umsetzung
Ein ETF-Sparplan wird bei einem Broker eingerichtet. Man legt fest, welchen Betrag man in welchem Rhythmus investieren möchte und welcher ETF bespart werden soll. Die meisten Anbieter ermöglichen Sparpläne bereits ab 25 oder 50 Euro monatlich, manche sogar ab einem Euro. Der festgelegte Betrag wird dann automatisch vom Referenzkonto abgebucht und in ETF-Anteile investiert – auch Bruchstücke sind möglich, sodass der Betrag vollständig genutzt wird.
Die Ausführung erfolgt zu einem bestimmten Zeitpunkt im Monat. Je nach Broker können Anleger hier verschiede Ausführungstermine (mitunter bis zu 10) wählen. Der ETF wird dann zum aktuellen Börsenpreis gekauft, wobei Ausführungsuhrzeit und Börsenplatz vom Broker vorgegeben sind. Steht der Kurs gerade hoch, erhält man entsprechend weniger Anteile für den gleichen Betrag. Steht er niedrig, bekommt man mehr Anteile. Diese automatische Anpassung ist kein Nachteil, sondern Teil der Strategie – dazu gleich mehr.
Die meisten Broker bieten heute eine große Auswahl an ETFs an, die sparplanfähig sind. Oft gibt es dabei Aktionen, bei denen bestimmte ETFs ohne Ausführungsgebühren bespart werden können. Das senkt die Kosten zusätzlich zu den ohnehin niedrigen laufenden Gebühren der ETFs. Bei der Auswahl des richtigen ETF gelten dieselben Kriterien wie beim Einmalkauf – worauf dabei zu achten ist, wird im Artikel zur ETF Auswahl ausführlich erläutert.
Der Cost-Average-Effekt: Risikominimierung durch Zeitstreuung
Ein zentrales Argument für Sparpläne ist der sogenannte Cost-Average-Effekt, auch Durchschnittskosteneffekt genannt. Durch die regelmäßigen Käufe zu unterschiedlichen Kursen ergibt sich über die Zeit ein durchschnittlicher Einstandspreis. In Marktphasen mit fallenden Kursen kauft man automatisch mehr Anteile, in Phasen mit steigenden Kursen entsprechend weniger.
Das klingt zunächst banal, hat aber einen psychologischen und praktischen Vorteil. Man muss sich nicht mit der Frage beschäftigen, ob gerade ein guter oder schlechter Zeitpunkt für eine Investition ist. Diese Frage lässt sich ohnehin kaum verlässlich beantworten – selbst professionelle Anleger scheitern regelmäßig daran, den optimalen Einstiegszeitpunkt zu erwischen. Der Sparplan nimmt diese Entscheidung ab und verteilt das Risiko über viele Kaufzeitpunkte.
Empirisch ist der Vorteil des Cost-Average-Effekts umstritten. In stark steigenden Märkten wäre eine Einmalanlage zu Beginn oft vorteilhafter gewesen, weil man von Anfang an vollständig investiert ist. In volatilen oder seitwärts tendierenden Märkten hingegen kann die schrittweise Investition Nachteile abfedern. Letztlich geht es weniger um die mathematisch optimale Lösung als vielmehr darum, überhaupt kontinuierlich zu investieren – und genau das erleichtern Sparpläne erheblich.
Flexibilität und Anpassungsmöglichkeiten
Ein weiterer Vorteil von ETF-Sparplänen liegt in ihrer Flexibilität. Anders als bei vielen klassischen Sparverträgen oder fondsgebundenen Versicherungen gibt es keine Mindestlaufzeiten oder Kündigungsfristen. Man kann die Sparrate jederzeit erhöhen, senken oder aussetzen. Auch ein kompletter Verkauf der angesammelten Anteile ist ohne Strafgebühren möglich – lediglich die üblichen Transaktionskosten fallen an.
Diese Flexibilität ist besonders wertvoll, wenn sich die finanzielle Situation ändert. Wer vorübergehend weniger Geld zur Verfügung hat, pausiert den Sparplan einfach. Erhält man eine Gehaltserhöhung oder einen Bonus, lässt sich die Sparrate problemlos anpassen. Diese Anpassungsfähigkeit macht Sparpläne auch für junge Anleger attraktiv, deren Einkommenssituation noch nicht stabil ist.
Langfristiger Vermögensaufbau: Die Kraft des Zinseszinses
Der eigentliche Hebel beim Sparen über ETFs entsteht durch den Zinseszinseffekt. Erträge – bei thesaurierenden ETFs automatisch reinvestiert – erwirtschaften ihrerseits wieder Rendite, was zu einem exponentiellen Wachstum des Vermögens führt. Je länger der Anlagehorizont, desto stärker wirkt dieser Effekt.
Ein Rechenbeispiel verdeutlicht das. Die folgende Tabelle zeigt, wie sich ein monatlicher Sparplan bei unterschiedlichen Laufzeiten und einer angenommenen durchschnittlichen Rendite von 7% pro Jahr entwickelt:
| Sparrate monatlich | Laufzeit | Eingezahltes Kapital | Endkapital bei 7% p.a. | Davon Wertzuwachs |
|---|---|---|---|---|
| 100 Euro | 10 Jahre | 12.000 Euro | 17.300 Euro | 5.300 Euro (44%) |
| 100 Euro | 20 Jahre | 24.000 Euro | 52.000 Euro | 28.000 Euro (117%) |
| 100 Euro | 30 Jahre | 36.000 Euro | 122.000 Euro | 86.000 Euro (239%) |
| 250 Euro | 10 Jahre | 30.000 Euro | 43.200 Euro | 13.200 Euro (44%) |
| 250 Euro | 20 Jahre | 60.000 Euro | 130.000 Euro | 70.000 Euro (117%) |
| 250 Euro | 30 Jahre | 90.000 Euro | 305.000 Euro | 215.000 Euro (239%) |
| 500 Euro | 10 Jahre | 60.000 Euro | 86.500 Euro | 26.500 Euro (44%) |
| 500 Euro | 20 Jahre | 120.000 Euro | 260.000 Euro | 140.000 Euro (117%) |
| 500 Euro | 30 Jahre | 180.000 Euro | 611.000 Euro | 431.000 Euro (239%) |
Diese Zahlen sind Beispielrechnungen und keine Garantie – Märkte schwanken, und eine kontinuierliche Rendite von 7% ist eine Annahme, keine Gewissheit. Dennoch zeigen die Werte eindrücklich, wie stark der Zinseszinseffekt über längere Zeiträume wirkt. Bei 30 Jahren Laufzeit stammt der Großteil des Endkapitals nicht mehr aus den eigenen Einzahlungen, sondern aus den Erträgen und deren Wiederanlage.
Psychologische Vorteile: Automatisierung und Disziplin
Neben den finanzmathematischen Aspekten bieten Sparpläne einen nicht zu unterschätzenden psychologischen Nutzen. Durch die Automatisierung wird das Sparen zur Routine. Man muss keine aktive Entscheidung mehr treffen, ob man diesen Monat investiert oder nicht – es passiert einfach. Das verhindert, dass man in schlechten Marktphasen aus Angst aussetzt oder in guten Phasen zu euphorisch nachkauft.
Gerade in Krisenzeiten zeigt sich dieser Vorteil. Wenn die Börsen fallen und negative Schlagzeilen dominieren, neigen viele Anleger dazu, ihre Investitionen zu pausieren oder sogar zu verkaufen. Ein laufender Sparplan dagegen kauft gerade dann besonders günstig ein – genau das Verhalten, das langfristig sinnvoll ist, emotional aber schwerfällt.
Für wen eignen sich ETF-Sparpläne?
Sparpläne sind besonders geeignet für Anleger, die kontinuierlich kleinere Beträge investieren möchten oder können. Das können Berufseinsteiger sein, die gerade erst mit dem Vermögensaufbau beginnen, ebenso wie erfahrene Anleger, die ihr Portfolio schrittweise erweitern. Auch für die Altersvorsorge sind Sparpläne eine sinnvolle Option – wer über Jahrzehnte regelmäßig investiert, baut sich ein solides Polster auf.
Weniger geeignet sind Sparpläne für Anleger mit kurzfristigem Anlagehorizont. Wer das Geld innerhalb der nächsten zwei oder drei Jahre benötigt, sollte nicht in Aktien-ETFs investieren – das Verlustrisiko durch Marktschwankungen ist zu hoch. Auch wer sehr hohe Beträge auf einmal anlegen möchte, profitiert nicht zwingend von der schrittweisen Investition über einen Sparplan. In solchen Fällen kann eine direkte Einmalanlage sinnvoller sein, eventuell kombiniert mit einer zeitlichen Streckung über wenige Monate.
Kombination mit Einmalanlagen
Sparpläne und Einmalanlagen schließen sich nicht gegenseitig aus. Viele Anleger nutzen eine Kombination aus beidem. Der Sparplan läuft kontinuierlich, und wenn zusätzliches Kapital verfügbar wird – etwa durch Boni, Erbschaften oder Verkaufserlöse – wird dieses als Einmalanlage investiert. Auf diese Weise profitiert man von der Disziplin des Sparplans und nutzt gleichzeitig Chancen, wenn größere Summen zur Verfügung stehen.
Auch die Frage, wie man verschiedene ETFs im Portfolio gewichtet, lässt sich über Sparpläne steuern. Man kann etwa einen Hauptsparplan auf einen globalen Aktienindex laufen lassen und zusätzlich kleinere Sparpläne auf Schwellenländer, Small Caps oder andere Anlageklassen einrichten. Wie man ein sinnvoll strukturiertes Portfolio aufbaut, wird im Artikel zu ETF Portfolios vertieft.
Kosten im Blick behalten
Auch wenn viele Broker mittlerweile kostenlose Sparplanausführungen anbieten, sollte man die Gesamtkostenstruktur im Auge behalten. Bei Sparplänen mit Ausführungsgebühren – etwa 1,5% pro Ausführung – summieren sich diese Kosten über die Jahre. Ein Sparplan über 100 Euro mit 1,50 Euro Gebühr pro Ausführung kostet über 20 Jahre immerhin 360 Euro nur an Transaktionskosten, zusätzlich zu den laufenden Kosten des ETF.
Wer mehrere Sparpläne parallel laufen lässt, sollte auch darauf achten, ob die Komplexität noch überschaubar bleibt. Fünf oder zehn verschiedene Sparpläne können sinnvoll sein, wenn man gezielt verschiedene Märkte abdecken möchte. Zu viele Positionen führen jedoch leicht zu Unübersichtlichkeit und erhöhen den Verwaltungsaufwand.
Kontinuität als Erfolgsfaktor
Der größte Fehler, den man bei einem Sparplan machen kann, ist ihn zu früh abzubrechen. Wer nach wenigen Monaten oder einem Jahr aufhört, vergibt das Potenzial des langfristigen Vermögensaufbaus. Gerade die späteren Jahre eines Sparplans, wenn der Zinseszinseffekt voll greift, bringen den größten Ertrag.
Natürlich gibt es Situationen, in denen eine Pause oder Anpassung notwendig wird – Arbeitslosigkeit, größere Anschaffungen oder andere finanzielle Engpässe. In solchen Fällen ist es besser, den Sparplan vorübergehend zu reduzieren oder auszusetzen, als ihn komplett aufzugeben. Sobald die Situation es zulässt, kann man wieder einsteigen. Die Flexibilität von ETF-Sparplänen macht genau das möglich.
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Nach dieser Betrachtung von ETF-Sparplänen empfehlen sich folgende vertiefende Artikel:
ETF Portfolios – Wie man verschiedene ETFs sinnvoll kombiniert und ein ausgewogenes Portfolio konstruiert
ETF Auswahl – Systematische Kriterien für die Auswahl geeigneter ETFs für Ihren Sparplan