ETF Portfolios
- ETF Portfolios: Aufbau einer ausgewogenen Anlagestrategie
- Asset Allocation als strategische Grundentscheidung
- Kernbaustein: Der globale Aktienmarkt
- Satelliten: Gezielte Beimischungen für spezifische Ziele
- Anleihen als Stabilitätsanker
- Beispielhafte Portfoliostrukturen
- Rebalancing: Das Portfolio im Gleichgewicht halten
- Diversifikation über Regionen und Sektoren
- Weniger ist oft mehr: Komplexität vermeiden
- Die Rolle von Cashbeständen
- Anpassung im Zeitverlauf: Lebenszyklen berücksichtigen
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ETF Portfolios: Aufbau einer ausgewogenen Anlagestrategie
Ein einzelner ETF kann bereits eine breite Streuung bieten. Doch wer ein wirklich robustes Portfolio aufbauen möchte, kommt um die Frage nicht herum, wie verschiedene Bausteine sinnvoll kombiniert werden. Die Kunst liegt darin, Chancen zu nutzen und gleichzeitig Risiken zu begrenzen – und zwar so, dass das Gesamtkonstrukt zur eigenen Situation passt. Ein junger Berufseinsteiger mit 30 Jahren Anlagehorizont wird anders investieren als jemand, der kurz vor dem Ruhestand steht.
Der Aufbau eines ETF-Portfolios folgt keinem starren Schema. Es gibt keine Universallösung, die für alle Anleger gleichermaßen funktioniert. Dennoch lassen sich Prinzipien und Leitlinien formulieren, die dabei helfen, strukturiert vorzugehen und typische Fehler zu vermeiden.
Asset Allocation als strategische Grundentscheidung
Die wichtigste Weichenstellung bei der Portfoliokonstruktion ist die Verteilung auf verschiedene Anlageklassen – die sogenannte Asset Allocation. Aktien, Anleihen, Immobilien, Rohstoffe oder auch Liquidität haben unterschiedliche Risiko- und Renditeeigenschaften. Während Aktien langfristig die höchsten Renditen versprechen, unterliegen sie auch den stärksten Schwankungen. Anleihen bieten mehr Stabilität, werfen aber typischerweise geringere Erträge ab.
Die klassische Faustregel lautet: Je länger der Anlagehorizont und je höher die Risikobereitschaft, desto größer kann der Aktienanteil sein. Ein Anleger mit 25 Jahren Zeithorizont kann Kursrückschläge aussitzen und von der langfristig positiven Entwicklung der Aktienmärkte profitieren. Wer hingegen in fünf Jahren das Geld für eine Immobilie benötigt, sollte vorsichtiger agieren und einen höheren Anteil defensiver Anlagen wählen.
Die Asset Allocation bestimmt zu einem großen Teil die Rendite und das Risiko des Portfolios. Studien zeigen, dass etwa 90% der Schwankungen eines diversifizierten Portfolios auf die Verteilung zwischen den Anlageklassen zurückgehen, nicht auf die Auswahl einzelner Wertpapiere. Das unterstreicht die Bedeutung dieser strategischen Entscheidung.
Kernbaustein: Der globale Aktienmarkt
Für die meisten ETF-Portfolios bildet ein breit gestreuter Aktien-ETF das Fundament. Ein ETF auf den MSCI World oder den FTSE All-World deckt den Großteil der globalen Börsenwerte ab und bietet damit eine solide Basis. Manche Anleger ergänzen diesen Kern durch einen ETF auf Schwellenländer – etwa den MSCI Emerging Markets – um auch die dynamischeren Volkswirtschaften abzubilden, die im MSCI World unterrepräsentiert sind.
Eine alternative Strategie besteht darin, regionale ETFs zu kombinieren. Man könnte etwa separate ETFs auf Europa, Nordamerika und Asien-Pazifik nutzen, um die Gewichtung gezielter zu steuern. Das erhöht die Flexibilität, macht das Portfolio aber auch komplexer. Für die meisten Anleger genügt ein global diversifizierter Kern-ETF vollkommen. Welche Kriterien bei der Auswahl des richtigen ETF eine Rolle spielen, wird im Artikel zur ETF Auswahl ausführlich behandelt.
Satelliten: Gezielte Beimischungen für spezifische Ziele
Neben dem Kernbaustein können sogenannte Satelliten-ETFs das Portfolio ergänzen. Diese decken spezifischere Bereiche ab – etwa bestimmte Branchen, Themen oder Anlageklassen. Typische Satelliten sind ETFs auf Small Caps, Dividendenaktien, Schwellenländer oder auch defensive Sektoren wie Gesundheit oder Basiskonsumgüter.
Auch Rohstoffe können eine sinnvolle Beimischung sein. Gold etwa wird häufig als Stabilitätsanker in unsicheren Zeiten genutzt. Die Besonderheiten von Gold-Investments und die Unterschiede zwischen physisch hinterlegten und synthetischen Produkten werden im Artikel zu Gold ETFs vertieft.
Bei der Gewichtung von Satelliten gilt: weniger ist oft mehr. Wer zu viele Nischen-ETFs beimischt, läuft Gefahr, die Übersichtlichkeit zu verlieren und das Portfolio unnötig kompliziert zu machen. Ein oder zwei gezielte Ergänzungen reichen in der Regel aus.
Anleihen als Stabilitätsanker
Anleihen-ETFs haben eine andere Funktion als Aktien-ETFs. Sie sollen nicht primär hohe Renditen liefern, sondern für Stabilität sorgen und Schwankungen dämpfen. In Phasen, in denen Aktienmärkte korrigieren, entwickeln sich Anleihen oft gegenläufig oder zumindest weniger volatil.
Es gibt verschiedene Arten von Anleihen-ETFs. Staatsanleihen aus sicheren Ländern – etwa deutsche Bundesanleihen oder US-Treasuries – gelten als besonders risikoarm. Unternehmensanleihen bieten höhere Renditen, bergen aber auch ein höheres Ausfallrisiko. Die Laufzeit spielt ebenfalls eine Rolle: Kurzlaufende Anleihen schwanken weniger, bringen aber auch niedrigere Zinsen. Langlaufende Anleihen reagieren stärker auf Zinsänderungen.
Für ein ausgewogenes Portfolio kann eine Mischung sinnvoll sein – etwa ein ETF auf kurzlaufende Staatsanleihen kombiniert mit einem ETF auf bonitätsstarke Unternehmensanleihen. Die konkrete Gewichtung hängt davon ab, wie stark man das Portfolio stabilisieren möchte.
Beispielhafte Portfoliostrukturen
Um die theoretischen Überlegungen greifbarer zu machen, lohnt sich ein Blick auf konkrete Portfoliobeispiele. Die folgende Tabelle zeigt drei unterschiedliche Strategien – konservativ, ausgewogen und offensiv – mit jeweiligen Gewichtungen:
| Anlageklasse / ETF-Kategorie | Konservativ | Ausgewogen | Offensiv |
|---|---|---|---|
| Globale Aktien (MSCI World / FTSE All-World) | 30% | 60% | 80% |
| Schwellenländer-Aktien (MSCI Emerging Markets) | 5% | 10% | 15% |
| Staatsanleihen (EUR oder USD, kurz- bis mittellaufend) | 40% | 20% | 0% |
| Unternehmensanleihen (Investment Grade) | 20% | 5% | 0% |
| Gold / Rohstoffe | 5% | 5% | 5% |
| Gesamt | 100% | 100% | 100% |
| Aktienquote gesamt | 35% | 70% | 95% |
| Rentenquote gesamt | 60% | 25% | 0% |
| Typischer Anleger | Kurz vor Ruhestand, geringe Risikotoleranz | Mittleres Alter, 10-15 Jahre Horizont | Jung, langer Horizont, hohe Risikotoleranz |
Diese Beispiele sind Richtwerte, keine festen Vorgaben. Das konservative Portfolio mit 35% Aktien und 60% Anleihen eignet sich für Anleger, die Schwankungen scheuen oder in absehbarer Zeit auf das Kapital zugreifen möchten. Die Renditeerwartung ist entsprechend moderater, dafür ist die Stabilität höher.
Das ausgewogene Portfolio mit 70% Aktien repräsentiert einen klassischen Mittelweg. Es partizipiert stark an steigenden Aktienmärkten, hat aber durch den Anleihenanteil einen gewissen Puffer bei Rückschlägen. Solche Mischungen eignen sich für Anleger mit mittelfristigem Horizont – etwa zehn bis fünfzehn Jahre.
Das offensive Portfolio verzichtet komplett auf Anleihen und setzt fast ausschließlich auf Aktien. Die 5% Gold dienen als kleine Absicherung, ändern aber am grundsätzlich risikoreichen Charakter wenig. Solche Portfolios machen nur Sinn für Anleger, die Schwankungen von 30% oder mehr aushalten können und einen Anlagehorizont von mindestens 15 Jahren haben.
Rebalancing: Das Portfolio im Gleichgewicht halten
Märkte entwickeln sich unterschiedlich. Wenn Aktien stark steigen, verschiebt sich die ursprünglich festgelegte Gewichtung. Ein Portfolio, das ursprünglich mit 60% Aktien und 40% Anleihen gestartet ist, könnte nach einigen guten Börsenjahren plötzlich bei 70% Aktien und 30% Anleihen stehen. Das erhöht das Risiko über das gewünschte Maß hinaus.
Hier kommt das Rebalancing ins Spiel. Dabei verkauft man einen Teil der übergewichteten Positionen und investiert den Erlös in die untergewichteten Bereiche, um die ursprüngliche Aufteilung wiederherzustellen. Das klingt simpel, erfordert aber Disziplin. Psychologisch fällt es schwer, Gewinner zu verkaufen und in die schlechter gelaufenen Bereiche nachzukaufen – genau das ist aber oft die richtige Strategie.
Wie oft man rebalanced, hängt von der Volatilität und den Transaktionskosten ab. Einmal jährlich ist für die meisten Portfolios ausreichend. Manche Anleger nutzen auch feste Schwellenwerte – etwa wenn eine Anlageklasse um mehr als 5 Prozentpunkte von der Zielgewichtung abweicht. Wer über ETF Sparpläne regelmäßig investiert, kann das Rebalancing teilweise durch gezielte Zuteilung der neuen Sparraten erreichen, ohne verkaufen zu müssen.
Diversifikation über Regionen und Sektoren
Neben der Verteilung auf Anlageklassen spielt auch die Streuung innerhalb der Aktienquote eine Rolle. Ein Portfolio, das ausschließlich auf den DAX setzt, ist geografisch und sektoral konzentriert. Fällt die deutsche Wirtschaft in eine Rezession oder gerät ein bestimmter Sektor unter Druck, leidet das gesamte Portfolio.
Eine breite geografische Streuung reduziert dieses Risiko. Ein global investierender ETF deckt verschiedene Wirtschaftsräume ab und profitiert davon, dass nicht alle Regionen gleichzeitig schwächeln. Auch die Sektorgewichtung sollte im Blick bleiben. Wer etwa sehr stark in Technologie investiert ist – sei es durch einen speziellen Tech-ETF oder durch einen hohen Anteil an US-Aktien – sollte sich dieses Klumpenrisikos bewusst sein. Mehr zu den verschiedenen Risikoarten und wie man sie managt, findet sich im Artikel zu ETF Risiken.
Weniger ist oft mehr: Komplexität vermeiden
Die Versuchung ist groß, immer weitere ETFs ins Portfolio aufzunehmen. Ein ETF für Dividendenaristokraten hier, einer für Small Caps dort, vielleicht noch ein Themen-ETF auf Wasserstoff oder künstliche Intelligenz. Doch zu viele Positionen führen leicht zu Überlappungen, Unübersichtlichkeit und höheren Transaktionskosten.
Ein gut konstruiertes Portfolio kann mit drei bis fünf ETFs auskommen – etwa ein globaler Aktien-ETF als Kern, ein Schwellenländer-ETF als Beimischung, ein Anleihen-ETF zur Stabilisierung und vielleicht ein kleiner Rohstoffanteil. Das ist überschaubar, leicht zu verwalten und dennoch breit diversifiziert. Wer zehn oder mehr ETFs im Depot hat, sollte kritisch prüfen, ob diese Komplexität wirklich einen Mehrwert bringt.
Die Rolle von Cashbeständen
Nicht jeder Euro muss investiert sein. Ein gewisser Anteil an Liquidität – etwa auf einem Tagesgeldkonto – verschafft Flexibilität. Man kann bei Markteinbrüchen nachkaufen, hat Reserven für unerwartete Ausgaben und muss nicht in ungünstigen Momenten ETF-Anteile verkaufen.
Wie hoch dieser Liquiditätspuffer sein sollte, hängt von der individuellen Situation ab. Als Faustregel gelten drei bis sechs Monatsgehälter als Notreserve. Darüber hinaus kann man entscheiden, ob man zusätzlich Kapital für opportunistische Käufe vorhalten möchte oder lieber voll investiert bleibt.
Anpassung im Zeitverlauf: Lebenszyklen berücksichtigen
Ein Portfolio ist kein statisches Gebilde. Was mit 30 Jahren sinnvoll war, passt mit 55 Jahren vielleicht nicht mehr. Je näher man dem Zeitpunkt kommt, an dem das Kapital benötigt wird, desto stärker sollte man die Risiken reduzieren. Das kann bedeuten, den Aktienanteil schrittweise zu senken und mehr in Anleihen oder andere defensive Anlagen umzuschichten.
Diese Anpassung sollte nicht abrupt erfolgen, sondern allmählich über mehrere Jahre. Wer von 80% Aktien auf 40% reduzieren möchte, kann das etwa über fünf Jahre hinweg tun – jedes Jahr 8 Prozentpunkte weniger Aktien. So vermeidet man, zu einem möglicherweise ungünstigen Zeitpunkt große Positionen verkaufen zu müssen.
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