Smart-Beta-Strategie
- Smart-Beta-Strategie: Regelbasiert zwischen passiv und aktiv investieren
- Funktionsweise und Grundprinzip der Strategie
- Konkrete Umsetzung: Typische Smart-Beta-Ansätze
- Performance-Kennzahlen: Erwartete Renditen zwischen 7% und 10% jährlich mit variierendem Risikoprofil
- Risikoprofil: Volatilität je nach Ansatz zwischen 12% und 18% mit Drawdowns bis 40%
- Vorteile der Strategie
- Nachteile und Risiken
- Anlegerprofil: Für wen ist Smart Beta geeignet?
Smart-Beta-Strategie: Regelbasiert zwischen passiv und aktiv investieren
Smart Beta bezeichnet Anlagestrategien, die von der klassischen Marktkapitalisierungsgewichtung abweichen, dabei aber trotzdem regelbasiert und transparent bleiben. Der Begriff positioniert sich bewusst zwischen passivem Indexing und aktivem Management – man folgt klaren Regeln wie ein Indexfonds, gewichtet die Titel aber anders als nach ihrer Marktgröße. Das Versprechen: bessere Renditen oder günstigere Risikoprofile als bei traditionellen Indizes.
Für Anleger, die mit der Standard-Indexgewichtung unzufrieden sind, aber dennoch keine aktiven Fondsmanager bezahlen möchten, bietet Smart Beta einen interessanten Mittelweg. Die Strategie richtet sich an jene, die überzeugt sind, dass Marktkapitalisierung nicht das optimale Gewichtungskriterium ist und die bereit sind, für alternative Ansätze eine moderate zusätzliche Gebühr zu zahlen. Die Risikobereitschaft sollte moderat bis höher sein, da auch Smart-Beta-Portfolios deutlich schwanken können.
Funktionsweise und Grundprinzip der Strategie
Das zentrale Merkmal von Smart Beta ist die alternative Gewichtung. Während ein traditioneller Index wie der MSCI World die größten Unternehmen am stärksten gewichtet – Apple, Microsoft oder Amazon machen einen großen Teil des Index aus –, verfolgen Smart-Beta-Strategien andere Ansätze. Das können fundamentale Kriterien wie Umsatz, Gewinn oder Dividenden sein, technische Faktoren wie Volatilität oder Momentum, oder einfach eine gleichmäßige Verteilung aller enthaltenen Titel.
Die Kritik an marktkapitalisierungsgewichteten Indizes lautet: Man kauft automatisch mehr von dem, was teuer geworden ist, und weniger von dem, was günstig ist. Überbewertete Aktien werden übergewichtet, unterbewertete untergewichtet. Smart Beta versucht, diesen systematischen Fehler zu korrigieren, indem Titel nach anderen, potenziell sinnvolleren Kriterien gewichtet werden.
Es gibt verschiedene Smart-Beta-Ansätze. Gleichgewichtete Indizes verteilen das Kapital zu gleichen Teilen auf alle enthaltenen Aktien, unabhängig von deren Größe. Fundamental gewichtete Strategien orientieren sich an Bilanzkennzahlen wie Umsatz oder Buchwert. Minimum-Volatility-Ansätze optimieren das Portfolio auf geringstmögliche Schwankungen. Multi-Faktor-Strategien kombinieren verschiedene Kriterien wie Value, Quality und Momentum.
Die Umsetzung erfolgt typischerweise über spezialisierte ETFs. Diese bilden Smart-Beta-Indizes nach, die nach festgelegten Regeln konstruiert und regelmäßig rebalanciert werden. Der Vorteil gegenüber aktivem Management: Die Regeln sind transparent, die Kosten deutlich niedriger, und es gibt keine undurchsichtigen Managemententscheidungen.
Konkrete Umsetzung: Typische Smart-Beta-Ansätze
| Ansatz | Gewichtungskriterium | Zielsetzung |
|---|---|---|
| Gleichgewichtet | Alle Titel gleich gewichtet | Kleine Titel stärker berücksichtigen |
| Fundamental | Umsatz, Gewinn, Buchwert | Nach Unternehmensgröße statt Börsenwert |
| Minimum Volatility | Geringste Schwankungen | Risikoreduktion bei Aktienanlage |
| Dividenden-orientiert | Dividendenrendite, -wachstum | Laufende Erträge maximieren |
Diese verschiedenen Ansätze können auch kombiniert werden. Manche Smart-Beta-ETFs nutzen mehrere Kriterien gleichzeitig, etwa eine Mischung aus Value-Bewertung und Quality-Kennzahlen. Die Vielfalt ist mittlerweile groß, was Chancen bietet, aber auch die Auswahl komplizierter macht.
Performance-Kennzahlen: Erwartete Renditen zwischen 7% und 10% jährlich mit variierendem Risikoprofil
Die Performance von Smart-Beta-Strategien hängt stark vom gewählten Ansatz ab. Gleichgewichtete Portfolios zeigten historisch oft eine leichte Überrendite gegenüber marktkapitalisierten Indizes, typischerweise im Bereich von 0,5% bis 1,5% pro Jahr. Fundamental gewichtete Ansätze konnten in manchen Zeiträumen ähnliche Ergebnisse erzielen. Über zwanzig Jahre könnte dies Gesamtrenditen zwischen 287% und 573% bedeuten.
Allerdings ist diese Outperformance keineswegs konstant oder garantiert. Es gibt lange Phasen, in denen Smart-Beta-Strategien deutlich hinter traditionellen Indizes zurückbleiben. Gleichgewichtete Portfolios etwa hatten in den 2010er Jahren Schwierigkeiten, da die größten Tech-Giganten den Markt dominierten – und genau diese waren in gleichgewichteten Ansätzen unterrepräsentiert. Wer 2010 auf Smart Beta setzte, musste zehn Jahre Underperformance ertragen.
Minimum-Volatility-Ansätze zielen weniger auf Überrendite als auf besseres Chance-Risiko-Verhältnis. Sie liefern oft ähnliche Renditen wie der Markt, aber mit deutlich geringeren Schwankungen. In Bullenmärkten bleiben sie typischerweise zurück, in Crashphasen zeigen sie ihre Stärke durch geringere Verluste. Die langfristige Rendite bewegt sich meist im Bereich von 6% bis 9% jährlich.
Risikoprofil: Volatilität je nach Ansatz zwischen 12% und 18% mit Drawdowns bis 40%
Das Risikoprofil von Smart-Beta-Strategien variiert erheblich je nach gewähltem Ansatz. Minimum-Volatility-Portfolios weisen naturgemäß geringere Schwankungen auf – typischerweise im Bereich von 12% bis 14% jährlich, deutlich unter dem breiten Markt. Gleichgewichtete oder Small-Cap-lastige Smart-Beta-Ansätze können hingegen volatiler sein als traditionelle Indizes, mit Schwankungen von 17% bis 20%.
In schweren Krisen hängen die Verluste vom spezifischen Ansatz ab. Defensive Smart-Beta-Strategien mit Fokus auf Quality oder Low Volatility können mit Rückgängen von 20% bis 30% rechnen, deutlich moderater als der Gesamtmarkt. Aggressive Ansätze mit Small-Cap-Übergewichtung oder Momentum-Fokus können hingegen 40% bis 45% verlieren, ähnlich wie oder sogar stärker als traditionelle Indizes.
Ein spezifisches Risiko liegt in der Faktor-Crowding. Wenn zu viele Investoren denselben Smart-Beta-Ansatz verfolgen, können sich die Vorteile auflösen. Auch die Abhängigkeit von bestimmten Marktphasen ist zu beachten – was in einem Jahrzehnt funktioniert, kann im nächsten komplett versagen. Smart Beta ist keine Garantie für bessere Ergebnisse, sondern eine Wette auf bestimmte Gewichtungsprinzipien.
Vorteile der Strategie
Der zentrale Vorteil liegt in der Möglichkeit, systematische Schwächen marktkapitalisierter Indizes zu umgehen. Man muss nicht mehr das Teuerste am stärksten gewichten, sondern kann nach sinnvolleren Kriterien investieren. Das kann langfristig zu besseren Renditen oder günstigeren Risikoprofilen führen. Gleichzeitig bleibt die Strategie transparent und regelbasiert – es gibt keine Black Box wie bei aktivem Management.
Die Kosten sind zwar höher als bei Standard-ETFs, aber deutlich niedriger als bei aktiv gemanagten Fonds. Während aktive Fonds oft 1,5% bis 2% kosten, liegen Smart-Beta-ETFs meist zwischen 0,25% und 0,5%. Das ist ein akzeptabler Aufschlag für potenzielle Mehrrendite oder Risikoreduktion. Auch die Vielfalt der verfügbaren Ansätze bietet Flexibilität – je nach Überzeugung und Zielsetzung lässt sich der passende Smart-Beta-Ansatz finden.
Psychologisch kann Smart Beta ebenfalls vorteilhaft sein. Wer sich mit der extremen Konzentration moderner Indizes auf wenige Tech-Giganten unwohl fühlt, findet hier Alternativen. Auch die Möglichkeit, bewusst auf bestimmte Faktoren wie Dividenden oder Quality zu setzen, gibt manchen Anlegern ein besseres Gefühl als blindes Indexing.
Nachteile und Risiken
Der offensichtlichste Nachteil liegt in der nicht garantierten Outperformance. Viele Smart-Beta-Strategien haben über bestimmte Zeiträume hinweg schlechter abgeschnitten als simple marktkapitalisierte Indizes. Die 2010er Jahre waren ein Jahrzehnt, in dem die meisten Smart-Beta-Ansätze enttäuschten, weil genau die größten Unternehmen am besten liefen. Wer auf Smart Beta setzte, verpasste einen großen Teil dieser Gewinne.
Die höheren Kosten sind ein weiteres Problem. Selbst wenn Smart Beta nur 0,3% mehr kostet als ein Standard-ETF, summiert sich dieser Unterschied über Jahrzehnte zu erheblichen Beträgen. Diese Mehrkosten müssen erst einmal durch Mehrrendite verdient werden – gelingt das nicht, hat man sich schlechter gestellt als mit einem günstigen MSCI-World-ETF.
Auch die Komplexität nimmt zu. Während ein marktkapitalisierter Index selbsterklärend ist, erfordern Smart-Beta-Strategien ein gewisses Verständnis der zugrundeliegenden Prinzipien. Wer nicht versteht, warum sein Portfolio anders gewichtet ist, wird bei der ersten Underperformance unsicher und möglicherweise zur falschen Zeit aussteigen. Die Vielfalt der Ansätze macht die Auswahl zudem schwierig – was ist der richtige Smart-Beta-Ansatz für die eigene Situation?
Nicht zuletzt besteht das Risiko, dass manche Smart-Beta-Strategien einfach Back-Testing-Artefakte sind. Sie sehen in historischen Daten gut aus, funktionieren aber prospektiv nicht. Je mehr Smart-Beta-Varianten entwickelt werden, desto größer wird die Gefahr, auf einen Ansatz zu setzen, der keine echte ökonomische Logik hat, sondern nur zufällig in der Vergangenheit gut aussah.
Anlegerprofil: Für wen ist Smart Beta geeignet?
Smart Beta eignet sich für Anleger, die mit der Standard-Indexgewichtung unzufrieden sind und bereit sind, alternative Ansätze zu verfolgen. Die Strategie passt zu jenen, die sich intensiver mit Portfoliokonstruktion beschäftigen möchten und ein Grundverständnis für Gewichtungsmethoden und Faktoren mitbringen. Ein langfristiger Anlagehorizont von mindestens zehn Jahren ist wichtig, um Phasen der Underperformance durchzustehen.
Besonders geeignet ist Smart Beta für Anleger, die gezielt bestimmte Eigenschaften in ihrem Portfolio betonen möchten – etwa Dividendenorientierung, geringere Volatilität oder stärkere Berücksichtigung kleinerer Unternehmen. Auch für jene, die die extreme Konzentration moderner Indizes auf wenige Tech-Giganten als Risiko empfinden, kann Smart Beta eine sinnvolle Alternative sein. Die Strategie bietet einen Mittelweg für Anleger, die mehr wollen als passives Indexing, aber nicht auf teures aktives Management setzen möchten.
Weniger geeignet ist Smart Beta für Einsteiger, die die Konzepte nicht verstehen oder die maximale Einfachheit suchen. Wer nicht nachvollziehen kann, warum sein Portfolio anders gewichtet ist als der Markt, wird bei der ersten Underperformance verunsichert sein. Auch für sehr kostenbewusste Anleger, denen jeder Basispunkt Gebühr wichtig ist, ist ein günstiger Standard-ETF womöglich die bessere Wahl. Wer kurzfristig denkt oder schnelle Ergebnisse erwartet, sollte ebenfalls Abstand nehmen – Smart Beta erfordert Geduld und die Bereitschaft, auch mehrjährige Durststrecken zu durchleben. Ein Mindestkapital ist nicht erforderlich, Smart-Beta-ETFs lassen sich bereits mit kleinen Beträgen kaufen oder besparen.