AI Energy Aktien: warum Peter Thiel jetzt in KI-Strom investiert – 8 Energie-, Versorger- und Nuklearwerte machen 72% des Depots aus
Im Sommer 2025 bestand das gemeldete US-Aktiendepot von Peter Thiels Investmentgesellschaft im Wesentlichen aus drei Namen: Tesla, NVIDIA und – schon damals – dem Stromerzeuger Vistra. Ein Quartal später waren es Tesla, Microsoft und Apple, zusammen noch rund 74 Millionen Dollar. Zum 31. Dezember 2025 und noch einmal zum 31. März 2026 meldete Thiel Macro LLC dann überhaupt keine meldepflichtigen Positionen mehr. Zwei Quartale in Folge eine leere Liste.
Mitte August kam die Pflichtmeldung für das zweite Quartal 2026. Und darin steht ein Depot über 418,7 Millionen Dollar, verteilt auf acht Positionen – alle acht neu aufgebaut.
Bemerkenswert ist dabei weniger die Summe als die Richtung. Rund 72% des Geldes stecken in Energie-, Versorger- und Nuklearwerten. Die größte Einzelposition ist Amazon, ein Konzern, der inzwischen selbst zu fast einem Viertel an einem Reaktorentwickler beteiligt ist.
Wer die acht Namen nebeneinanderlegt, liest darin keine Sammlung guter Ideen, sondern eine einzige These, für die sich in den USA längst ein eigener Begriff eingebürgert hat: AI Energy.
Der Engpass der Künstlichen Intelligenz ist nicht der Chip.
Es ist die Kilowattstunde.
Wer ist Peter Thiel – und warum schaut die Branche auf seine Meldungen?
2004 wurde Thiel der erste externe Investor bei Facebook, mit einem halben Million Dollar für gut zehn Prozent der Anteile. Ein Jahr zuvor hatte er Palantir mitgegründet, den Datenanalyse-Konzern, der heute zu den höchstbewerteten Software-Unternehmen der Welt zählt. 2005 folgte Founders Fund, einer der prägenden Wagniskapitalgeber der vergangenen zwei Jahrzehnte.
Wirklich bekannt über die Tech-Szene hinaus wurde Thiel aber durch ein Buch: Zero to One, 2014 gemeinsam mit Blake Masters aus seinen Stanford-Vorlesungen entstanden. Der Kern ist eigentlich schnell erzählt – und trotzdem hat er die Denkweise einer ganzen Gründergeneration geprägt. Echter Fortschritt, so Thiel, entsteht nicht dadurch, dass man etwas Bestehendes kopiert und ein bisschen verbessert (von 1 auf n), sondern dadurch, dass man etwas schafft, das es vorher nicht gab (von 0 auf 1). Wettbewerb sei überschätzt, ja sogar schädlich; wer dauerhaft Wert schaffen will, muss einen Markt aufbauen, in dem er allein steht. Dazu die berühmte Gegenfrage, die er Bewerbern stellt: Welche wichtige Wahrheit teilen nur ganz wenige Menschen mit Ihnen?
Genau diese Denkfigur ist der Grund, warum ein Blick auf sein Depot lohnt. Thiel sucht nicht den besten Wert in einer Kategorie. Er sucht die Kategorie, die noch niemand richtig bepreist hat.
Buchtipp: Zero to One – Wie Innovation unsere Gesellschaft rettet von Peter Thiel und Blake Masters (Campus Verlag, 200 Seiten).
Was ein 13F-Filing zeigt – und was nicht
Bevor wir in die Zahlen gehen, ein Hinweis, der für die Einordnung entscheidend ist. Große US-Vermögensverwalter müssen ihre Positionen quartalsweise offenlegen, aber sie haben dafür 45 Tage Zeit. Der Stichtag dieses Portfolios ist der 30. Juni 2026, veröffentlicht wurde es erst Mitte August. Gut sieben Wochen Verzögerung – Thiel kann seitdem verkauft, aufgestockt oder komplett umgeschichtet haben. Wir sehen ein Foto, keinen Livestream.
Dazu kommt: Die Meldepflicht erfasst nur börsennotierte US-Aktienpositionen auf der Long-Seite. Kein Bargeld, keine Anleihen, keine Absicherungen, keine Leerverkäufe, keine Beteiligungen an nicht-börsennotierten Unternehmen. Bei einem Investor, dessen Vermögen zu großen Teilen in Palantir-Aktien und in den Fonds von Founders Fund steckt, ist das gemeldete Depot also nur ein Ausschnitt. Ein aufschlussreicher – aber eben ein Ausschnitt.
Der Blick in die Meldehistorie zeigt, wie scharf der Bruch ist. Zum 30. Juni 2025 standen Tesla, NVIDIA und Vistra im Depot, zusammen 212 Millionen Dollar. Ein Quartal später waren es Tesla, Microsoft und Apple mit 74 Millionen. Dann zwei Nullmeldungen. Und im zweiten Quartal 2026 acht neue Werte mit 418,7 Millionen. Wer im Sommer 2025 auf die offensichtlichen KI-Gewinner setzte, sitzt im Sommer 2026 in Stromnetzen, Gaskraftwerken und einem Reaktorbauer, der noch keine einzige Anlage genehmigt bekommen hat.
Ein Wort noch zu diesen Nullmeldungen, weil sie leicht überinterpretiert werden. „Keine meldepflichtigen Positionen“ heißt nicht zwangsläufig „alles verkauft und in bar gegangen“. Es heißt zunächst nur, dass zum Stichtag nichts vorlag, was unter die Meldepflicht fällt. Und für diesen Filer ist das nicht einmal ungewöhnlich: Zwischen Ende 2019 und Ende 2020 meldete Thiel Macro vier Quartale hintereinander nichts, davor bestand das Depot über Jahre überwiegend aus Optionen auf Indizes und Sektor-ETFs, nicht aus Einzelaktien. Wer hier eine Geschichte über perfektes Timing hineinliest, liest mehr, als in den Unterlagen steht.
Rund 72% des Depots hängen an einer einzigen Frage
Die Logik dahinter liegt auf der Hand. Jedes große Sprachmodell, jedes neue Rechenzentrum, jede Trainingsrunde braucht Strom – und zwar in Größenordnungen, für die die amerikanischen Netze schlicht nicht gebaut wurden. Nach Jahrzehnten praktisch stagnierender Nachfrage steigt der Verbrauch erstmals wieder spürbar. Wer die Kapazität besitzt, sitzt am längeren Hebel: bei Preisen, bei Vertragslaufzeiten, bei der Frage, wer überhaupt angeschlossen wird.
Das ist eine klassische Engpass-Wette – dieselbe Denkfigur, die Anleger derzeit auch bei Kupfer beschäftigt. Nicht auf den setzen, der die KI baut, sondern auf den, ohne den sie nicht läuft.
Und man kann noch einen Schritt weitergehen. Wer das Depot sortiert, kommt schnell auf die Aufteilung „sieben Energiewerte plus eine Tech-Aktie“. Nur wird man dieser Struktur damit nicht gerecht. Amazon ist inzwischen selbst Großaktionär eines Reaktorentwicklers, Auftraggeber eines Kernkraftprojekts und Partei in einem der größten Stromlieferverträge, die je in den USA geschlossen wurden. Aus dem Blickwinkel dieses Portfolios sind es eben nicht sieben Energiewerte und ein Ausreißer, sondern acht Positionen entlang derselben Kette: von der Kilowattstunde bis zum Server, der sie verbraucht. Wie das im Detail aussieht, dazu gleich mehr.
Amazon: 28,2% auf einen Konzern, der selbst zum Energieunternehmen wird
Mit 118 Millionen Dollar ist Amazon die mit Abstand größte Position – und auf den ersten Blick der einzige Wert, der aus der Reihe fällt. Ein Onlinehändler mit angeschlossener Cloud-Sparte zwischen lauter Kraftwerken und Netzbetreibern? Das wirkt wie ein Fremdkörper.
Ist es aber nicht. Wer sich anschaut, was Amazon in den vergangenen zwei Jahren im Energiebereich aufgebaut hat, sieht ziemlich schnell, warum die Position genau dort steht, wo sie steht.
Amazon ist der größte Nicht-Gründer-Aktionär von X-energy. Der Konzern hält über eine Tochtergesellschaft 65.836.948 Class-A-Aktien des Reaktorentwicklers – das entspricht 22,9% dieser Aktiengattung. Zum Kurs vom 21. August sind das rund 1,2 Milliarden Dollar. Angefangen hat das 2024 mit einer Finanzierungsrunde über 500 Millionen Dollar, die Amazons Climate Pledge Fund anführte; insgesamt summiert sich das Engagement auf einen Betrag im Bereich von 700 Millionen Dollar. In Peter Thiels Depot steht X-energy also zweimal: einmal direkt mit 3,7 Millionen Dollar, und einmal indirekt über die größte Position.
Gebaut wird auch. Amazon errichtet die Reaktoren zwar nicht selbst – dafür fehlt dem Konzern jede nukleartechnische Zulassung – aber er finanziert und beauftragt sie. Das erste Projekt heißt Cascade Advanced Energy Facility und entsteht bei Richland im US-Bundesstaat Washington, direkt neben dem bestehenden Kernkraftwerk Columbia. Bauherr und späterer Betreiber ist der öffentliche Versorger Energy Northwest, die Technik kommt von X-energy, das Geld im Wesentlichen von Amazon. Die erste Ausbaustufe umfasst vier Xe-100-Reaktoren mit zusammen 320 Megawatt, ausbaufähig auf zwölf Einheiten und 960 Megawatt. Amazon hat sich die Abnahmerechte für den ersten Block gesichert. Insgesamt peilt der Konzern eine Pipeline von fünf Gigawatt Kernkraft an.
Und dann ist da noch Pennsylvania. Bereits 2024 kaufte Amazon für 650 Millionen Dollar einen Rechenzentrumscampus direkt neben dem Kernkraftwerk Susquehanna von Talen Energy. Nachdem die US-Regulierungsbehörde FERC die geplante Direktverbindung ans Kraftwerk kassierte, wurde das Ganze in einen Stromliefervertrag über 17 Jahre umgebaut – mit einem Volumen im zweistelligen Milliardenbereich. Parallel prüfen beide Seiten den Bau kleiner Reaktoren im Talen-Netzgebiet.
Man muss das einmal zusammen betrachten: Amazon ist in dieser Wertschöpfungskette gleichzeitig Kunde, Financier und Anteilseigner. Kein anderes Unternehmen im Depot ist an so vielen Stellen gleichzeitig beteiligt. Aus dieser Perspektive ist Amazon eben nicht die Tech-Beimischung neben sieben Energiewerten – es ist der Wert, an dem die These am dichtesten zusammenläuft.
Der Vorbehalt gehört trotzdem dazu, und zwar deutlich: Gemessen an Amazons Börsenwert ist die X-energy-Beteiligung nicht einmal ein Zehntel Prozent. Wer Amazon kauft, kauft in erster Linie weiterhin Cloud, Handel und Werbung. Im zweiten Quartal 2026 stieg der Konzernumsatz um 19,6% auf 200,61 Milliarden Dollar, AWS legte um 36,7% auf 42,23 Milliarden Dollar zu – das schnellste Cloud-Wachstum seit 18 Quartalen, bei einer operativen Marge von 39,4%. Dem stehen rund 200 Milliarden Dollar Investitionen allein in diesem Jahr gegenüber; der freie Cashflow ist über zwölf Monate gerechnet ins Minus gedreht. Das Energiegeschäft ist bei Amazon ein strategisches Signal, noch lange kein Ergebnistreiber.
Die Analystenseite ist ungewöhnlich eindeutig: Von rund 60 Häusern rät kein einziges zum Verkauf. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei etwa 326 Dollar, das höchste bei 400 Dollar, das vorsichtigste bei 230 Dollar – also unter dem aktuellen Kurs.
Vista Energy: 18,1% auf argentinisches Schieferöl
Die zweitgrößte Position ist zugleich diejenige, die am wenigsten in die Strom-These passt. Vista Energy ist ein Öl- und Gasförderer mit Sitz in Mexiko, notiert an der NYSE und in Mexiko-Stadt, mit operativem Schwerpunkt in Vaca Muerta – der argentinischen Schieferformation, die als eines der größten unkonventionellen Öl- und Gasvorkommen außerhalb Nordamerikas gilt.
Die Kennzahlen sind für einen Förderer bemerkenswert: bei rund 3,5 Milliarden Dollar Umsatz in den vergangenen zwölf Monaten eine Nettomarge von gut 23% und eine Eigenkapitalrendite von knapp 30%. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt auf Basis der zurückliegenden Zahlen bei rund 9. Günstig, ja – aber die Bewertung hat einen Grund, und der heißt Argentinien. Währungsrisiko, Kapitalverkehrsbeschränkungen, politische Wenden: Analysten haben ihre Kursziele in der Vergangenheit schon einmal allein wegen einer Regionalwahl in Buenos Aires gesenkt.
Sieben Analysten decken den Wert ab, das mittlere Kursziel liegt bei etwa 85 Dollar. Die Spanne ist weit: JPMorgan hat sein Ziel Mitte August auf 93 Dollar angehoben, die Bank of America sieht den fairen Wert bei 115 Dollar. Man kann Vista als eigenständige Rohstoffwette lesen – oder als Ergänzung zur Grundthese: Wenn Energie insgesamt knapp wird, wird sie eben nicht nur in Form von Elektronen knapp.
Vistra: 14,1% auf Kernkraft, Gas und das texanische Netz
Im zweiten Quartal 2026 stieg das bereinigte EBITDA um über 30% auf 1,767 Milliarden Dollar. Die Übernahme von Cogentrix bringt rund 5.500 Megawatt Gaskapazität und hebt die Flotte auf etwa 50.000 Megawatt. Wichtiger für die Investmentstory sind aber die langfristigen Stromlieferverträge mit Meta und Amazon Web Services sowie eine Milliarde Dollar, die Vistra in die eigene Rechenzentrumsplattform Helix steckt. Der Versorger wird damit zum Teil selbst zum Anbieter dessen, was seine Kunden suchen.
Der Analystenkonsens liegt bei etwa 225 Dollar und damit rund 65% über dem aktuellen Kurs – die größte Lücke im gesamten Portfolio. Nach den Quartalszahlen wurden die Ziele allerdings teilweise gestutzt; die aktuellen Schätzungen reichen von 196 Dollar (Bank of America) bis 245 Dollar (BMO Capital). Dass die Aktie seit dem Stichtag gefallen ist, während die Kursziele hoch bleiben, sollte man ehrlich benennen: Entweder haben die Analysten recht, oder der Markt preist ein Risiko ein, das in den Modellen noch fehlt.
Der Versorger-Block: 38,6% auf vier fast gleich große Positionen
American Electric Power, DTE Energy, FirstEnergy und CMS Energy stecken im Depot mit jeweils rund 40 Millionen Dollar. Diese Gleichverteilung ist selbst schon eine Aussage: Hier wurde nicht der beste Einzelwert gesucht, hier wurde ein Korb gekauft. Und der Korb hat eine klare Geografie – Ohio, Pennsylvania, West Virginia, Michigan. Also genau jene Regionen, in denen die Rechenzentrums-Pipeline derzeit am schnellsten wächst.
American Electric Power (10,1%)
AEP betreibt das größte Übertragungsnetz der USA und versorgt Kunden in elf Bundesstaaten. Ende Juli hob das Unternehmen seine Prognose an und verwies dabei ausdrücklich auf die anziehende Nachfrage. 36 Analysten decken den Wert ab, das mittlere Kursziel liegt bei rund 142 Dollar, die Spanne zwischen 129 und 150 Dollar. Auffällig ist, dass fast die Hälfte der Häuser den Wert nur hält – für einen Netzbetreiber mit Rückenwind ist das eher verhalten.
DTE Energy (9,6%)
Der Versorger aus Michigan hat die konkretesten Großkundenverträge im Feld: Oracle hat einen Liefervertrag über 1,4 Gigawatt mit 19 Jahren Laufzeit abgeschlossen, Google einen über ein Gigawatt. Insgesamt spricht das Management von einer Pipeline, die sich auf bis zu sechs Gigawatt summieren könnte, und peilt bis 2030 ein jährliches Gewinnwachstum von 6 bis 8% an. Das jüngste Quartal blieb mit 1,32 Dollar je Aktie hinter den erwarteten 1,47 Dollar zurück – das erklärt einen Teil der Kursschwäche. 18 Analysten sehen den fairen Wert im Mittel bei 160 Dollar, mit Zielen zwischen 149 und 168 Dollar.
FirstEnergy (9,5%)
FirstEnergy ist reiner Netz- und Verteilbetreiber ohne eigene Kraftwerke, mit rund sechs Millionen Kunden in fünf Bundesstaaten. Das Unternehmen hat inzwischen Rechenzentrums-Verträge über 6,4 Gigawatt in den Büchern und will zwischen 2026 und 2030 rund 36 Milliarden Dollar investieren. Das Kern-Ergebnis soll um 6 bis 8% jährlich wachsen. 25 Analysten kommen auf ein mittleres Ziel von etwa 53,50 Dollar, die Spanne reicht von 48 bis 56 Dollar.
CMS Energy (9,4%)
Wie DTE ein Michigan-Versorger, über die Tochter Consumers Energy. Die Regulierungsbehörde des Bundesstaats hat den Großteil des jüngsten Tarifantrags durchgewinkt und eine zulässige Eigenkapitalrendite von 9,9% zugestanden – für einen regulierten Versorger ist das die entscheidende Kennzahl überhaupt. Der Investitionsplan bis 2030 umfasst knapp 24 Milliarden Dollar, dazu kommt ein Großkundenvertrag über ein Gigawatt. Zehn Analysten sehen im Schnitt 81 Dollar, mit einer Spanne von 74 bis 88 Dollar.
X-energy: 0,9% als Option auf die Kernkraft-Renaissance
Der Börsengang im April 2026 lief fulminant: Ausgabepreis 23 Dollar, erster Handelstag rund 27% im Plus, eine Milliarde Dollar eingesammelt, knapp zwölf Milliarden Dollar Bewertung voll verwässert. Das Geschäftsmodell ist dabei ein anderes, als der Name vermuten lässt: X-energy baut und betreibt keine Kraftwerke, sondern lizenziert die Technologie und liefert den Brennstoff. Das Baurisiko trägt der Kunde.
Und die Kundenliste ist kurz, aber gewichtig: Amazon, der Chemiekonzern Dow und der britische Versorger Centrica – zusammen ein Auftragsbuch von über elf Gigawatt und rechnerisch 144 Reaktoren. Am weitesten sind zwei Projekte: vier Reaktoren am Dow-Standort Seadrift in Texas und eben Cascade in Washington mit Energy Northwest. Dass Amazon nicht nur Kunde, sondern mit 22,9% der Class-A-Aktien zugleich größter Nicht-Gründer-Aktionär ist, macht die Verbindung zwischen der kleinsten und der größten Position in Thiels Depot ziemlich direkt. Die Liquidität liegt bei 944 Millionen Dollar, Schulden hat das Unternehmen keine.
Nur: Genehmigt ist bislang nichts. Die Baugenehmigung für das erste gemeinsame Projekt mit Amazon wird für Anfang 2027 erwartet, der Baustart hat sich entsprechend verschoben. Für 2026 rechnet der Markt mit einem Verlust von rund 60 Cent je Aktie bei etwa 212 Millionen Dollar Umsatz. Acht Analysten sehen das mittlere Kursziel bei knapp 38 Dollar – nach dem Kursrückgang der vergangenen Tage entspricht das mehr als einer Verdopplung. Solche Potenziale gibt es nicht umsonst; sie sind der Preis dafür, dass hier praktisch alles noch vor dem Unternehmen liegt.
Wie die acht Werte seit dem 30. Juni gelaufen sind
Weil der Stichtag inzwischen gut sieben Wochen zurückliegt, lohnt der Blick auf das, was seitdem passiert ist. Und da hat sich das Bild in den vergangenen Handelstagen spürbar eingetrübt: Nur noch Vista Energy und Amazon liegen über dem Niveau vom 30. Juni.
Alle übrigen Werte notieren darunter, teilweise deutlich.
Positiv
Negativ
Rechnet man die Einzelentwicklungen mit den Portfoliogewichten hoch, liegt das Depot seit dem Stichtag rund 1,5% im Minus. Noch vor einer Woche stand hier ein leichtes Plus – die Woche vom 17. bis 21. August hat das gedreht.
Dahinter stecken zwei Bewegungen, die zufällig zusammenfielen. Erstens sind die Renditen am US-Anleihemarkt wieder gestiegen, und das trifft regulierte Versorger unmittelbar: Wer eine Aktie im Wesentlichen wegen ihrer Dividende hält, vergleicht sie mit dem, was eine Staatsanleihe abwirft. American Electric Power verlor allein am 21. August 3,8%, DTE und CMS gaben in derselben Woche jeweils rund 2% ab. Zweitens steht die gesamte KI-Strom-Wette unter Druck, weil am Markt zunehmend darüber diskutiert wird, wie schnell sich die enormen Investitionen in Rechenzentren eigentlich auszahlen – und ob nicht am Ende zu viel gebaut wird. Vistra hat seit dem Frühjahrshoch von über 219 Dollar mehr als ein Drittel verloren.
Bemerkenswert ist dabei, dass ausgerechnet Amazon und Vista Energy das Depot noch oben halten.
Also die beiden Werte, die formal am wenigsten „Stromversorger“ sind. Die Wette auf Strom hat sich in den ersten sieben Wochen also noch nicht ausgezahlt – die Wette auf denjenigen, der den Strom verbraucht, dagegen schon.
Kursziele: rund 28% gewichtetes Aufwärtspotenzial
Interessanter als die Vergangenheit ist die Frage, was die Analysten den acht Werten von hier aus noch zutrauen. Die Antwort fällt je nach Position dramatisch unterschiedlich aus – und das ist selbst schon ein Befund.
| Aktie | Kurs | Konsensziel | Potenzial | Analysten |
|---|---|---|---|---|
| Amazon | 258,63 USD | ca. 326 USD | +26 % | 60 |
| Vista Energy | 69,58 USD | ca. 85 USD | +22 % | 7 |
| Vistra | 136,21 USD | ca. 225 USD | +65 % | 23 |
| American Electric Power | 120,94 USD | ca. 142 USD | +17 % | 36 |
| DTE Energy | 135,22 USD | ca. 160 USD | +18 % | 18 |
| FirstEnergy | 45,96 USD | ca. 53,50 USD | +16 % | 25 |
| CMS Energy | 68,27 USD | ca. 81 USD | +19 % | 10 |
| X-energy | 18,67 USD | ca. 38 USD | +104 % | 8 |
Nach Portfoliogewichten ergibt das ein Aufwärtspotenzial von rund 28% – vier Prozentpunkte mehr als noch eine Woche zuvor. Das ist allerdings kein gutes Zeichen, sondern schlicht Mathematik: Die Kursziele sind weitgehend unverändert geblieben, die Kurse sind gefallen. Der rechnerische Abstand wächst, weil die Aktien billiger geworden sind, nicht weil die Analysten optimistischer geworden wären.
Die Struktur dahinter bleibt bestehen: Die vier regulierten Versorger liegen eng beieinander bei 16 bis 19% – etwas mehr als vergangene Woche, aber immer noch ungefähr das, was man von einem Versorger mit stabilem Tarifgeschäft erwarten würde. Der ganze Hebel steckt in Vistra mit 65% und in X-energy, wo die Analysten inzwischen eine Verdopplung unterstellen.
Und genau da liegt die Frage, die sich jeder selbst beantworten muss: Ein Konsensziel von 38 Dollar bei einem Kurs von 18,67 Dollar heißt entweder, dass hier eine erhebliche Chance liegt – oder dass die Schätzungen der Realität hinterherlaufen. Beides kommt vor.
Anders gesagt: Thiel hat einen Sockel aus vorhersehbaren Erträgen gebaut und darauf zwei Wetten mit erheblich mehr Streuung gesetzt. Das ist keine Rendite-Maximierung, das ist ein Risikoaufbau in Schichten.
Lässt sich die AI Energy Wette auch als ETF abbilden?
Acht Einzelwerte nachzukaufen, davon sechs aus einer einzigen Branche – das ist für die meisten Privatanleger weder praktikabel noch besonders klug. Näher liegt die Frage, ob es einen Fonds gibt, der das Thema als Ganzes abbildet. Die kurze Antwort: annähernd ja, vollständig nein.
Am dichtesten dran ist der Global X U.S. Electrification UCITS ETF (ISIN IE00070SLDT6, WKN A427N6, Börsenkürzel ZAPP). Er bildet einen Index auf die gesamte US-Stromwertschöpfungskette ab: konventionelle und alternative Erzeugung, Übertragung, Verteilung, Netzinfrastruktur. 45 Titel, physisch voll repliziert, thesaurierend, Gesamtkostenquote 0,47% pro Jahr, handelbar unter anderem über Xetra und sparplanfähig. Rund drei Viertel des Fonds stecken in Versorgern, der Rest überwiegend in Industriewerten wie Netzbauern und Komponentenherstellern.
Interessant wird es beim Blick in die Positionsliste. Drei von Thiels acht Werten sind enthalten – und daneben mehrere Namen, die in der Geschichte dieses Artikels eine tragende Rolle spielen, ohne im 13F aufzutauchen.
| Titel | Gewicht im ETF | Auch bei Thiel? | Rolle im Thema |
|---|---|---|---|
| Bloom Energy | 4,5 % | nein | Brennstoffzellen |
| American Electric Power | 3,8 % | ja | Übertragungsnetz |
| Constellation Energy | 3,9 % | nein | Kernkraft |
| Vistra | 3,6 % | ja | Kernkraft & Gas |
| FirstEnergy | 2,9 % | ja | Verteilnetz |
| Talen Energy | 1,5 % | nein | Amazons Stromlieferant |
| NuScale Power | 0,2 % | nein | Kleine Reaktoren |
Zusammen kommen die drei Thiel-Werte auf gut zehn Prozent des Fondsvermögens. Nicht enthalten sind dagegen DTE Energy und CMS Energy – beide Michigan-Versorger fehlen im Index – sowie naturgemäß Amazon, Vista Energy und X-energy, die nicht ins Anlageuniversum passen.
Und ein Punkt, den man nicht überlesen sollte: Der Fonds wurde erst im Mai 2026 aufgelegt und verwaltet bislang rund acht Millionen Euro. Das ist sehr wenig. Es gibt keine belastbare Wertentwicklungshistorie, die Spreads dürften vergleichsweise breit sein, und bei Fonds dieser Größe besteht immer das Risiko, dass der Anbieter sie mangels Zuspruch wieder schließt. Dazu kommt das Währungsrisiko: Der Fonds notiert in Dollar und ist nicht abgesichert.
Wer das Thema enger auf Kernkraft zuschneiden will, findet mit dem VanEck Uranium and Nuclear Technologies UCITS ETF (ISIN IE000M7V94E1, Börsenkürzel NUKL) die deutlich etabliertere Alternative: seit Februar 2023 am Markt, rund 1,3 Milliarden Euro Fondsvermögen, Gesamtkostenquote 0,55%. Der zugrunde liegende Index deckt allerdings die komplette nukleare Kette ab – vom Uranabbau über Anlagenbau bis zu den Betreibern. Wer sich davon eine Kopie des Thiel-Depots verspricht, greift daneben; das ist eine andere Wette, mit einer erheblichen Rohstoffkomponente und entsprechend anderen Schwankungen.
Unterm Strich: Einen ETF, der das Thiel-Portfolio nachbildet, gibt es nicht – und das wäre auch überraschend. Was es gibt, ist ein Weg, dieselbe Grundthese breiter und mit weniger Einzelwertrisiko zu spielen. Ob man dafür ein Produkt mit acht Millionen Euro Volumen wählt, ist eine andere Frage.
Chancen und Risiken der AI-Energy Wette
Wer das Portfolio als Ideengeber nutzen will, sollte beide Seiten kennen. Die These ist plausibel, aber sie ist eben nicht risikofrei – und einiges davon ist genau die Art von Risiko, die sich schlecht modellieren lässt.
- Erstmals seit Jahrzehnten wieder deutlich steigende Stromnachfrage in den USA
- Langfristige Lieferverträge mit Hyperscalern über 15 Jahre und mehr
- Regulierte Versorger mit planbaren Erträgen und Dividenden als Sockel
- Netzkapazität lässt sich kurzfristig kaum ausweiten – hoher Engpasswert
- Regulierer entscheiden über Tarife – politischer Druck bei steigenden Strompreisen
- Steigende Anleiherenditen machen Versorger-Dividenden relativ unattraktiver
- Kleine modulare Reaktoren sind in den USA noch nicht genehmigt
- Ein Abflauen der KI-Investitionen träfe die gesamte Kette gleichzeitig
- Länder- und Währungsrisiko Argentinien bei Vista Energy
- Hohe Verschuldung ist im Versorgersektor die Regel, nicht die Ausnahme
Fazit: Eine These, kein Musterdepot
Was Peter Thiel hier gebaut hat, ist keine Auswahl attraktiver Einzelwerte. Es ist eine einzige Aussage, in acht Positionen zerlegt: Der Flaschenhals der KI verschiebt sich vom Rechnen zum Strom. Und wer darauf setzen will, kauft eben nicht die Firmen, über die alle reden, sondern die Infrastruktur darunter – Netze, Kraftwerke, irgendwann vielleicht Reaktoren.
Die spannendste Konsequenz daraus betrifft ausgerechnet den Wert, den man auf den ersten Blick für die Ausnahme hält. Wenn Amazon einen Reaktorentwickler zu fast einem Viertel besitzt, ein Kernkraftprojekt finanziert und Strom über 17 Jahre einkauft, dann ist die Grenze zwischen „Tech-Konzern“ und „Energieunternehmen“ schlicht nicht mehr sauber zu ziehen. Genau das ist die Denkfigur aus Zero to One, angewandt auf ein Depot: nicht in bestehenden Kategorien sortieren, sondern schauen, wo eine neue entsteht.
Ob das aufgeht, weiß niemand. Der Start jedenfalls ist holprig: Seit dem Stichtag liegt das Depot leicht im Minus, die Versorger stehen unter Druck, und der Markt zweifelt gerade offen daran, ob sich die KI-Investitionen so schnell rechnen wie erhofft. Bemerkenswert bleibt trotzdem der Zeitpunkt: Zwei Quartale lang gar nichts, dann alles auf einmal, und ausgerechnet in eine Schwächephase des Sektors hinein. Das ist nicht die Bewegung von jemandem, der einem Trend hinterherläuft. Es ist eher der Versuch, ihn vorwegzunehmen.
Für Privatanleger sind zwei Dinge wichtig. Erstens: Wir sehen einen Stand vom 30. Juni. Das Depot kann heute völlig anders aussehen. Zweitens: Auch die besten Investoren liegen regelmäßig daneben, und ein 13F-Filing sagt nichts darüber, mit welchem Zeithorizont, welcher Absicherung oder welchem Anteil am Gesamtvermögen jemand investiert ist. Wer solche Meldungen als Einkaufsliste liest, kopiert die Positionen – aber eben nicht die Überlegung dahinter.
Und die Überlegung ist am Ende das Interessantere.
Wer die richtige Frage stellt, findet auch dann noch Antworten, wenn die Aktien darin längst andere sind.
Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung und keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Er dient ausschließlich der Information. Kursangaben beziehen sich auf die Schlusskurse vom 21. August 2026.
