Deutsche Börse
Die Deutsche Börse AG entstand 1992 als privatwirtschaftlich organisierte Aktiengesellschaft aus der Frankfurter Wertpapierbörse AG. Sitz des Unternehmens ist Frankfurt am Main. Das Kerngeschäft umfasst den Betrieb von Handelsplattformen, Abwicklungssystemen und Teilnehmernetzwerken für Wertpapiere, Derivate und andere Finanzinstrumente. Die Deutsche Börse ist Träger der öffentlich-rechtlichen Frankfurter Wertpapierbörse, Herausgeberin der DAX-Indexfamilie und mit eigenen Aktien selbst im DAX gelistet.
Seit der Gründung hat sich das Unternehmen von einem nationalen Börsenbetreiber zu einem international tätigen Finanzinfrastruktur-Konzern entwickelt. Ende 2024 beschäftigte die Deutsche Börse Group nach eigenen Angaben weltweit über 15.000 Mitarbeiter an mehr als 60 Standorten, darunter Luxemburg, London, Chicago, Singapur und Hongkong. Mehr als 125 Nationalitäten sind im Unternehmen vertreten.
Meilensteine der Unternehmensgeschichte
Im Jahr 1997 führte die Deutsche Börse mit Xetra ein vollelektronisches Handelssystem ein, das den traditionellen Parketthandel für Blue-Chip-Aktien weitgehend ablöste. Bis 1999 wurde der überwiegende Teil des DAX-Handels über Xetra abgewickelt. Parallel dazu entstand mit Eurex eine der ersten vollständig elektronischen, grenzüberschreitenden Derivatebörsen der Welt – aus der Fusion der deutschen DTB mit der Schweizer SOFFEX.
Im Februar 2001 erfolgte der Börsengang der Deutsche Börse AG. Im Jahr 2002 übernahm das Unternehmen den internationalen Wertpapierabwickler Clearstream vollständig, was die Post-Trade-Infrastruktur des Konzerns maßgeblich erweiterte. Im Jahr 2007 übernahm Eurex die US-amerikanische International Securities Exchange (ISE), eine der bedeutendsten Aktienoptionsbörsen der Welt.
Geschäftsbereiche im Überblick
Die Deutsche Börse Group ist vertikal integriert: Das Unternehmen deckt nahezu alle Stufen des Handelsprozesses ab – vom Handel über das Clearing bis zur Abwicklung und Verwahrung von Wertpapieren.
Xetra und Frankfurter Wertpapierbörse bilden den Kassamarkt-Bereich. Xetra ist die elektronische Handelsplattform für Aktien, ETFs und andere Wertpapiere und dient als Preisreferenzmarkt für DAX-Werte. Die Frankfurter Wertpapierbörse ergänzt das Angebot um den Handel mit einer breiten Palette weiterer Finanzinstrumente.
Eurex ist eine der größten Terminbörsen der Welt. Hier werden Futures und Optionen auf Aktienindizes, Einzelaktien, Zinsinstrumente und weitere Underlyings gehandelt. Zu den umsatzstärksten Kontrakten zählen der Euro-Stoxx-50-Future und der Euro-Bund-Future.
Clearstream mit Sitz in Luxemburg ist das internationale Abwicklungs- und Verwahrungssystem des Konzerns. Clearstream wickelt Wertpapiertransaktionen ab und verwahrt Finanzinstrumente für institutionelle Kunden. Die Assets under Custody liegen im Bereich von mehreren Billionen Euro.
360T ist eine Handelsplattform für den institutionellen Devisenmarkt. Das Segment bietet Zugang zu Währungshandel, Zinsderivaten und weiteren Treasury-Produkten für Banken, Asset Manager und Unternehmen.
Qontigo und STOXX verantworten das Index- und Analytikgeschäft. Die STOXX-Indexfamilie umfasst Hunderte von Indizes, die als Basis für Finanzprodukte wie ETFs, strukturierte Produkte und Derivate genutzt werden. Daneben bietet Qontigo Risikomanagement- und Portfolioanalyse-Lösungen für institutionelle Investoren.
EEX (European Energy Exchange) ist die Energiebörse innerhalb des Konzerns, an der Strom, Erdgas, CO₂-Zertifikate und weitere Energieprodukte gehandelt werden.
Umsatz und geografische Verteilung
Der Gesamtumsatz der Deutsche Börse Group lag nach Unternehmensangaben im Geschäftsjahr 2025 bei rund 7,4 Milliarden Euro. Der Umsatz verteilt sich auf drei Segmente: Handelsdienstleistungen tragen rund 41% bei, der Post-Trade-Bereich (Clearing, Abwicklung, Verwahrung) rund 37%, das Daten- und Indexgeschäft rund 22%.
Geografisch entfallen rund 53% des Umsatzes auf die Europäische Union, rund 27% auf das übrige Europa. Amerika trägt etwa 14% bei, der asiatisch-pazifische Raum knapp 7%.
Relevanz für Privatanleger
Das Kerngeschäft der Deutsche Börse Group richtet sich an institutionelle Marktteilnehmer: Banken, Broker, Asset Manager, Versicherungen und Unternehmen. Dennoch berührt die Infrastruktur des Konzerns jeden, der in Deutschland Wertpapiere handelt oder hält.
Wer Aktien oder ETFs über einen deutschen Broker kauft, wickelt seine Order in aller Regel über Xetra ab. Wer einen ETF auf den DAX oder den Euro Stoxx 50 hält, basiert auf einem Index von Qontigo. Wer ein Wertpapierdepot bei einer deutschen Bank führt, hat seine Positionen mittelbar über Clearstream verwahrt.
Darüber hinaus ist die Deutsche Börse AG selbst eine börsennotierte Aktiengesellschaft, die im DAX gelistet ist und in die investiert werden kann.
Für private Anlegerinnen und Anleger betreibt die Deutsche Börse unter dem Portal live.deutsche-boerse.com ein umfangreiches Weiterbildungsangebot. Unter dem Format börse@home findet jeden Montag um 12 Uhr eine kostenlose Online-Session statt – 30 Minuten mit wechselnden Börsenexpertinnen und -experten zu aktuellen Markt- und Anlagethemen, mit Zeit für Fragen. Aufzeichnungen vergangener Folgen sind frei zugänglich. Seit 2025 läuft die Reihe in ihrer über 300. Folge.
Ergänzend dazu bietet die Deutsche Börse eine ETF-Akademie an: eine mehrteilige Veranstaltungsreihe, die Privatanleger strukturiert an das Thema ETF-Investing heranführt – von den Grundlagen über Ordertypen bis hin zu Active ETFs und Anleihen-Produkten. Die Veranstaltungen finden teilweise online, teilweise vor Ort in Frankfurt statt. Die Teilnahme ist kostenlos.
Deutsche Börse Aktie Chart
Regulatorisches Umfeld
Im November 2025 leitete die EU-Kommission eine formelle Untersuchung wegen möglicher Absprachen zwischen der Deutsche Börse AG und Nasdaq im Bereich Derivate-Listing und Clearing ein. Eine separate Nachprüfung der Kommission in den Geschäftsräumen des Unternehmens hatte bereits im September 2024 stattgefunden. Der Ausgang dieser Verfahren ist offen.
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