Iran-Krieg erschüttert die Märkte: Gold auf Rekordhoch – DAX nächste Woche vor dem Stresstest

Eine durchaus bewegte Börsenwoche liegt hinter uns. Der DAX schloss am Freitag knapp unter der Marke von 25.300 Punkten und zeigte sich dabei widerstandsfähiger als die US-Leitindizes, die allesamt mit Verlusten ins Wochenende gingen. Das Motto der Woche lautete wohl: Bilanzflut mit gemischten Ergebnissen – und am Rande ein geopolitischer Schock, der Gold auf neue Hochs trieb.

Das bestimmende Thema war die europäische Berichtssaison. Viele DAX-Konzerne öffneten ihre Bücher, mit recht unterschiedlichen Reaktionen an den Märkten.

Positiv: Die deutsche Inflationsrate gab im Februar nach – ein Signal, das vor allem zinssensitive Sektoren wie Versorger und Immobilien beflügelte.

Belastend hingegen: Einige Schwergewichte enttäuschten mit ihren Ausblicken, was zu spürbaren Kursrücksetzern führte.

Und dann, am Samstag, kam die Nachricht, die die Märkte in der kommenden Woche wohl noch intensiver beschäftigen wird: US-Amerikanische und Israelische Streitkräfte griffen Ziele im Iran an. Der widerum direkt reagierte und Raketen auf Israel, aber auch andere arabische Staaten abfeuerte.

Der UN-Sicherheitsrat berief eine Dringlichkeitssitzung ein, denn: es droht ein Flächenbrand!

Gold stieg ja bereits am Freitag auf rund 5.280 Dollar je Feinunze – da darf man gespannt sein, wie weit der Goldpreis am Montag hochgehen wird. Die ersten Wochenend-Indikationen liegen in der Spitze bereits bei 5.490 USD!

 

DAX im Wochenrückblick: Behauptet, aber ohne Schwung

Der DAX schloss die Woche bei rund 25.284 Punkten und verteidigte damit die psychologisch wichtige 25.000er-Marke. Wirklich dynamisch war die Woche aber nicht; der Index pendelte über weite Strecken in einer engen Spanne und musste am Freitag gegen den Gegenwind schwächerer US-Börsen ankämpfen – hielt sich dabei aber vergleichsweise gut.

Der Rückenwind kam aus einem eher unerwarteten Winkel: Defensive Titel und regulierte Sektoren meldeten sich mit starken Wochen zurück. Der Grund: sinkende Inflationserwartungen und die Spekulation, dass die EZB im weiteren Jahresverlauf weiteren Spielraum für Zinssenkungen gewinnt.

Genau diese Sektoren – Versorger, Infrastruktur, Finanzen – führten die Gewinnerliste an.

DAX Chart

 

DAX-Wochengewinner

Die Gewinner der Woche kamen aus defensiven und regulierten Sektoren – ein klassisches Muster, wenn Anleger bei gemischter Konjunkturlage Sicherheit suchen und gleichzeitig auf fallende Zinsen setzen.

 

Deutsche Börse: +6%

Der Börsenbetreiber war der klare Wochensieger im DAX. Starke Zahlen und ein erhöhter Ausblick überzeugten – und die anhaltend hohe Marktvolatilität spielt Deutsche Börse grundsätzlich in die Karten. Unsicherheit ist eben auch ein Geschäftsmodell. Die Aktie schloss bei rund 232 Euro.

Deutsche Börse Chart

 

E.ON: +6%

Der Energieversorger profitierte gleich von mehreren Faktoren: nachlassende Inflationsdaten, solide Ergebnisse aus dem Netzgeschäft und die Erwartung weiterer EZB-Zinssenkungen. Versorger gelten als klassische Profiteure sinkender Zinsen – und genau dieses Szenario gewann in dieser Woche an Wahrscheinlichkeit. E.ON schloss bei 19,68 Euro.

E.ON Chart

 

RWE: +5%

Ähnliche Dynamik wie beim Wettbewerber E.ON: RWE legte kräftig zu und profitierte ebenfalls vom veränderten Zinsausblick sowie von Meldungen rund um den Ausbau des Erneuerbare-Energien-Portfolios. Schlusskurs: 54,54 Euro. Das Unternehmen gehörte in dieser Woche zu den klaren Nutzniessern der defensiven Rotation im DAX.

RWE Chart

 

DAX-Wochenverlierer

Auf der Verliererseite dominierten Unternehmen, deren Jahresausblicke die hohen Erwartungen des Marktes nicht erfüllen konnten – ergänzt um Gewinnmitnahmen nach starken Vorwochen.

 

MTU Aero Engines: -9%

Das war die große Geschichte der Woche. MTU lieferte für 2025 eine Rekordleistung ab – Umsatz plus 16% auf 8,7 Milliarden Euro, operatives Ergebnis plus 29% auf 1,4 Milliarden Euro, Dividende plus 64% auf 3,60 Euro je Aktie. Eigentlich ein Traumergebnis. Doch die Börse schaut nach vorne – und da enttäuschte der Ausblick. Das Management stellte für 2026 ein operatives Ergebnis von 1,35 bis 1,45 Milliarden Euro in Aussicht, was im schlechtesten Fall einer Stagnation entspräche. Der freie Cashflow blieb hinter den Erwartungen der Analysten zurück. Hinzu kommt der öffentlich gewordene Streit mit Airbus über die Lieferung von Getriebefan-Triebwerken. Die Aktie fiel auf rund 365 Euro und unterschritt damit die 200-Tage-Linie – ein technisches Warnsignal.

MTU Aero Engines Chart

 

Heidelberg Materials: -8%

Nach starker Performance in den Vorwochen folgten Gewinnmitnahmen auf breiter Front. Hinzu kamen schwächere Signale aus dem globalen Bausektor und Sorgen, dass das erhoffte europäische Infrastrukturprogramm langsamer anläuft als erwartet. Heidelberg Materials ist eben ein zyklischer Wert – und in einem unsicheren Konjunkturumfeld reagiert der Kurs entsprechend. Schlusskurs: 189,55 Euro.

Heidelberg Materials Chart

 

Rheinmetall: -4%

Überraschend auf den ersten Blick: Der Rüstungskonzern zählte trotz anhaltend hoher geopolitischer Spannungen zu den Wochenverlierern. Analysten sehen hier wohl eine technische Konsolidierung nach der starken Performance der vergangenen Monate – das kurzfristige Kurspotenzial ist weitgehend eingepreist. Die Aktie schloss bei 1.663,50 Euro. Mittelfristig bleibt die Story intakt.

Rheinmetall Aktie Chart

 

 

Rohstoffe: Gold auf neuem Allzeithoch – Silber zieht mit

Gold

Die Woche begann ruhig für das Edelmetall – und endete spektakulär. Gold kletterte im Wochenverlauf auf rund 5.280 Dollar je Feinunze, ehe die Eskalation im Nahen Osten am Samstag dem Goldpreis (bei den Indikationen) einen weiteren Schub gab: auf rund 5.490 Dollar. Das wäre fast schon wieder ein neues Allzeithoch. Die Kombination aus geopolitischer Unsicherheit, sinkenden Realzinsen und anhaltend starker Zentralbanknachfrage bleibt ein mächtiges Fundament für das Edelmetall.

Gold Chart

 

Silber

Silber zog im Windschatten mit und kletterte auf rund 94 Dollar je Feinunze. Das Metall bleibt volatiler als Gold, profitiert aber vom selben Umfeld – und zusätzlich von der wachsenden industriellen Nachfrage im Bereich Solartechnologie und Elektromobilität.

Silber Chart

 

Öl steigt an

Brent-Rohöl stieg im Wochenverlauf auf rund 72 Dollar je Barrel. Die Situation im Nahen Osten – nun mit direkter militärischer Konfrontation zwischen Israel und dem Iran – hat am Samstag noch einmal zusätzlichen Aufwärtsdruck erzeugt. Die Öl-Indikationen lagen am Samstag Abend bereits bei rund 80 USD.

Die Disziplin der OPEC+ und die geopolitische Risikoprämie stützen den Preis.

Entspannung ist vorerst nicht in Sicht.

Brent Öl Chart

 

Wochenausblick: Geopolitik übernimmt das Steuer

Die kommende Woche steht im Zeichen eines massiven geopolitischen Schocks. Der israelische Angriff auf den Iran und die damit verbundenen Gegenschläge auf US-Stützpunkte in der Region haben das Sicherheitsgefüge im Nahen Osten erschüttert – und das wird die Märkte zu Wochenbeginn unmittelbar beschäftigen.

Gold, Öl und sichere Häfen wie der Schweizer Franken und der japanische Yen dürften gefragt bleiben. Auf der Verliererseite stehen dagegen klassische Risikoassets: Technologieaktien, Wachstumswerte und zyklische Titel wie Automobil- oder Chemiekonzerne, die ohnehin schon unter Margendruck stehen.

Auch Schwellenländer-ETFs und Rohstoff-importabhängige Industrien könnten unter Druck geraten – wer viel Öl braucht, leidet doppelt, wenn der Preis anzieht.

Anleger, die ihr Portfolio in den vergangenen Wochen nicht defensiver aufgestellt haben, sollten die erste Reaktion am Montag genau beobachten: Wie stark ist der initiale Ausverkauf – und wie schnell stabilisiert sich der Markt?

Das wird viel darüber aussagen, ob die Eskalation als beherrschbar eingestuft wird oder nicht.

Besonders im Fokus: Luftfahrtaktien wie MTU oder Airbus, die ohnehin in turbulenten Gewässern unterwegs sind. Und natürlich Energiewerte – hier könnte die Krise kurzfristig für unerwartete Kursgewinne sorgen.

Auf der Makroseite stehen die ifo-Geschäftsklimazahlen für Deutschland auf der Agenda sowie weitere Inflationsdaten aus der Eurozone. Die Fed-Protokolle der letzten Sitzung werden ebenfalls mit Spannung erwartet – sie könnten Hinweise geben, wie die US-Notenbank auf das veränderte Umfeld reagiert. Eine weitere Eskalation im Nahen Osten würde den Inflationsdruck via Ölpreis wieder anfachen – genau das Szenario, das die Notenbanken am wenigsten gebrauchen können.

Und die Berichtssaison läuft weiter – mit weiteren DAX-Konzernen auf der Agenda. Die Messlatte liegt nach den Enttäuschungen dieser Woche etwas tiefer.

Was sicher ist: Langweilig wird es nicht.
 

 

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