Futures & Optionen

Futures & Optionen: Derivate für fortgeschrittene Anlagestrategien

Futures und Optionen gehören zur Gruppe der Finanzderivate. Ihr Wert leitet sich von einem Basiswert ab, etwa einer Aktie, einem Index, einem Rohstoff oder einer Währung. Beide Instrumente ermöglichen es, auf zukünftige Preisentwicklungen zu spekulieren oder bestehende Positionen abzusichern, ohne den Basiswert selbst besitzen zu müssen.

Während Privatanleger häufig mit Aktien oder ETFs vertraut sind, bleiben Derivate für viele ein komplexes und mitunter risikoreiches Terrain. Das liegt an ihrer Hebelwirkung, ihrer Komplexität und den damit verbundenen Verlustrisiken, die das eingesetzte Kapital übersteigen können. Ein fundiertes Verständnis ist daher unerlässlich, bevor man sich diesem Marktsegment nähert.

Trotz ihrer Risiken erfüllen Futures und Optionen wichtige Funktionen in den Finanzmärkten. Landwirte sichern damit ihre Ernten gegen Preisschwankungen ab, Unternehmen schützen sich vor Währungsrisiken und professionelle Investoren nutzen sie für komplexe Handelsstrategien. Für Privatanleger können sie in begrenztem Umfang zur Portfolioabsicherung oder gezielten taktischen Positionierung dienen.

 

Was sind Futures?

Ein Future ist ein standardisierter, börsengehandelter Vertrag, der den Käufer verpflichtet, zu einem festgelegten Zeitpunkt in der Zukunft einen bestimmten Basiswert zu einem heute vereinbarten Preis zu kaufen. Der Verkäufer verpflichtet sich spiegelbildlich zur Lieferung.

Die Standardisierung umfasst Kontraktgröße, Liefertermin, Qualität des Basiswerts und Handelsplatz. Ein DAX-Future beispielsweise hat eine feste Kontraktgröße von 25 Euro pro Indexpunkt. Bei einem DAX-Stand von 18.000 Punkten beträgt der Kontraktwert 450.000 Euro. Gehandelt wird er jedoch mit einer Margin, also einer Sicherheitsleistung, die nur einen Bruchteil dieses Betrags ausmacht.

Diese Hebelwirkung macht Futures attraktiv und gefährlich zugleich. Mit geringem Kapitaleinsatz lassen sich große Positionen kontrollieren. Gewinne und Verluste werden entsprechend vervielfacht. Bewegt sich der Markt gegen die Position, können Verluste die ursprüngliche Margin deutlich übersteigen.

Futures werden börsentäglich abgerechnet. Gewinne und Verluste werden dem Konto gutgeschrieben oder belastet. Unterschreitet die Margin einen bestimmten Schwellenwert, muss nachgeschossen werden. Geschieht dies nicht rechtzeitig, wird die Position zwangsliquidiert.

 

Was sind Optionen?

Eine Option verbrieft das Recht, aber nicht die Pflicht, einen Basiswert zu einem festgelegten Preis innerhalb eines bestimmten Zeitraums zu kaufen oder zu verkaufen. Im Gegensatz zum Future besteht also keine Verpflichtung.

Man unterscheidet Call-Optionen und Put-Optionen. Eine Call-Option gibt das Recht zum Kauf, eine Put-Option das Recht zum Verkauf. Der Käufer einer Option zahlt dafür eine Prämie an den Verkäufer. Diese Prämie ist der maximale Verlust für den Optionskäufer.

Der Verkäufer einer Option, auch Stillhalter genannt, vereinnahmt die Prämie. Er übernimmt dafür das Risiko, den Basiswert liefern zu müssen bei einer Call-Option oder ihn abkaufen zu müssen bei einer Put-Option. Seine potenziellen Verluste sind theoretisch unbegrenzt.

Optionen bieten durch die Kombination verschiedener Positionen komplexe Strategien. Man kann auf steigende, fallende oder stagnierende Märkte setzen. Auch Volatilitätsstrategien, die von Kursschwankungen profitieren unabhängig von der Richtung, sind möglich.

 

Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Merkmal Futures Optionen
Verpflichtung Beide Seiten sind verpflichtet Nur Verkäufer ist verpflichtet, Käufer hat Wahlrecht
Kosten Keine Prämie, aber Margin erforderlich Käufer zahlt Prämie, Verkäufer hinterlegt Sicherheit
Verlustrisiko Unbegrenzt für beide Seiten Käufer: begrenzt auf Prämie; Verkäufer: theoretisch unbegrenzt
Hebelwirkung Sehr hoch durch Margin-Handel Hoch, abhängig von Prämie und Basiswert
Komplexität Moderate Komplexität Hohe Komplexität durch verschiedene Strategien

 

Beide Instrumente eignen sich sowohl für spekulative Zwecke als auch zur Absicherung bestehender Positionen. Ein Aktienportfolio kann durch Put-Optionen oder Short-Futures gegen Kursverluste abgesichert werden. Diese Hedging-Funktion ist eine der Hauptanwendungen professioneller Marktteilnehmer.

 

Einsatzmöglichkeiten und Strategien

Derivate bieten vielfältige Anwendungsszenarien, die weit über einfache Spekulation hinausgehen.

Absicherung von Portfolios stellt einen legitimen Einsatz dar. Ein Anleger, der ein größeres Aktienportfolio hält und kurzfristig fallende Kurse befürchtet, kann Put-Optionen auf einen Index kaufen. Fällt der Markt tatsächlich, gleichen Gewinne aus den Puts die Aktienverluste aus. Die Prämie entspricht einer Versicherungsprämie.

Spekulation auf Marktbewegungen ermöglicht mit geringem Kapitaleinsatz die Teilnahme an großen Preisbewegungen. Erwartet ein Investor steigende Rohstoffpreise, kann er entsprechende Futures kaufen. Die Hebelwirkung vervielfacht Gewinne bei richtiger Prognose, aber eben auch Verluste bei falscher Einschätzung.

Covered-Call-Strategien nutzen Optionen zur Ertragssteigerung. Ein Anleger, der Aktien besitzt, verkauft Call-Optionen auf diese Titel. Er vereinnahmt die Prämie und verpflichtet sich, die Aktien zu einem höheren Preis zu verkaufen, falls die Option ausgeübt wird. Diese konservative Strategie funktioniert in Seitwärts- oder leicht steigenden Märkten gut.

Volatilitätshandel richtet sich nicht auf die Richtung, sondern auf die Schwankungsintensität. Kombinationen aus Calls und Puts, etwa Straddles oder Strangles, profitieren von starken Preisbewegungen unabhängig von deren Richtung. Diese Strategien sind komplex und erfordern präzises Timing.

 

Chancen von Derivaten

Für versierte Anleger bieten Futures und Optionen spezifische Vorteile.

Effiziente Absicherung: Bestehende Portfolios lassen sich gezielt gegen spezifische Risiken absichern, ohne Positionen verkaufen zu müssen. Dies spart Transaktionskosten und vermeidet steuerliche Konsequenzen.

Kapitaleffizienz: Die Hebelwirkung ermöglicht Marktpositionen mit geringerem Kapitaleinsatz. Das freigesetzte Kapital kann anderweitig investiert werden.

Flexibilität: Derivate erlauben Strategien, die mit reinen Käufen von Basiswerten nicht umsetzbar sind. Man kann auf fallende Märkte setzen, von Volatilität profitieren oder komplexe Risikoprofile konstruieren.

Liquidität: Große Derivatemärkte wie Futures auf wichtige Indizes oder Rohstoffe weisen hohe Liquidität auf. Ein- und Ausstieg sind meist problemlos möglich.

 

Risiken und Nachteile

Die Gefahren im Derivatehandel dürfen nicht unterschätzt werden. Sie haben zu spektakulären Verlusten geführt, auch bei erfahrenen Marktteilnehmern.

Unbegrenzte Verlustrisiken: Bei Futures können Verluste das eingesetzte Kapital deutlich übersteigen. Bei Optionsverkäufen sind die potenziellen Verluste theoretisch unbegrenzt. Ohne striktes Risikomanagement droht der Totalverlust oder sogar Nachschusspflichten.

Hohe Komplexität: Das Verständnis von Preisbildung, Greeks bei Optionen, Rollvorgängen bei Futures und der Interaktion verschiedener Faktoren erfordert fundierte Kenntnisse. Fehleinschätzungen führen schnell zu Verlusten.

Zeitwertverfall bei Optionen: Optionen verlieren mit der Zeit an Wert, selbst wenn der Basiswert stagniert. Dieser Theta-Effekt nagt kontinuierlich am Wert gekaufter Optionen.

Margin Calls: Bei Future-Positionen oder verkauften Optionen können Nachschusspflichten entstehen. Wer diese nicht erfüllen kann, wird zwangsliquidiert, oft zu ungünstigen Zeitpunkten.

Psychologischer Druck: Die Hebelwirkung und tägliche Abrechnung erzeugen emotionalen Stress. Impulsive Entscheidungen aus Angst oder Gier sind häufig und führen zu Fehlern.

 

Für wen eignen sich Derivate?

Futures und Optionen richten sich primär an erfahrene Anleger mit spezifischen Bedürfnissen.

Professionelle Trader und institutionelle Investoren nutzen Derivate routinemäßig für Hedging, Arbitrage und taktische Positionierung. Sie verfügen über Expertise, Systeme und Kapitalreserven, um die Risiken zu managen.

Erfahrene Privatanleger mit soliden Kenntnissen können Derivate in begrenztem Umfang für Portfolioabsicherung oder gezielte Positionierungen einsetzen. Voraussetzung ist die Bereitschaft, sich intensiv mit der Materie auseinanderzusetzen und ein funktionierendes Risikomanagement zu implementieren.

Einsteiger sollten die Finger von Derivaten lassen. Die Komplexität und Verlustrisiken sind zu hoch. Der Vermögensaufbau gelingt über Aktien, Anleihen oder breit gestreute Fonds deutlich sicherer und planbarer.

Auch für risikoaverse Anleger sind Derivate ungeeignet. Die möglichen Verluste stehen in keinem angemessenen Verhältnis zum Sicherheitsbedürfnis dieser Zielgruppe.

 

Regulierung und Zugang

Der Derivatehandel unterliegt strengen regulatorischen Anforderungen. Broker müssen die Eignung ihrer Kunden prüfen, bevor sie Zugang zu Derivaten gewähren. Dies geschieht durch Fragebögen zu Erfahrung, Kenntnissen und finanzieller Situation.

Für den Handel sind spezielle Konten erforderlich, die höhere Mindesteinlagen verlangen als Standard-Depots. Die Margin-Anforderungen variieren je nach Basiswert und Marktvolatilität.

Privatanleger haben Zugang zu regulierten Terminbörsen wie der Eurex oder CME. Dort werden standardisierte Kontrakte unter Aufsicht der Finanzaufsichtsbehörden gehandelt. Außerbörsliche Derivate sind für Privatanleger meist nicht zugänglich und wegen geringerer Transparenz auch riskanter.

Praktisches Beispiel: Absicherung mit Put-Optionen

Ein Anleger besitzt ein Portfolio aus deutschen Aktien im Wert von 50.000 Euro. Er befürchtet kurzfristig fallende Kurse, möchte aber die Aktien nicht verkaufen. Er kauft Put-Optionen auf den DAX mit dreimonatiger Laufzeit und zahlt dafür eine Prämie von 1.000 Euro.

Der DAX fällt tatsächlich um 15%. Das Aktienportfolio verliert entsprechend rund 7.500 Euro. Die Put-Optionen gewinnen jedoch an Wert und bringen einen Gewinn von etwa 6.500 Euro. Nach Abzug der Prämie verbleibt ein Nettoverlust von nur 2.000 Euro statt 7.500 Euro ohne Absicherung.

Wäre der Markt gestiegen, hätte der Anleger die Prämie von 1.000 Euro verloren, aber an der Kurssteigerung seiner Aktien partizipiert. Die Puts wären wertlos verfallen. Diese Kosten entsprechen einer Versicherungsprämie für den gewonnenen Schutz.

 

Fazit

Futures und Optionen sind mächtige Instrumente, die bei sachgerechter Anwendung Portfolios absichern oder gezielt Marktchancen nutzen können. Ihre Hebelwirkung ermöglicht kapitaleffiziente Strategien, birgt aber gleichzeitig das Risiko erheblicher Verluste.

Für die überwiegende Mehrheit der Privatanleger ist der direkte Handel mit Derivaten nicht empfehlenswert. Die Komplexität, die Verlustrisiken und der erforderliche Zeitaufwand stehen in keinem sinnvollen Verhältnis zu den Vorteilen. Der langfristige Vermögensaufbau gelingt über klassische Anlageinstrumente zuverlässiger.

Wer sich dennoch mit Derivaten befassen möchte, sollte zunächst fundiertes Wissen aufbauen, mit kleinen Positionen beginnen und niemals Kapital einsetzen, dessen Verlust die finanzielle Situation gefährden würde. Ein durchdachtes Risikomanagement ist unverzichtbar, um die Gefahren dieser hochspekulativen Instrumente zu beherrschen.