Low-Volatility-Strategie
- Low-Volatility-Strategie: Geringere Schwankungen bei solider Rendite
- Funktionsweise und Grundprinzip der Strategie
- Performance-Kennzahlen: Renditen zwischen 6% und 9% jährlich bei reduzierter Volatilität
- Risikoprofil: Deutlich reduzierte Schwankungen mit Drawdowns bis 20%
- Vorteile der Strategie
- Nachteile und Risiken
- Anlegerprofil: Für wen ist die Low-Volatility-Strategie geeignet?
Low-Volatility-Strategie: Geringere Schwankungen bei solider Rendite
Die Low-Volatility-Strategie setzt auf Aktien, die sich durch vergleichsweise geringe Kursschwankungen auszeichnen. Statt auf die heißesten Wachstumstitel oder hochvolatile Spekulationswerte zu setzen, konzentriert sich das Portfolio auf stabilere, weniger aufgeregte Unternehmen. Die zugrunde liegende Annahme klingt zunächst paradox: Weniger Risiko kann langfristig zu ähnlichen oder sogar besseren Renditen führen als hochriskante Investments.
Für Anleger, die zwar an der Börse investieren möchten, aber nachts ruhig schlafen wollen, bietet diese Strategie einen interessanten Mittelweg. Sie richtet sich an jene, die hohe Schwankungen schlecht ertragen oder die in einer Lebensphase stehen, in der größere Verluste problematisch wären. Die Strategie ist defensiv ausgerichtet, erfordert aber dennoch eine moderate Risikobereitschaft, da es sich weiterhin um Aktieninvestments handelt.
Funktionsweise und Grundprinzip der Strategie
Das Herzstück der Low-Volatility-Strategie ist die Auswahl von Aktien anhand ihrer historischen Schwankungsbreite. Gemessen wird dies über die Volatilität – ein statistisches Maß dafür, wie stark ein Wertpapier in der Vergangenheit um seinen Durchschnittswert geschwankt ist. Titel mit niedriger Volatilität zeigen deutlich ruhigere Kursverläufe als der breite Markt.
Interessanterweise widerspricht diese Strategie klassischen Finanztheorien, die davon ausgehen, dass höheres Risiko mit höheren Renditen einhergehen müsse. Die Praxis zeigt jedoch ein anderes Bild: In vielen historischen Zeiträumen erzielten weniger volatile Aktien ähnliche oder sogar bessere Gesamtrenditen als der Gesamtmarkt – bei deutlich geringeren Schwankungen. Dieses Phänomen wird in der Fachwelt als Low-Volatility-Anomalie bezeichnet.
Typischerweise finden sich Low-Volatility-Aktien in defensiven Sektoren. Versorger, die unabhängig von der Konjunktur Strom und Wasser liefern, gehören ebenso dazu wie Hersteller von Basiskonsumgütern, Telekommunikationsunternehmen oder etablierte Gesundheitskonzerne. Diese Branchen zeichnen sich durch stabile Geschäftsmodelle und verlässliche Cashflows aus, was sich in ruhigeren Kursverläufen niederschlägt.
Umgesetzt wird die Strategie entweder durch eigene Aktienauswahl anhand von Volatilitätskennzahlen oder – deutlich einfacher – über spezialisierte Low-Volatility-ETFs. Diese bilden Indizes nach, die automatisch die am wenigsten schwankenden Titel eines Marktes auswählen und gewichten.
Performance-Kennzahlen: Renditen zwischen 6% und 9% jährlich bei reduzierter Volatilität
Historisch betrachtet konnten Low-Volatility-Portfolios über längere Zeiträume durchschnittliche jährliche Renditen zwischen 6% und 9% erzielen. Das liegt zwar oft leicht unter den Spitzenrenditen hochvolatiler Wachstumsaktien in Boomzeiten, aber die Gesamtbilanz über verschiedene Marktphasen hinweg fällt oft ähnlich oder sogar besser aus. Über zwanzig Jahre entspricht dies einer Gesamtrendite von etwa 220% bis 460%.
Die wahre Stärke der Strategie zeigt sich jedoch im Vergleich der risikoadjustierten Rendite. Wer dieselbe Rendite bei deutlich geringeren Schwankungen erzielt, hat faktisch bessere Ergebnisse erreicht. Auch in Krisenzeiten punktet die Low-Volatility-Strategie: Während der Finanzkrise 2008 oder des Corona-Crashs 2020 fielen die Verluste solcher Portfolios typischerweise 30% bis 40% geringer aus als beim breiten Markt.
Allerdings gibt es Phasen, in denen die Strategie deutlich zurückbleibt. In starken Bullenmärkten, wenn Wachstumsaktien und Technologietitel durch die Decke gehen, hinken Low-Volatility-Portfolios oft hinterher. Die Jahre zwischen 2017 und 2021 waren ein gutes Beispiel dafür – defensive Titel wurden links liegengelassen, während risikoreichere Investments explodierten.
Risikoprofil: Deutlich reduzierte Schwankungen mit Drawdowns bis 20%
Der zentrale Vorteil der Low-Volatility-Strategie liegt in den reduzierten Schwankungen. Während der breite Aktienmarkt typischerweise eine Volatilität von 15% bis 20% aufweist, bewegen sich Low-Volatility-Portfolios oft im Bereich von 10% bis 13%. Das mag nach einem kleinen Unterschied klingen, macht aber in der Praxis einen erheblichen Unterschied für das Anlageerlebnis.
In schweren Marktkrisen müssen Anleger zwar auch hier mit Verlusten rechnen, diese fallen jedoch deutlich moderater aus. Statt 40% bis 50% Rückgang wie beim Gesamtmarkt bewegen sich die maximalen Verluste eher im Bereich von 15% bis 25%. Das macht es psychologisch deutlich einfacher, investiert zu bleiben und nicht in Panik zu verkaufen.
Allerdings ist Low-Volatility keine Garantie gegen Verluste. Auch defensive Aktien können fallen, besonders wenn sich fundamentale Rahmenbedingungen ändern. Zudem gibt es das Risiko der Sektorenkonzentration – wenn defensive Branchen insgesamt unter Druck geraten, bietet die Strategie weniger Schutz als erhofft.
Vorteile der Strategie
Der wohl größte Vorteil liegt im besseren Chance-Risiko-Verhältnis. Die Strategie liefert anständige Renditen bei deutlich geringeren Nervenbelastungen. Wer nachts ruhig schlafen möchte und trotzdem am Aktienmarkt partizipieren will, findet hier eine passende Lösung. Die reduzierten Schwankungen machen es zudem leichter, langfristig investiert zu bleiben – man wird nicht so leicht von Panikverkäufen verleitet.
In Seitwärts- und Abwärtsmärkten zeigt die Low-Volatility-Strategie ihre besonderen Stärken. Während andere Portfolios stark leiden, halten sich Low-Vol-Titel oft deutlich besser. Das kann über mehrere Jahre hinweg zu erheblichen Vorsprüngen führen. Auch für Anleger, die regelmäßig Geld entnehmen möchten – etwa im Ruhestand –, ist die Strategie attraktiv, da man nicht gezwungen ist, in schlechten Phasen zu ungünstigen Kursen zu verkaufen.
Die Umsetzung ist unkompliziert. Mit einem einzigen Low-Volatility-ETF lässt sich die Strategie einfach und kostengünstig abbilden. Man muss nicht selbst Volatilitätskennzahlen berechnen oder ständig das Portfolio anpassen – die Indexanbieter übernehmen diese Arbeit.
Nachteile und Risiken
Der offensichtlichste Nachteil liegt in der Underperformance während starker Bullenmärkte. Wenn die Börsen regelrecht explodieren und Wachstumsaktien Rekord um Rekord brechen, schauen Low-Volatility-Anleger oft in die Röhre. Die defensiven Titel bleiben zurück, und die entgangenen Gewinne können erheblich sein. Das erfordert Geduld und die Überzeugung, dass sich die Strategie langfristig dennoch auszahlt.
Ein weiteres Risiko liegt in der Sektorenkonzentration. Low-Volatility-Portfolios sind oft stark in bestimmten defensiven Branchen gewichtet – Versorger, Telekommunikation, Basiskonsumgüter. Damit fehlt die breite Diversifikation über alle Sektoren hinweg. Sollten etwa stark steigende Zinsen defensive Branchen besonders treffen, leidet das gesamte Portfolio überproportional.
Auch die Definition von Low Volatility ist nicht in Stein gemeißelt. Verschiedene Indizes verwenden unterschiedliche Methoden zur Messung und Gewichtung, was zu teils deutlich abweichenden Ergebnissen führen kann. Historisch niedrige Volatilität garantiert zudem nicht, dass ein Titel auch künftig ruhig verläuft – Rahmenbedingungen können sich ändern.
Nicht zuletzt kann die Strategie in Phasen hoher Inflation problematisch sein. Viele defensive Titel haben begrenzte Möglichkeiten, steigende Kosten an Kunden weiterzugeben, was die Margen unter Druck setzt. In solchen Umfeldern könnten andere Sektoren wie Energie oder Rohstoffe besser performen, die in Low-Vol-Portfolios unterrepräsentiert sind.
Anlegerprofil: Für wen ist die Low-Volatility-Strategie geeignet?
Die Low-Volatility-Strategie eignet sich besonders für Anleger, die Schwankungen schlecht ertragen, aber dennoch an der Wertentwicklung von Aktien teilhaben möchten. Sie passt gut zu jenen, die bereits über ein gewisses Vermögen verfügen und dieses eher erhalten als maximal vermehren wollen. Auch Anleger kurz vor oder im Ruhestand können profitieren, da die reduzierten Schwankungen es leichter machen, regelmäßig Geld zu entnehmen, ohne in Verkaufszwang zu geraten.
Für konservativ ausgerichtete Investoren, die Anleihen zu langweilig oder derzeit zu renditeschwach finden, kann Low-Volatility eine Alternative sein – quasi ein Mittelweg zwischen reinen Anleihen und dem breiten Aktienmarkt. Weniger geeignet ist die Strategie für junge Anleger mit sehr langem Anlagehorizont, die Schwankungen problemlos aussitzen können. Diese würden auf Renditepotenzial verzichten, das sie bei ihrer Risikokapazität nicht müssten. Auch für Anleger, die maximale Rendite anstreben und bereit sind, dafür hohe Volatilität in Kauf zu nehmen, ist die Strategie nicht passend. Ein bestimmter Kapitalbedarf besteht nicht, bereits mit kleinen Beträgen lassen sich Low-Volatility-ETFs kaufen oder besparen.