Buy-and-Hold-Strategie

Buy-and-Hold-Strategie: Langfristiges Halten statt aktivem Handeln

Die Buy-and-Hold-Strategie gehört zu den zeitlosesten Anlageansätzen überhaupt. Das Prinzip ist denkbar simpel: Kaufen und halten – über Jahre, oft Jahrzehnte hinweg, unabhängig von kurzfristigen Marktschwankungen. Statt ständig zu kaufen und zu verkaufen, baut man ein Portfolio auf und lässt es arbeiten. Die Zeit wird zum entscheidenden Erfolgsfaktor, nicht das perfekte Timing.

Für Anleger, die an die langfristige Wertentwicklung von Unternehmen oder Märkten glauben und die bereit sind, Schwankungen auszusitzen, bietet Buy-and-Hold einen überzeugenden Weg. Die Strategie richtet sich an jene, die weder Zeit noch Nerven für aktives Trading haben und die erkannt haben, dass häufiges Umschichten meist mehr schadet als nützt. Eine moderate bis höhere Risikobereitschaft ist dennoch erforderlich, denn zwischenzeitliche Verluste gehören dazu.

Funktionsweise und Grundprinzip der Strategie

Die Philosophie hinter Buy-and-Hold basiert auf mehreren Erkenntnissen. Erstens: Märkte steigen langfristig, auch wenn sie kurzfristig stark schwanken. Zweitens: Häufiges Handeln verursacht Kosten durch Gebühren und Steuern, die die Rendite schmälern. Drittens: Niemand kann zuverlässig vorhersagen, wann man kaufen oder verkaufen sollte – wer es dennoch versucht, liegt statistisch häufiger falsch als richtig.

Die Umsetzung ist entsprechend unkompliziert. Man wählt Investments aus, von denen man überzeugt ist – seien es Einzelaktien solider Unternehmen, breit diversifizierte ETFs oder eine Mischung aus beidem. Anschließend hält man diese Positionen über viele Jahre, idealerweise Jahrzehnte. Verkauft wird nur in Ausnahmefällen, etwa wenn sich die fundamentalen Rahmenbedingungen eines Unternehmens dramatisch verschlechtern oder wenn man das Geld tatsächlich benötigt.

Wichtig ist dabei die Unterscheidung zu reiner Passivität. Buy-and-Hold bedeutet nicht, Positionen blind zu halten, egal was passiert. Es bedeutet vielmehr, nicht auf jede Marktschwankung oder Schlagzeile zu reagieren. Langfristige Trends zählen, nicht die täglichen Ausschläge. Gelegentliche Überprüfungen des Portfolios sind durchaus sinnvoll, aber Umschichtungen bleiben die absolute Ausnahme.

Konkrete Umsetzung: Typische Buy-and-Hold Portfolios

Buy-and-Hold lässt sich mit unterschiedlichen Ansätzen umsetzen. Ein klassisches Portfolio könnte etwa aus einer Handvoll solider Blue-Chip-Aktien bestehen – etablierte Konzerne mit bewährten Geschäftsmodellen, die über Jahrzehnte Bestand haben. Andere Anleger setzen auf breit diversifizierte Welt-ETFs, die einmal gekauft und dann einfach liegengelassen werden.

Auch Mischformen sind verbreitet. Manche kombinieren einen stabilen ETF-Kern mit einzelnen Aktien von Unternehmen, an deren langfristige Zukunft sie besonders glauben. Entscheidend ist nicht die konkrete Zusammensetzung, sondern die Haltedauer. Ein typisches Buy-and-Hold Portfolio wird über zehn, zwanzig oder sogar dreißig Jahre kaum verändert – höchstens durch Nachkäufe oder die Wiederanlage von Dividenden.

Performance-Kennzahlen: Langfristige Renditen zwischen 8% und 12% jährlich bei konsequenter Umsetzung

Historische Analysen zeigen, dass Buy-and-Hold-Anleger, die in breit diversifizierte Portfolios investiert haben, über Zeiträume von zwanzig oder dreißig Jahren durchschnittliche jährliche Renditen zwischen 8% und 12% erzielen konnten. Diese Zahlen übertreffen oft die Ergebnisse aktiver Trader, vor allem nach Abzug von Transaktionskosten und Steuern. Über zwanzig Jahre entspricht dies einer Gesamtrendite von etwa 366% bis 864%, wobei die oberen Werte eher für reine Aktienportfolios gelten.

Der Schlüssel liegt im Zinseszinseffekt. Wer Gewinne nicht realisiert, sondern im Portfolio lässt, profitiert davon, dass diese Gewinne selbst wieder Rendite abwerfen. Auch reinvestierte Dividenden tragen erheblich bei – Studien zeigen, dass über 40% der langfristigen Aktienrendite aus Dividenden und deren Wiederanlage stammen.

Allerdings erfordert Buy-and-Hold eiserne Nerven in Krisenzeiten. Wer 2008 oder 2020 seine Positionen verkauft hat, hat die anschließende Erholung verpasst und die Strategie faktisch aufgegeben. Die besten Renditen erzielen jene, die auch durch die schwersten Crashes hindurch investiert bleiben.

Risikoprofil: Hohe kurzfristige Volatilität mit möglichen Drawdowns bis 50%

Buy-and-Hold bedeutet, die volle Marktvolatilität zu akzeptieren. Bei einem reinen Aktienportfolio muss mit jährlichen Schwankungen von 15% bis 20% gerechnet werden. In schweren Krisen können die Verluste temporär 40% bis 50% erreichen – und wer Buy-and-Hold ernst nimmt, sitzt diese aus, statt zu verkaufen. Das ist psychologisch extrem fordernd und nicht jeder hält dem stand.

Ein zusätzliches Risiko liegt in der Möglichkeit, dass einzelne Positionen dauerhaft an Wert verlieren oder gar wertlos werden. Wer vor zwanzig Jahren etwa auf Kodak, Nokia oder General Electric gesetzt hat, musste erleben, wie einstige Branchenführer abstürzten. Deshalb ist Diversifikation auch bei Buy-and-Hold wichtig – nie alles auf eine Karte setzen, auch wenn man langfristig denkt.

Das Sequenzrisiko spielt ebenfalls eine Rolle. Wer kurz vor dem Ruhestand steht und dann in eine schwere Krise gerät, hat möglicherweise nicht genug Zeit, um die Verluste wieder aufzuholen. Buy-and-Hold funktioniert am besten, wenn der Anlagehorizont weit in der Zukunft liegt.

Vorteile der Strategie

Der offensichtlichste Vorteil von Buy-and-Hold liegt in den minimierten Kosten. Wer nicht handelt, zahlt keine Transaktionsgebühren und löst keine Steuern auf Kursgewinne aus. Diese Einsparungen summieren sich über die Jahre erheblich. Auch der Zeitaufwand ist minimal – einmal investiert, muss man sich kaum noch um das Portfolio kümmern.

Die Strategie eliminiert zudem emotionale Fehlentscheidungen. Wer grundsätzlich nicht verkauft, kann nicht in Panik aus dem Markt gehen oder aus Gier zu teuer nachkaufen. Man nimmt sich selbst die Möglichkeit, zur falschen Zeit das Falsche zu tun. Langfristig ist das ein enormer Vorteil, denn die meisten Anlagefehler entstehen durch impulsive Reaktionen auf Marktschwankungen.

Nicht zuletzt profitiert man optimal vom Zinseszinseffekt. Über Jahrzehnte hinweg entfaltet dieser seine volle Kraft und kann aus moderaten Startbeträgen beachtliche Summen werden lassen. Die Zeit arbeitet für den Investor – und je länger man durchhält, desto stärker wird dieser Effekt.

Nachteile und Risiken

Buy-and-Hold erfordert außergewöhnliche Disziplin und Nerven aus Stahl. In Crashphasen zuzusehen, wie das Depot um 30% oder 40% einbricht, ohne zu handeln, ist psychologisch extrem belastend. Viele Anleger geben genau in solchen Momenten auf und realisieren damit ihre Verluste dauerhaft. Die Theorie klingt einfach, die Praxis ist brutal.

Ein weiteres Risiko liegt darin, dass man an Fehlentscheidungen festhält. Wer vor zwanzig Jahren in strukturell schwache Branchen oder Unternehmen investiert hat, könnte heute deutlich besser dastehen, hätte er rechtzeitig umgeschichtet. Buy-and-Hold darf nicht zur Ausrede werden, offensichtliche Fehler nicht zu korrigieren.

Auch verpasste Chancen gehören zur Strategie. Während andere in Boomzeiten Gewinne realisieren und in günstigeren Phasen nachkaufen, bleibt der Buy-and-Hold-Anleger investiert und lässt Opportunitäten ungenutzt. Das kann frustrierend sein, vor allem wenn man andere scheinbar geschickter agieren sieht. Zudem schützt Buy-and-Hold nicht vor der Möglichkeit, zum falschen Zeitpunkt eingestiegen zu sein – wer kurz vor einem jahrzehntelangen Bärenmarkt investiert, braucht enorme Geduld.

Anlegerprofil: Für wen ist Buy-and-Hold geeignet?

Buy-and-Hold eignet sich für Anleger mit einem sehr langfristigen Anlagehorizont von mindestens fünfzehn, besser zwanzig oder dreißig Jahren. Die Strategie passt zu jenen, die emotional stabil genug sind, um schwere Krisen auszusitzen, ohne in Panik zu geraten. Auch Menschen, die weder Zeit noch Interesse an aktivem Portfolio-Management haben, finden hier eine passende Lösung.

Besonders geeignet ist die Strategie für junge Anleger, die noch Jahrzehnte bis zum Ruhestand haben. Hier kann die Zeit ihre volle Kraft entfalten. Auch für Berufstätige, die neben ihrem Job nicht ständig Märkte beobachten können oder wollen, bietet Buy-and-Hold eine stressfreie Alternative. Weniger geeignet ist die Strategie für Anleger kurz vor dem Ruhestand, die auf ihr Kapital bald zugreifen müssen, oder für jene, die kurzfristige Schwankungen nicht ertragen können. Auch wer gerne aktiv handelt und sich für Marktanalysen begeistert, wird mit Buy-and-Hold eher unterfordert sein. Ein Mindestkapital ist nicht erforderlich, die Strategie funktioniert mit jeder Summe – je früher man beginnt, desto besser.