Index Strategie

Index-Strategie: Den Markt kaufen statt ihn schlagen zu wollen

Die Index-Strategie ist womöglich die unkomplizierteste Form des langfristigen Investierens. Statt einzelne Aktien auszuwählen oder auf die Expertise aktiver Fondsmanager zu vertrauen, kauft man einfach den gesamten Markt – oder zumindest einen repräsentativen Ausschnitt davon. Ein Index wie der MSCI World oder der S&P 500 wird eins zu eins nachgebildet, und damit ist man automatisch an Hunderten oder Tausenden Unternehmen beteiligt.

Für Anleger, die akzeptieren, dass Märkte langfristig effizienter sind als individuelle Prognosen, bietet die Index-Strategie eine überzeugende Lösung. Sie richtet sich an jene, die weder Zeit noch Lust haben, ständig Portfolios zu analysieren oder Fondsmanager zu bewerten. Die Strategie setzt auf eine simple Erkenntnis: Wer den Markt nicht schlagen kann, sollte ihn einfach kaufen. Das erfordert eine moderate bis höhere Risikobereitschaft, da man die volle Marktvolatilität mitträgt.

Funktionsweise und Grundprinzip der Strategie

Die Index-Strategie basiert auf der Annahme, dass Märkte weitgehend effizient sind. Das bedeutet: Alle verfügbaren Informationen sind bereits in den Kursen eingepreist, und es ist extrem schwierig, durch Analyse oder Timing dauerhaft bessere Ergebnisse zu erzielen als der Markt selbst. Zahlreiche Studien zeigen, dass die Mehrheit aktiv gemanagter Fonds langfristig schlechter abschneidet als vergleichbare Indizes – vor allem nach Abzug der höheren Gebühren.

Statt also zu versuchen, die besten Einzelaktien herauszupicken oder den richtigen Zeitpunkt zu erwischen, bildet man einfach einen Index nach. Das geschieht typischerweise über ETFs oder klassische Indexfonds. Diese Produkte kaufen automatisch alle im Index enthaltenen Aktien entsprechend ihrer Gewichtung. Steigt der Index, steigt das Portfolio. Fällt der Index, fällt auch das Depot. Es gibt keine Überraschungen, keine versteckten Wetten – was man sieht, ist das, was man bekommt.

Die Auswahl des Index ist dabei entscheidend. Weltweite Indizes wie der MSCI World oder FTSE All-World bieten maximale Diversifikation über Länder und Branchen hinweg. Regionale Indizes wie der S&P 500 oder DAX konzentrieren sich auf bestimmte Märkte, was Chancen wie Risiken verstärken kann. Auch thematische oder sektorale Indizes existieren, wobei diese bereits von der reinen Index-Philosophie abweichen.

Performance-Kennzahlen: Langfristige Marktrenditen zwischen 7% und 10% jährlich

Historisch betrachtet konnten breit diversifizierte Aktienindizes wie der MSCI World über lange Zeiträume durchschnittliche jährliche Renditen zwischen 7% und 10% erzielen. Der S&P 500 lag in den vergangenen Jahrzehnten eher im oberen Bereich dieser Spanne, europäische Indizes teils darunter. Über zwanzig Jahre entspricht dies einer Gesamtrendite von etwa 287% bis 573%, wobei die tatsächlichen Ergebnisse naturgemäß von der konkreten Zeitperiode abhängen.

Über kürzere Zeiträume können die Schwankungen erheblich sein. In manchen Fünfjahreszeiträumen lagen die Renditen bei null oder sogar im negativen Bereich, etwa nach der Dotcom-Blase oder der Finanzkrise. Über zehn Jahre glichen sich solche Phasen meist aus, und die Renditen bewegten sich wieder in Richtung des langfristigen Durchschnitts. Die entscheidende Lektion: Je länger der Anlagehorizont, desto zuverlässiger funktioniert die Index-Strategie.

Ein wesentlicher Vorteil liegt darin, dass man genau die Marktrendite erhält – nicht mehr, aber eben auch kaum weniger. Die minimalen Abweichungen entstehen nur durch die geringen Verwaltungskosten der ETFs, die oft unter 0,2% pro Jahr liegen.

Risikoprofil: Volle Marktvolatilität mit Drawdowns bis 50%

Wer in einen Aktienindex investiert, trägt die volle Marktvolatilität. Bei weltweiten Indizes liegt diese typischerweise zwischen 15% und 20% jährlich. Das bedeutet konkret: In zwei von drei Jahren bewegt sich die Rendite innerhalb dieser Bandbreite nach oben oder unten. In schweren Krisen wie 2008 oder während des Corona-Crashs 2020 können die Verluste allerdings deutlich drastischer ausfallen – temporäre Rückgänge von 40% bis 50% sind in solchen Extremsituationen durchaus möglich.

Der Vorteil gegenüber Einzelaktien liegt in der Diversifikation. Während einzelne Unternehmen auch komplett wertlos werden können, gleichen sich im Index die Verluste einzelner Titel durch stabilere oder sogar steigende Positionen teilweise aus. Dennoch: Wer nicht bereit ist, solche Rückschläge auszusitzen, sollte nicht ausschließlich in Aktienindizes investieren.

Ein häufig unterschätztes Risiko liegt in der Konzentration mancher Indizes. Der S&P 500 etwa ist stark von wenigen großen Technologiekonzernen dominiert. Läuft dieser Sektor schlecht, leidet der gesamte Index überproportional. Auch geografische Klumpenrisiken existieren – wer nur in einen nationalen Index investiert, ist stark von der Entwicklung dieses einen Landes abhängig.

Vorteile der Strategie

Der wohl größte Vorteil der Index-Strategie liegt in ihrer Einfachheit und Kosteneffizienz. Es braucht keinerlei Research, keine ständige Marktbeobachtung und keine komplexen Entscheidungen. Einmal investiert, kann man das Portfolio im Grunde sich selbst überlassen. Die Kosten sind minimal – während aktiv gemanagte Fonds oft 1,5% bis 2% pro Jahr kosten, liegen die Gebühren bei Index-ETFs meist unter 0,3%. Über Jahrzehnte macht dieser Unterschied enorme Summen aus.

Die Diversifikation ist ein weiterer Pluspunkt. Mit einem einzigen ETF ist man an Hunderten oder Tausenden Unternehmen beteiligt, was das Risiko einzelner Pleiten oder Fehlentwicklungen minimiert. Zudem ist die Strategie vollkommen transparent – jeder kann jederzeit nachvollziehen, welche Titel im Index enthalten sind und wie diese gewichtet sind.

Nicht zuletzt liefert die Index-Strategie verlässlich Marktrendite. Das mag nicht spektakulär klingen, ist aber langfristig besser als das, was die meisten aktiven Investoren erreichen. Studien zeigen immer wieder, dass über 80% der Fondsmanager ihren Vergleichsindex über zehn Jahre hinweg nicht schlagen können.

Nachteile und Risiken

Die Index-Strategie hat auch ihre Schattenseiten. Der offensichtlichste Nachteil: Man kann den Markt nicht schlagen. Wer auf Outperformance hofft, wird enttäuscht. In Phasen, in denen bestimmte Sektoren oder Einzelaktien durch die Decke gehen, schaut man als Index-Investor zu, wie andere höhere Gewinne einfahren. Auch in fallenden Märkten gibt es kein Entrinnen – man muss die Verluste voll mittragen.

Ein weiteres Problem liegt in der mechanischen Gewichtung. Die meisten Indizes gewichten nach Marktkapitalisierung, was bedeutet: Je teurer eine Aktie wird, desto höher ist ihr Gewicht im Index. Man kauft also automatisch mehr von dem, was gerade steigt – und potenziell überteuert ist. Das kann zu Blasenbildung führen, wie man in den späten 1990er Jahren bei Technologieaktien gesehen hat.

Auch die vermeintliche Passivität ist trügerisch. Indizes werden regelmäßig angepasst – Unternehmen kommen hinzu oder fallen heraus. Diese Umschichtungen erfolgen oft zu ungünstigen Zeitpunkten, etwa wenn ein Titel gerade stark gestiegen ist und aufgenommen wird, nur um kurz darauf einzubrechen. Zudem eliminiert die Index-Strategie nicht das Risiko schwerer Markteinbrüche. Wer 2000 oder 2007 investiert hat, musste viele Jahre warten, bis er wieder im Plus war.

Anlegerprofil: Für wen ist die Index-Strategie geeignet?

Die Index-Strategie eignet sich hervorragend für Anleger, die langfristig denken und einen Anlagehorizont von mindestens zehn, besser fünfzehn Jahren mitbringen. Sie passt zu jenen, die sich nicht für Einzelwertanalyse interessieren oder die Zeit dafür nicht aufbringen können. Gerade Einsteiger finden hier eine unkomplizierte Möglichkeit, vom Wachstum der globalen Wirtschaft zu profitieren, ohne sich in komplexe Strategien einarbeiten zu müssen.

Auch für erfahrene Anleger kann die Index-Strategie sinnvoll sein – etwa als Kerninvestment, um das herum eventuell einzelne Satellitenpositionen gebaut werden. Weniger geeignet ist die Strategie für Anleger, die aktiv handeln möchten oder die überzeugt sind, durch eigene Analyse bessere Ergebnisse erzielen zu können. Auch für sehr defensive Anleger ist ein reines Aktienindex-Portfolio zu volatil – hier sollten Anleihen oder andere stabilisierende Komponenten beigemischt werden. Ein Mindestkapital ist nicht erforderlich, bereits mit kleinen Beträgen lassen sich Index-ETFs kaufen oder besparen.