Was sind ETFs?
- Was sind ETFs? Grundlagen börsengehandelter Indexfonds
- Die Konstruktion eines ETF: Replikation als Kernprinzip
- Börsenhandel: Flexibilität während der Handelszeiten
- ETFs im Vergleich: Aktiver Fonds und Einzelaktie
- Thesaurierung und Ausschüttung: Zwei Wege der Ertragsverwendung
- Vielfalt der ETF-Kategorien
- ETFs als Baustein moderner Portfolios
- Weiterlesen
Was sind ETFs? Grundlagen börsengehandelter Indexfonds
ETFs gehören zu den erfolgreichsten Finanzinnovationen der vergangenen Jahrzehnte. Weltweit sind mittlerweile mehrere Billionen Dollar in diesen Produkten investiert, und auch in Deutschland entscheiden sich immer mehr Anleger für Exchange Traded Funds. Doch was genau verbirgt sich hinter diesem Begriff? Und warum haben ETFs traditionelle Anlageformen in vielen Portfolios verdrängt?
Die Abkürzung ETF steht für Exchange Traded Fund, zu Deutsch: börsengehandelter Indexfonds. Diese Bezeichnung fasst bereits die beiden wesentlichen Merkmale zusammen. Ein ETF bildet einen Index nach – etwa den DAX, den MSCI World oder andere Marktbarometer. Gleichzeitig wird er wie eine Aktie an der Börse gehandelt, was ihn flexibel und transparent macht.
Im Kern ermöglicht ein ETF, mit einem einzigen Wertpapier in einen ganzen Markt zu investieren. Wer beispielsweise einen ETF auf den DAX kauft, erwirbt damit indirekt Anteile an allen 40 im Index enthaltenen Unternehmen – von Siemens über SAP bis zur Deutschen Telekom. Das Gleiche funktioniert mit internationalen Indizes. Ein ETF auf den MSCI World etwa bildet rund 1.600 Aktien aus 23 Industrieländern ab und verschafft Anlegern auf einen Schlag ein global diversifiziertes Portfolio.
Die Konstruktion eines ETF: Replikation als Kernprinzip
ETFs werden von Fondsgesellschaften aufgelegt, die das Ziel verfolgen, einen bestimmten Index möglichst genau abzubilden. Man spricht hier von passivem Investment Management, im Gegensatz zum aktiven Fondsmanagement, bei dem ein Portfoliomanager versucht, durch gezielte Wertpapierauswahl eine Outperformance gegenüber dem Markt zu erzielen.
Es gibt im Wesentlichen zwei Methoden, wie ein ETF einen Index nachbildet. Bei der physischen Replikation kauft die Fondsgesellschaft tatsächlich die im Index enthaltenen Aktien oder Anleihen. Das kann entweder vollständig geschehen – also eins zu eins alle Werte des Index – oder durch eine optimierte Stichprobe, bei der nur die wichtigsten Positionen erworben werden. Letzteres ist vor allem bei sehr breiten Indizes mit mehreren Tausend Einzelwerten gängig, um Transaktionskosten zu begrenzen.
Die zweite Variante ist die synthetische Replikation über sogenannte Swaps. Hier hält der ETF nicht zwingend die Indexbestandteile selbst, sondern schließt ein Tauschgeschäft mit einer Bank ab. Diese verpflichtet sich vertraglich, dem Fonds die Wertentwicklung des Index zu liefern. Synthetische ETFs können Indizes sehr präzise nachbilden und sind oft kostengünstiger, bergen aber ein Kontrahentenrisiko – also das Risiko, dass die Gegenpartei des Swap-Geschäfts ausfällt. Dieses Risiko ist regulatorisch auf 10% des Fondsvermögens begrenzt.
Börsenhandel: Flexibilität während der Handelszeiten
Ein entscheidender Unterschied zu klassischen Investmentfonds liegt im Handelsmodell. Während traditionelle Fonds nur einmal täglich zum Nettoinventarwert – dem sogenannten NAV – gehandelt werden, kann man ETF-Anteile jederzeit während der Börsenöffnungszeiten kaufen und verkaufen. Der Preis ergibt sich aus Angebot und Nachfrage und orientiert sich am aktuellen Wert der im Fonds enthaltenen Wertpapiere.
Für die nötige Liquidität sorgen sogenannte Market Maker oder Designated Sponsors. Diese Marktteilnehmer stellen kontinuierlich An- und Verkaufskurse, sodass Anleger praktisch immer einen Handelspartner finden. Bei großen, etablierten ETFs auf liquide Indizes sind die Handelsspannen – die sogenannten Spreads zwischen Kauf- und Verkaufspreis – in der Regel sehr eng.
ETFs im Vergleich: Aktiver Fonds und Einzelaktie
Um die Besonderheiten von ETFs besser einordnen zu können, lohnt sich ein strukturierter Vergleich mit traditionellen Anlageformen. Die folgende Tabelle stellt die wesentlichen Merkmale gegenüber:
| Merkmal | ETF | Aktiver Fonds | Einzelaktie |
|---|---|---|---|
| Anlagestrategie | Passiv, bildet Index nach | Aktiv, Fondsmanager trifft Auswahl | Direktinvestment in ein Unternehmen |
| Diversifikation | Breit gestreut über gesamten Index | Gestreut, aber konzentrierter als ETF | Keine Streuung, Einzelwertrisiko |
| Kosten p.a. | 0,05% bis 0,50% (Beispiel) | 1,00% bis 2,50% (Beispiel) | Keine laufenden Kosten |
| Handelszeiten | Börsentäglich während Handelszeiten | Einmal täglich zum NAV | Börsentäglich während Handelszeiten |
| Transparenz | Tägliche Offenlegung der Zusammensetzung | Halbjährliche oder quartalsweise Berichte | Vollständig transparent (ein Wert) |
| Mindestanlage | Ein Anteil (oft 20 bis 100 Euro) | Oft ab 50 Euro, teils Mindestanlage | Ein Anteil (kann sehr unterschiedlich sein) |
| Performance-Ziel | Indexrendite exakt abbilden | Index schlagen (in der Praxis selten erfolgreich) | Unternehmensentwicklung bestimmt Rendite |
Die Kostenstruktur fällt bei ETFs deutlich günstiger aus als bei aktiv verwalteten Fonds. Während ein klassischer Aktienfonds nicht selten mit Verwaltungsgebühren von 1,5% oder mehr zu Buche schlägt, bewegen sich die laufenden Kosten bei ETFs häufig im Bereich von 0,1% bis 0,3% pro Jahr. Dieser Unterschied mag auf den ersten Blick gering erscheinen, summiert sich über längere Anlagezeiträume jedoch erheblich.
Ein weiterer Aspekt ist die Transparenz. ETFs veröffentlichen ihre vollständige Zusammensetzung täglich, sodass Anleger jederzeit nachvollziehen können, in welche Werte ihr Geld investiert ist. Bei aktiven Fonds hingegen erfolgt die Offenlegung der Positionen typischerweise nur halbjährlich oder quartalsweise – und selbst dann oft mit zeitlicher Verzögerung.
Thesaurierung und Ausschüttung: Zwei Wege der Ertragsverwendung
ETFs gibt es in zwei grundsätzlichen Varianten hinsichtlich der Verwendung von Erträgen. Ausschüttende ETFs zahlen Dividenden und Zinserträge regelmäßig – meist quartalsweise oder jährlich – an die Anleger aus. Diese können das Geld entnehmen oder reinvestieren. Thesaurierende ETFs dagegen legen die Erträge automatisch im Fonds wieder an, was langfristig den Zinseszinseffekt verstärkt.
Welche Variante man wählt, hängt von den persönlichen Präferenzen ab. Wer ein passives Einkommen aus seinem Portfolio generieren möchte, wird eher zu ausschüttenden ETFs greifen. Anleger im Vermögensaufbau mit einem langen Anlagehorizont profitieren hingegen oft stärker von der automatischen Wiederanlage durch thesaurierende Produkte. Steuerlich sind beide Varianten seit der Investmentsteuerreform 2018 weitgehend gleichgestellt, wobei bei thesaurierenden ETFs die sogenannte Vorabpauschale zu beachten ist – mehr dazu im Artikel zu ETF & Steuern.
Vielfalt der ETF-Kategorien
Das ETF-Universum beschränkt sich längst nicht mehr auf Aktienindizes. Mittlerweile gibt es ETFs auf nahezu alle Anlageklassen: von Anleihen über Rohstoffe bis hin zu Immobilien oder Kryptowährungen. Auch thematische ETFs haben in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen – etwa auf Megatrends wie künstliche Intelligenz, erneuerbare Energien oder Wasser.
Bei der Auswahl des richtigen ETF spielen verschiedene Faktoren eine Rolle. Neben der Kostenquote – der Total Expense Ratio, kurz TER – sind auch das Fondsvolumen, die Replikationsmethode und die Handelsliquidität relevante Kriterien. Wie man systematisch vorgeht und worauf es im Detail ankommt, wird ausführlich im Artikel zur ETF Auswahl behandelt.
ETFs als Baustein moderner Portfolios
Was ETFs für viele Anleger attraktiv macht, ist die Kombination aus Einfachheit, Transparenz und Kosteneffizienz. Mit vergleichsweise geringem Aufwand lässt sich ein breit diversifiziertes Portfolio aufbauen, das den Grundprinzipien solider Geldanlage entspricht. Man muss sich nicht mit der Auswahl von Einzelaktien beschäftigen oder darauf hoffen, dass ein Fondsmanager dauerhaft bessere Entscheidungen trifft als der Markt.
Gleichzeitig bedeutet passives Investieren nicht, dass man sich überhaupt nicht mit seinen Anlagen befassen muss. Die Wahl des richtigen Index, die Gewichtung verschiedener Anlageklassen und die regelmäßige Überprüfung der Strategie bleiben wichtige Aufgaben. Auch ETFs sind nicht frei von Risiken – sie unterliegen den Schwankungen der zugrunde liegenden Märkte und können Verluste erleiden. Eine umfassende Betrachtung der möglichen Risiken findet sich im Artikel zu ETF Risiken.
Für langfristig orientierte Anleger haben sich ETFs dennoch als robustes Instrument erwiesen. Die Kombination aus niedrigen Kosten und breiter Streuung schafft gute Voraussetzungen für einen erfolgreichen Vermögensaufbau. Ob als Kernbaustein eines Portfolios oder als Ergänzung zu anderen Anlagen – ETFs bieten eine praktikable Möglichkeit, an der Entwicklung ganzer Märkte teilzuhaben, ohne auf die Expertise teurer Fondsmanager angewiesen zu sein.
Weiterlesen
Nach diesem grundlegenden Überblick zu ETFs empfiehlt sich die Lektüre folgender vertiefender Artikel:
Vor- & Nachteile von ETFs – Eine objektive Analyse der Stärken und Schwächen börsengehandelter Indexfonds
ETF Auswahl – Systematische Kriterien und praktische Hilfestellung bei der Auswahl passender ETFs für Ihr Portfolio