Anleihe-Emittenten: Die wichtigsten Anbieter für Privatanleger

Was sind Anleihe-Emittenten und warum sind sie relevant?

Anleihe-Emittenten sind Institutionen, die sich Geld am Kapitalmarkt leihen, indem sie verzinsliche Wertpapiere ausgeben. Als Privatanleger können Sie diese Anleihen kaufen und erhalten dafür regelmäßige Zinszahlungen sowie am Laufzeitende Ihr Kapital zurück. Für viele Anleger sind Anleihen ein wichtiger Baustein zur Diversifikation, da sie planbarer sind als Aktien und oft geringere Kursschwankungen aufweisen. Die Bandbreite reicht von sicheren Staatsanleihen über solide Unternehmensanleihen bis hin zu riskanteren High-Yield-Papieren mit höheren Zinsen.

 

Unternehmensanleihen: Von Banken bis Industriekonzernen

Zu den aktivsten Emittenten von Unternehmensanleihen gehören große Banken und Finanzinstitute. Die LBBW etwa ist mit über 650 handelbaren Anleihen einer der größten deutschen Emittenten. Auch die Deutsche Bank bietet mehr als 100 verschiedene Anleihen an, von klassischen Senior-Anleihen bis hin zu nachrangigen Papieren. International dominieren Häuser wie JP Morgan, Goldman Sachs oder BNP Paribas den Markt mit jeweils Dutzenden bis Hunderten von Emissionen.

Aber nicht nur Banken begeben Anleihen. Große Industriekonzerne wie Volkswagen nutzen den Anleihemarkt intensiv zur Refinanzierung. VW hat über 100 Anleihen im Umlauf, die sich in Laufzeit und Zinssatz unterscheiden. Für Privatanleger bieten solche Unternehmensanleihen die Chance, an der Bonität etablierter Konzerne zu partizipieren, ohne das volle Risiko einer Aktienanlage einzugehen. Die Renditen liegen dabei meist über denen von Staatsanleihen, spiegeln aber auch ein höheres Kreditrisiko wider.

 

Pfandbriefe: Besicherte Anleihen mit extra Sicherheit

Eine Sonderform sind Pfandbriefe, die durch Immobilien oder öffentliche Kredite besichert sind. In Deutschland sind die LBBW und die Pfandbriefbank der Schweizer Kantonalbanken führende Emittenten. Die LBBW hat allein über 130 Pfandbriefe im Angebot, während spezialisierte Institute wie die DZ HYP ebenfalls rund 50 Pfandbriefe begeben. Diese Wertpapiere gelten als besonders sicher, da im Insolvenzfall die hinterlegten Sicherheiten vorrangig zur Rückzahlung herangezogen werden.

Pfandbriefe sind für konservative Anleger interessant, die Wert auf Sicherheit legen. Die Renditen liegen zwar oft unter denen unbesicherter Unternehmensanleihen, dafür ist das Ausfallrisiko deutlich geringer. Auch die Liquidität ist meist gut, da viele Pfandbriefe an Börsen gehandelt werden und institutionelle Investoren diese Papiere schätzen.

 

Staatsanleihen: Von den USA bis Rumänien

Staatsanleihen sind für viele Anleger der Inbegriff sicherer Anlagen. Die USA führen mit über 440 verschiedenen Anleihen den Markt an, gefolgt von Italien mit rund 190 und Deutschland mit etwa 160 Emissionen. Französische und rumänische Staatsanleihen runden das Spektrum ab, wobei die Bonität und damit die Rendite stark variiert. Deutsche Bundesanleihen gelten als nahezu risikofrei, bieten dafür aber auch sehr niedrige Zinsen. Rumänische oder italienische Staatsanleihen werfen höhere Renditen ab, gehen aber mit einem erhöhten Risiko einher.

Für Privatanleger ist die Auswahl an Staatsanleihen groß. Man kann gezielt in Länder mit hoher Bonität investieren, um das Portfolio zu stabilisieren, oder bewusst Rendite durch risikoreichere Schwellenländer-Anleihen suchen. Wichtig ist dabei, die politische und wirtschaftliche Stabilität des jeweiligen Landes zu bewerten.

 

Supranationale und staatsnahe Emittenten: EIB, Weltbank und KfW

Supranationale Institutionen wie die European Investment Bank, die Weltbank oder die Kreditanstalt für Wiederaufbau emittieren Anleihen, die von mehreren Staaten getragen werden. Die EIB hat mit über 240 Anleihen das größte Angebot, die Weltbank folgt mit rund 200. Die KfW, Deutschlands staatliche Förderbank, bietet etwa 180 verschiedene Anleihen an. Diese Papiere gelten als extrem sicher, da sie faktisch von den dahinterstehenden Staaten garantiert werden.

Für sicherheitsorientierte Privatanleger sind solche Anleihen eine Alternative zu Staatsanleihen. Die Renditen liegen meist auf einem ähnlichen Niveau wie bei deutschen Bundesanleihen, bieten aber den Vorteil einer breiteren Risikostreuung durch die Beteiligung mehrerer Länder. Zudem haben viele dieser Emittenten einen entwicklungspolitischen oder infrastrukturellen Auftrag, was für nachhaltig orientierte Anleger interessant sein kann.

 

Hybridanleihen und Sonstige: Für erfahrene Anleger

Hybridanleihen sind eine Mischform zwischen Anleihe und Eigenkapital. Sie werden nachrangig behandelt, haben oft keine feste Laufzeit und bieten höhere Zinsen. BNP Paribas, AXA, Credit Agricole oder die Commerzbank sind bekannte Emittenten solcher Papiere. Für Privatanleger sind Hybridanleihen eine Möglichkeit, höhere Renditen zu erzielen, allerdings steigt auch das Risiko. Im Krisenfall werden Hybridanleihen erst nach allen anderen Gläubigern bedient.

Unter die Kategorie sonstige Anleihen fallen Emissionen von weniger bekannten Institutionen oder speziellen Zweckgesellschaften. Die LBBW etwa hat fast 3.000 solcher Papiere im Umlauf, die BayernLB rund 500. Diese Anleihen können interessant sein, erfordern aber eine genaue Prüfung der Emissionsbedingungen und der Bonität.

 

Zugang für Privatanleger: Wo und wie kaufen?

Anleihen können Sie über nahezu jeden Online-Broker oder Ihre Hausbank kaufen. Viele Anleihen werden an Börsen wie Stuttgart, Frankfurt oder im außerbörslichen Direkthandel angeboten. Die Mindestanlagesummen variieren, liegen aber oft bei 1.000 Euro pro Stück. Manche Emittenten bieten auch kleinere Stückelungen an, was den Einstieg erleichtert.

Beim Kauf sollten Sie auf die Liquidität achten. Große, bekannte Emissionen lassen sich problemlos handeln, während exotischere Anleihen möglicherweise schwerer zu verkaufen sind. Auch die Stückzinsen sind zu beachten, denn beim Kauf zwischen zwei Zinszahlungsterminen zahlen Sie die seit der letzten Zinszahlung aufgelaufenen Zinsen mit, erhalten diese aber bei der nächsten Ausschüttung zurück.

 

Auswahlkriterien: Rating, Rendite und Laufzeit

Die Bonität des Emittenten ist das wichtigste Kriterium. Ratingagenturen wie Moody’s oder Standard & Poor’s bewerten die Kreditwürdigkeit und vergeben Noten von AAA bis D. Ein AAA-Rating signalisiert höchste Sicherheit, geht aber mit niedrigen Zinsen einher. Ein BBB-Rating oder darunter deutet auf höheres Risiko hin, bietet aber auch attraktivere Renditen. Als Privatanleger sollten Sie abwägen, wie viel Risiko Sie eingehen möchten.

Die Rendite setzt sich aus dem Kupon und möglichen Kursgewinnen oder -verlusten zusammen. Kaufen Sie eine Anleihe unter dem Nennwert, steigt die Effektivrendite. Die Laufzeit beeinflusst, wie stark die Anleihe auf Zinsänderungen reagiert. Kurzläufer sind weniger volatil, Langläufer können bei fallenden Zinsen deutlich im Kurs steigen, bei steigenden Zinsen aber auch stärker fallen.

 

Kosten beim Anleihekauf

Beim Kauf von Anleihen fallen Transaktionskosten an, die je nach Broker zwischen fünf und zwanzig Euro oder einem Prozentsatz des Ordervolumens liegen können. Im außerbörslichen Handel kann zusätzlich ein Spread anfallen. Depotgebühren spielen bei vielen Online-Brokern keine Rolle mehr, da kostenlose Depots inzwischen Standard sind. Wichtig ist, die Kosten vorab zu vergleichen, da sie die Rendite schmälern.

 

Chancen und Risiken im Überblick

Anleihen bieten planbare Erträge und sind bei sicheren Emittenten eine stabile Anlageform. Sie eignen sich zur Diversifikation und können in unsicheren Börsenzeiten Stabilität ins Depot bringen. Das Hauptrisiko besteht darin, dass der Emittent insolvent wird und Zinszahlungen ausfallen oder die Rückzahlung gefährdet ist. Zudem reagieren Anleihekurse auf Zinsänderungen, sodass Verkäufe vor Laufzeitende Verluste mit sich bringen können.

Wer in Fremdwährungsanleihen investiert, trägt zusätzlich ein Währungsrisiko. Schwankungen im Wechselkurs können die Rendite erheblich beeinflussen. Dafür winken bei manchen Währungen höhere Zinsen. Wichtig ist, sich der verschiedenen Risiken bewusst zu sein und entsprechend zu diversifizieren.

 

Fazit: Für wen eignen sich Anleihe-Emittenten?

Anleihen sind für nahezu jeden Privatanleger interessant, der sein Portfolio breiter aufstellen möchte. Konservative Anleger setzen auf sichere Staatsanleihen oder Pfandbriefe, während renditeorientierte Investoren auch Unternehmensanleihen oder Hochzinsanleihen in Betracht ziehen. Wichtig ist, die Bonität des Emittenten zu prüfen, die eigene Risikobereitschaft zu kennen und die Kosten im Blick zu behalten. Mit der richtigen Auswahl können Anleihen eine sinnvolle Ergänzung zu Aktien und anderen Anlageklassen darstellen.